Cool im Kühlen: Lopapeysa-Mode von Farmers Market aus Island.
Cool im Kühlen:
Lopapeysa-Mode von Farmers Market aus Island.

Die Menge an ökologisch erzeugter Baumwolle stellt noch immer einen äußerst kleinen Anteil an dem weltweiten Gesamtvolumen dar. Und gleichzeitig wächst der Bedarf an industriell produzierter Baumwolle aufgrund der zunehmenden Weltbevölkerung noch weiter, während in einigen höher entwickelten Ländern auf der Konsumentenseite  die Nachfrage nach schadstofffreien sowie ökologisch bis hin zu sozial ausgewogen produzierten Naturstoffen zunimmt. Daher lohnt ein Blick auf weitere Alternativen für nachhaltige Kinderbekleidung.

Wenn Regen fällt, wächst das Leinen

Schon seit jeher wird Flachs für Textilien benutzt und bietet aus heutiger Sicht interessante Aspekte für den sich verändernden Textilmarkt. Die Leinpflanze wird in Europa angebaut, wächst auf kargem Boden und benötigt kaum mehr als natürliches Regenwasser. Chemie wird beim herkömmlichen Anbau von Flachs zwar verwendet, jedoch in äußerst geringen Maßen, da die Pflanze bei zu hohem Einsatz mürbe und grobfasrig wird. Bio-Qualitäten der Rohfaser, die komplett auf den Einsatz von Chemie verzichten, sind genauso erhältlich. Die österreichische Leinenweberei Vieböck verarbeitet beide Qualitäten und ist als weltweit einzige Leinenweberei GOTS- und IVN BEST-zertifiziert. Der Webereibetrieb besteht bereits seit 180 Jahren und hat mehr zu bieten als das klassisch beige Leinen. Er präsentiert saisonal fortlaufend neue Stoffkollektionen, bedient sich dabei an traditionellen Mühlviertler Webmustern, entwickelt aber auch neue Designs.

Das Schaf an den Ohren packen

Dass sich der Weg „zurück zu den Wurzeln“ bewährt, sieht man am Beispiel der isländischen Designerin Bergthora Gudnadóttir. Dank der ehemaligen Chefdesignerin der isländischen Outdoormarke 66°Nord ist die lange aus der Mode gekommene Lopi-Wolle und die daraus gestrickten Lopapeysa wieder en vogue. Als Lopapeysa bezeichnet man die traditionell gemusterten und grob gestrickten Island-Pullover. Die Designerin Bergthora Gudnadóttir und ihr Mann Jóel Pálsson gründeten 2005 das Modelabel Farmers Market und bewahrten natürlich produzierte, isländische Schafwolle davor, einfach weggeworfen zu werden, wozu sich Garnhersteller durch verringerte Aufträge zunächst gezwungen sahen.

Auf die Milch gekommen

Bei der Suche nach chemisch unbehandelten Stoffen stieß Diplom-Biologin Anke Domaske auf ein altes Verfahren, um Textilfasern aus Milch herzustellen. Sie entwickelte dieses mit Erfolg weiter. Ihre Firma Qmilk wurde 2011 gegründet und schafft es, aus dem Protein Casein, das im industriellen Milchabfall anfällt, in einem patentierten Verfahren ohne chemische Zusatzstoffe nur mittels Bienenwachs und Zink eine Bio-Faser zu spinnen. Zur Herstellung der Qmilk-Faser wird extrem wenig Wasser benötigt. Maximal zwei Liter pro Kilogramm Faser werden benötigt. haptisch lässt sich Qmilk mit Wolle und Seide vergleichen und liegt auch preislich in einem ähnlichen Rahmen.

Qmilk stellt sich selbst hohen ökologischen Standards, um nachhaltigen Aspekten gerecht zu werden, und wurde dafür unter anderem mit dem Greentech Award für Produktion ausgezeichnet. Das „Zero Waste“-Unternehmen ist mittlerweile imstande, den Markt mit 1.000 Tonnen pro Jahr zu beliefern. Bis 2017 soll ein Sammelsystem für Non-Food-Milch entstehen, die dann bei Bauern und Supermärkten direkt abgeholt werden kann.

Die Fakten sprechen für Qmilk, denn jährlich werden in Deutschland über zwei Millionen Tonnen Milch entsorgt, weil sie nicht den Lebensmittelkriterien entsprechen. „Selbst wenn unser Sammelsystem aufgebaut ist, könnten wir vorerst nur fünf Prozent dieser Non-Food-Milch verwerten. Es steckt also ein großes Potenzial darin,“ erklärt Domaske.

Wunderbaum

Der weltweit führende Produzent von chemisch erzeugten Cellulose­fasern Lenzing aus Österreich nutzt das Holz nachhaltig bewirtschafteter Eukalyptusplantagen, um eine spezielle Regeneratfaser herzustellen. Die im Eukalyptusholz enthaltene Cellulose wird herausgelöst, zu einer Spinnlösung destilliert und zu Lyocell, einer Faser mit einer sehr glatten, geschmeidigen und kühlenden Oberfläche, verarbeitet. Lyocell, auch bekannt als Tencel, ist eine ideale Faser für sensible Kinderhaut. Durch den fibrillären Charakter weist Lyocell eine um 50 Prozent höhere Feuchtigkeitsaufnahme als Baumwolle auf, wodurch eine Bakterienbildung deutlich reduziert wird.

Eine weitere Faser von Lenzing ist Modal. Hier wird der Zellstoff aus dem Holz von Buchen gewonnen. Durch ein speziell dazu entwickeltes  Verfahren erhält die Modalfaser ähnliche Eigenschaften wie Baumwolle und Viskose, sie ist jedoch elastischer, strapazierfähiger, saugfähiger und trocknet schneller.

(ao)


Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Der eben gelesene Beitrag
Die Alternativen
erschien in der gedruckten Ausgabe 10 / 2015 von Childhood Business vom 01.10.2015 auf Seite 38

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