Eines der bekanntesten Spielwarenhäuser der Welt hat seine Pforten zum vielleicht letzten Mal geschlossen.

FAO Schwarz muss schließen
FAO Schwarz muss schließen

FAO Schwarz in New York zählte zu den berühmtesten Spielwarengeschäften der Welt. Mitte Juli musste die Institution an der Fifth Avenue ihre Tore schließen. Trotz der gewaltigen Besucherströme war die Top-Lage nicht länger zu halten.

Mit dem dreistöckigen Flagship-Store von FAO Schwarz im General Motors Building schließt nicht irgendein Spielwarengeschäft, sondern eine der bekanntesten Touristenattraktionen der Fifth Avenue. Das Geschäft wurde 1862 von dem deutschen Emigranten Frederick August Otto Schwarz gegründet und blieb bis in das Jahr 1963 in Familienbesitz. Seitdem hat es mehrfach den Eigentümer gewechselt. Vor allem in den vergangenen 15 Jahren hatte das Geschäft mit großen Problemen zu kämpfen. 2001 erwarb Right Start das zwischenzeitlich zu einer Kette mit über 40 Filialen gewachsene Unternehmen von der niederländischen Firma Vendex/BKK und führte es innerhalb kürzester Zeit gleich zweimal in den Bankrott. Darum musste auch der Flagship-Store in der Fifth Avenue bereits im Dezember 2003 ein erstes Mal schließen. Die Invest­mentfirma D. E. Shaw & Co. kaufte kurz darauf die Geschäfte in New York sowie in Las Vegas, aber auch sie konnten diese nicht halten. 2009 schließlich erwarb Toys“R“Us das Traditionsunternehmen.

FAO Schwarz war immer eine beliebte Touristenattraktion. Im Flagship-Store fanden sich unter anderem ein Zoo voller Kuscheltiere, als Spielzeugsoldaten verkleidete Mitarbeiter, lebensgroße Lego-Figuren, und vor allem das aus vielen Filmen berühmte Fußbodenklavier. Und so durchströmten Jahr für Jahr Millionen von Besuchern dieses einzigartige Kinderkaufhaus.

Das Geschäft bediente auch die ungewöhnlichsten Kundenwünsche: So umfasste das Sortiment beispielsweise einen motorisierten Miniatur-Mercedes, lebensgroße Nachbauten von Basketballspielern aus Lego-Steinen oder zu einem Prinzessin-Kostüm passende Medaillons aus Platin und Diamanten. Kurzum: Bei FAO Schwarz wurden Träume wahr. Dass das Geschäft nun schließen musste, hatte indes weltliche Gründe: Hohe Mieten und Umsatzeinbußen aufgrund des Konkurrenzdrucks aus dem Internet. Denn für die meisten Besucher war das Haus mehr eine Sehenswürdigkeit als ein Geschäft. Bei FAO Schwarz konnten sie staunen, im Internet aber günstig einkaufen.

Gleichzeitig stiegen die Betriebskosten und vor allem die Mieten immer höher. Die Fifth Avenue ist die teuerste Straße der Welt: Durchschnittlich 30.000 Euro pro Quadratmeter kostet dort die Miete im Monat. Und FAO Schwarz hatte eine Fläche von 5.900 Quadratmetern. Darum beendet Toys“R“Us den eigentlich bis 2017 laufenden Mietvertrag vorzeitig. Auf diese Weise spart das Unternehmen einen nicht näher genannten, aber als „signifikant“ bezeichneten Betrag Toys“R“Us sei, so kommuniziert das Unternehmen, trotz der Schließung des Flagship-Stores weiterhin von der Marke FAO Schwarz überzeugt. Darum sei man auch aktiv auf der Suche nach einer neuen Fläche in Manhattan. Dass es zu einer schnellen Lösung kommt, ist allerdings unwahrscheinlich: Mitte August platzte die Vereinbarung mit einer Immobilienfirma, die einen neuen Standort am Times Square angeboten hatte. Hier war die aufgerufene Miete zu hoch für Toys “R“Us. Das Unternehmen selbst hatte im Frühjahr ebenfalls aus Kostengründen ein eigene Filiale am Times Square aufgegeben. (ch)


Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Der eben gelesene Beitrag
Das Spiel ist aus
erschien in der gedruckten Ausgabe 09 / 2015 von Childhood Business vom 05.09.2015 auf Seite 77

Hier geht es zu ausgewählten Beiträgen aus der Ausgabe. Nicht alle Inhalte sind Online zu lesen. Die komplette Ausgabe können Sie im Shop hier bestellen.