Die großen Erwartungen

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Inspirierende Installationen: Marken wie Mimisol betreiben viel Aufwand, um auf Messen Aufmerksamkeit zu erregen.

Hersteller und Designer stellen sich nach einer langen Zeit der Kollektionsentwicklung auf den Messen und Ordertagen dem Fachpublikum. Childhood Business verrät, wie Aussteller und Einkäufer sich auf die Treffen vorbereiten.

Der Januar und der Februar war geprägt durch die Termine der internationalen Modefachmessen und Ordertage. Gezeigt wurden die Kollektionen für die kommende Herbst- und Wintermode 2016/17. Für die Aussteller sind das die Auftaktveranstaltungen, auf denen die neuen Kollektionen, in denen bis zu eineinhalb Jahre Vorarbeit stecken, präsentiert werden. 

„Die Messezeit ist bei uns der Kick-off für die neue Saison. Je nach Standort empfangen wir viele große, treffen aber auch einige unserer etwas kleineren Kunden. Die Messen bieten eine ideale Plattform für den persönlichen Austausch und ermöglichen es uns, ein direktes Feedback einzuholen“, bestätigt Jürgen Beck, General Sales Manager von Bellybutton bei der Kids Fashion Group. 

Die Präsentation auf einer Messe ermöglicht den Marken nicht nur eine persönliche Kontaktpflege mit den Bestandskunden, sondern auch die wichtige Neuakquise. „Für uns gibt es einige gute Gründe, die dafür sprechen, an Messen auszustellen und teilzunehmen. Um in diesem hart umkämpfen Business zu überleben, braucht man ein starkes Netzwerk. Daher ist es für uns unglaublich wichtig, auf den Messen präsent zu sein, unsere bereits bestehenden Kontakte zu pflegen und neue Geschäftsbeziehungen zu knüpfen. Außerdem können wir  mit internationalen Medien und Bloggern von Angesicht zu Angesicht in Kontakt treten. Und letztlich wollen wir die Bemühungen der Messen mit unserer Teilnahme unterstützen, denn nur durch ihre Arbeit wird die Kindermode nicht völlig von der der Erwachsenen überschattet“, sagt die PR- und Marketingkoordinatorin Michelle Faust Berthels von Molo Kids.

Die Bedeutung der deutschen Ordertage

Gerade für internationale Marken wie Molo Kids sind die deutschen Ordertage von höchster Bedeutung. Denn wer sich auf den hiesigen Markt platzieren will, muss auch ein Verständnis für diesen entwickeln. Durch den unmittelbaren Austausch, welche Schnitte, Stoffe, Farben und Muster am besten funktionieren, können sich internationale Marken entsprechend einstellen. „Unseren Kosmos und unsere Idee von tragbarer, inspirierender Kinderkleidung auf den deutschen Ordertagen vorzustellen ist für uns als dänisches Label absolut wichtig. Wir brauchen das Feedback, inwieweit sich deutsche Kunden auf uns einlassen, denn die Nachfrage auf dem deutschen Markt unterscheidet sich sehr vom skandinavischen“, so Julia Isabelle Weinacker, Export Sales Representative von Småfolk. Weinacker weiter: „Im deutschsprachigen Raum spielt zum Beispiel die Preispolitik eine große Rolle, auch eine Zertifizierung wird immer wichtiger und außerdem sollten die Drucke und Farben nicht zu wild sein. Unsere bunten Prints werden in Deutschland daher nicht im Komplettlook getragen, sondern eher als ­ein Akzent setzendes Keypiece.“

Der konstruktive Austausch zwischen der Marke und den Abnehmern bringt oft erst das nötige Kundenverständnis für neue Konzepte, Stoffe oder Visionen und rückwärtig wiederum den Input für die Markenhersteller hervor. Das bietet den flexibleren Anbietern besondere Chancen. „Durch unseren eigenen Kollektionsrhythmus, der sehr nah an den Lieferterminen ist, haben wir kurze Produktionszeiten. Wir können daher noch auf der Messe kurzfristig und spontan auf Kundenwünsche eingehen und diese Ideen mit in die Kollektion aufnehmen“, so Peter Bohlender von Blue Effect. 

Frühzeitige Budgetplanungen 

Aber nicht nur für die Aussteller sind die Messen und Ordertage fixe Termine. Auch bei den Einkäufern haben diese eine hohe Bedeutung. Mit Beginn der Messen- und Orderzeit werden von den Einkäufern die Lookbooks gesichtet, die letzten Jahresumsätze ausgewertet und daraufhin die Budgets geplant. Die großen Warenketten und Kaufhäuser nutzen ihre Analysen, welche Warengruppen bei ihnen funktionieren und was für die kommende Saison nachgeordert werden sollte. Der Blick auf die vorherige Spiegelsaison liefert Aufschlüsse, welche Kollektionen der vergangenen Saison funktioniert haben und was nicht angenommen worden ist.

Sylvia Baitsch, die Einkaufsleiterin von Baby-Walz, beschreibt die Vorbereitung auf die Orderzeiten wie folgt: „Unser Einkäuferteam setzt sich vorab zusammen und koordiniert die Ordertermine. Dazu arbeiten wir sehr eng mit dem Vertrieb zusammen, um ein Gespür dafür zu bekommen, was bei Kunden gut ankommt und was nicht. Das als Grundlage ist eine gute Orientierungshilfe, um die Budgets zu verteilen.“ Natürlich kann es aber auch vorkommen, dass eine Folgekollektion der Lieferanten nicht den Erwartungen entspricht. In diesem Fall müssen die Einkäufer das festgelegte Budget anders verteilen. Schließlich fällt ihnen ein Teil der Aufgabe zu, durch die richtigen Ordern einen geplanten Saisonumsatz erreichen zu können. „Wenn mein Trendgespür mir sagt, dass die neue Kollektion einer Marke wenig Erfolgs versprechend ist, ordere ich hier weniger und verteile das angesetzte Budget auf andere Labels. Das können dann auch gerne kleinere und neue sein. Somit haben gerade auch diese eine Chance, in unser Sortiment aufgenommen zu werden“, bestätigt Cornelia Kallhardt, Einkäuferin von www.Windeln.de für den Bereich „Mode für Mama und Kind“.

Auf Messen schauen, erst später Ordern

Die internationalen Messen und selbst die regionalen Ordertage sind mittlerweile keine reinen Schreibmessen mehr. Die Einkäufer empfinden das als unkritisch. „Wir fahren nicht mehr unbedingt zum Ordern auf die Messen. Wir verschaffen uns vielmehr einen Überblick über die Kollektionen und suchen nach möglichen neuen Lieferanten, die wir noch nicht kennen. Momentan suchen wir gezielt nach neuen Lieferanten im Bereich Organic Fashion“, so Sylvia Baitsch. Gerade bei den Waren- und Versandhäusern wie Kaufhof, P&C, Wöhrl und Zalando ist es üblich, dass die Handelsvertreter der Lieferanten Hausbesuche abstatten. Peter Bohlender von Blue Effect kann dies nur bestätigen: „90 bis 95 Prozent unserer Ordern werden nicht auf den Messen, sondern direkt bei unseren Kunden vor Ort platziert.“ Dass Messebesuche dennoch unverzichtbar sind, sind sich Einkäufer und Hersteller einig. „Messen geben mir erst die nötigen Inspirationen und sind ungemein wichtig für das Trend-Scouting. Ich schätze auch die verschiedenen Eindrücke, die unmittelbar auf mich einwirken, und die Spezifika der unterschiedlichen Länder. Das funktioniert für mich natürlich nur vor Ort. Gerade deshalb sind die Messetermine für mich Pflichttermine“, fasst es Anke Schlichtenmaier, Einkaufsleiterin von Zalando, zusammen.

Auch das Umfeld muss stimmen

Weil die Messezeit auch für die Einkäufer sehr arbeitsintensiv ist, schätzen es viele, wenn ihnen seitens der Messeveranstalter der Aufenthalt erleichtert wird. Nicole Nielsen, Inhaberin der Boo­Boo­ Bootique aus Stuttgart und des Online-Shops www.booboobootique.de,­ sagt: „Ich bin immer dankbar über die Shuttle-Services. Allerdings lässt die Verpflegung oft zu wünschen übrig. Ich wäre außerdem des Öfteren dankbar über Ruhezonen, in denen ich ein paar Minuten abschalten kann, um mich dann wieder besser auf die nächsten Gespräche zu konzentrieren.“

Es sind neben einer guten Organisation und einem attraktiven Ausstellerfeld  auch solche stressreduzierenden Faktoren, die zu einer effizienten Veranstaltung beitragen.

Hinweis in eigener Sache: Für die Planung der wichtigsten Kindermodemessen im kommenden Sommer hat die Redaktion von Childhood Business für unsere Abonnenten eine Übersichtskarte zum Heraustrennen beigefügt.

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