Im Interview: Dr. Reiner Nett von Takata

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Childhood Business: Was macht Takata eigentlich anders als ­andere Hersteller?

Dr. Reiner Nett Leiter Kindersitze Europa Takata Deutschland

Dr. Reiner Nett
Leiter Kindersitze Europa
Takata Deutschland

Dr. Reiner Nett: Wir entwickeln unsere Produkte gemeinsam in Deutschland und Japan auf Basis einer engen, partnerschaftlichen Kooperation mit einigen namhaften Automobilherstellern. Unsere Kindersitze werden intensiv getestet und durchlaufen viele Schleifen der Optimierung. Wir haben zudem den Anspruch unsere Produkte immer weiter zu verbessern, auch wenn alle gesetzlichen Standards bereits erfüllt sind. Weiterhin ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, die Produktentwicklung ganzheitlich zu verstehen. Für ein Premium-Produkt mit ehrlichem Mehrwert genügt es nicht, eine gute Bewertung in einem standardisierten Verbraucherschutztest zu erhalten. Es genügt auch nicht, ein Fashion-Design massiv zu vermarkten. Takata-Kindersitze stehen vielmehr für die Kombination aus automobiler Sicherheit und Qualität, hohem Komfort, einfacher intuitiver Bedienung und Styling.

CB: Wie kam es zur Entscheidung, die Sitze auch im stationären Handel anzubieten?

RN: Wir haben unsere Produkte kontinuierlich optimiert und einen technologischen Stand erreicht, der sehr wettbewerbsfähig ist. Dies wurde durch eine durchgängig hohe Bewertung unseres Kindersitzportfolios durch ADAC und Stiftung Warentest belegt. Mit den publizierten Testergebnissen wuchs das Interesse des Endkunden. Der Einstieg in Partnerschaften im ausgewählten stationären Einzelhandel wird uns sehr helfen, unsere Produkte physisch erlebbar zu machen, die Differenzierungsmerkmale zu kommunizieren und die Marke zu etablieren.

CB: Mit wie vielen Handelspartnern starten Sie in Europa? 

RN: Da die Märkte in den wesentlichen europäischen Ländern in ihrer Ausprägung sehr verschieden sind, verfolgen wir auch unterschiedliche Ansätze in jedem einzelnen Land. Entscheidend ist für uns, dass unsere Partner die Marke Takata und unsere Produkte verstehen und uns in dieser Form gegenüber dem Endkunden vertreten. Das heißt, wir kooperieren mit Partnern, die Beratung in den Fokus stellen und einen adäquaten Verkaufsraum bereitstellen. Dies kann bedeuten, dass wir in einem Land nur mit zwei bis zehn Händlern starten, in einem anderen Land sehr schnell mit mehr als 50 Händlern vertreten sind.

CB: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit den neuen Handelspartnern? Welche Rolle spielt dabei Ihr Messeauftritt auf der ­Kind + Jugend? 

RN: Wir sind bereits seit 2006 regelmäßig auf der Kind + Jugend vertreten. Seitdem sind wir immer auf großes Interesse bei potenziellen Handelspartnern gestoßen. Leider waren wir in der Vergangenheit nicht ausreichend auf die Erfordernisse des Einzelhandels vorbereitet, da die wesentlichen Geschäftsfelder in der Automobilzulieferindustrie liegen. Diese Hausaufgaben haben wir erledigt, sodass wir uns im September 2015 auf der Kind + Jugend erstmalig über alle Bereiche professionell und kraftvoll präsentieren konnten. Wesentliche Geschäftskontakte sind somit durch die Messe entstanden.

CB: Ergibt sich durch die neue Distributionspolitik auch eine neue Preiskalkulation? 

RN: In unserem ursprünglichen Geschäftsmodell als Automobilzulieferer für Kindersitze waren bereits von Beginn an die gleichen Handelsstufen berücksichtigt. Die neue Zusammenarbeit mit Distributoren im Einzelhandel verändert somit nicht die Preiskalkulation für unsere Produkte. Ich glaube aber sagen zu können, dass wir einen wesentlichen Impuls für hochpreisige Kindersitze in der Branche gesetzt haben. Wir stellen fest, dass uns einige Mitbewerber gefolgt sind. Dies erfreut uns, da wir einen gelebten Widerspruch sehen zwischen den tatsächlichen Ansprüchen der Endkunden an Kindersitzen und den Preispositionen mancher Mitbewerber. Wir möchten ehrliche und sehr gute Produkte entwickeln und mit selektierten Partnern vertreiben. Dies führt letztlich  zu einer höheren Preisstellung unserer Kindersitze.

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