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Die Einrichtung des Baby- und Kinderzimmers ist für Eltern keine leichte Aufgabe. Die Anforderungen gehen von kindgerecht über funktional bis hin zur Einpassung in den elterlichen Wohnstil. Das Geschäft ist im Wandel, denn die Ansprüche und Gewohnheiten der Kunden verändern sich.

Durchschnittlich viermal werden während der Kindheit und Jugend neue Möbel gekauft: Für das Baby-, Kleinkinder-, Kinder- und das Jugendzimmer. Vier Gelegenheiten also, an denen Eltern einiges an Geld in die Hand nehmen. Allerdings unterscheiden sich die Distributionswege dabei deutlich: Krippen, Beistellbettchen und Wickelkommoden werden zum großen Teil über die Baby­märkte und kleinere Fachgeschäfte verkauft. Kinder- und vor allem Jugendmöbel hingegen werden primär im klassischen Möbelgeschäft beschafft.

Laut den Zahlen des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM) für das Jahr 2014 wurden 76,9 Prozent des Umsatzes mit Möbeln im Fachhandel erwirtschaftet, 18,2 Prozent über branchenfremde Anbieter wie Baumärkte, Kauf- und Warenhäuser oder den Versandhandel. 3,3 Prozent des Gesamtumsatzes wurden durch den Direktabsatz von Handwerkern erwirtschaftet und 1,6 Prozent durch den Möbelgroßhandel.

Das Internet wird zur Alternative

Weiteren Angaben des VDM zufolge wurden bislang erst rund sechs Prozent des Umsatzes mit Möbeln über das Internet gemacht. Kaum verwunderlich, sind doch insbesondere Möbel Produkte, die vor dem Kauf haptisch erlebt werden wollen. Gerade Babykrippen, Beistellbettchen und Stubenwagen sollen und wollen getestet werden, damit die Käufer wissen, dass sie ihr Kind mit einem guten Gefühl hineinlegen können. Auch das von anderen Online-Shops bekannte Phänomen, dass Waren in unterschiedlicher Ausführung gekauft und dann zu großen Teilen retourniert werden, tritt bei Möbeln kaum auf. Doch wird sich der Markt deutlich verändern. Bereits im Sommer des vergangenen Jahres prognostizierten die Digitalhandelsspezialisten vom ECC Köln und die Berateragentur Mücke, Sturm & Company in einem gemeinsamen Thesenpapier mit dem Titel „Digitalisierung im Möbelhandel: Umwälzende Veränderungen bis 2020“, dass rund einem Drittel der derzeit 30.000 stationären Möbel- und Einrichtungsgeschäfte in Deutschland das Aus drohe, weil die Konkurrenz aus dem Internet zu stark werde. Als eines der ersten größeren Unternehmen stärkte der Otto Versand seine Aktivitäten im Online-Handel mit Möbeln. Im vergangenen Jahr konnte der Versandhändler im Living-Segment einen Umsatz von rund 700 Millionen Euro generieren, weit mehr als etwa Ikea. Um in diesem Bereich weiter zu wachsen, hat die Otto Group am 1. März den Webshop yourhome.de wiedereröffnet. Einen ersten Test mit dem Shop gab es bereits im Jahr 2009, doch schon 2011 wurde er  wegen der noch mangelnden wirtschaftlichen Erfolge wieder offline gestellt.

Neben den etablierten Playern gibt es eine wachsende Anzahl von kleinen Internet-Händlern, die sich mit einem ausgewählten Sortiment von der Konkurrenz abheben wollen. Dabei wird die Handelsform des Drop-Shippings beziehungsweise des Streckengeschäftes immer beliebter. Die Online-Händler können damit die Artikel eines Anbieters über ihre Shops verkaufen, die Auslieferung erfolgt dann aber über den Hersteller direkt. Der Händler spart sich somit Lagerhaltungskosten, Spedition und den weiteren Aufwand, dafür fällt seine Marge in der Regel niedriger aus.

Neue Wohngewohnheiten 

Auch die Art der Kinderzimmereinrichtungen hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Der Trend geht immer mehr dahin, dass der Bereich für das Baby oder des Kleinkindes nicht mehr konsequent von dem der Erwachsenen getrennt ist. In der Praxis zeigt sich, dass sich  Kinder bis etwa ins Schulalter zumeist in der Nähe der Eltern aufhalten wollen. Erst wenn ein Bedürfnis nach Privatsphäre einsetzt, wird das Kinderzimmer zum Rückzugsort. Da­rauf reagiert die Baby- und Kleinkindermöbelbranche mit Produkten, die so gestaltet sind, dass sie auch optisch zur bestehenden Einrichtung im Erwachsenenzimmer passen, in ihrer Funktionalität indes kindgerecht bleiben.

Verstärkt wird dieser Trend durch die Urbanisierung: Viele junge Familien wohnen in Großstädten, wo der Wohnraum immer enger wird. In der Folge verschwindet das klassische Kinderzimmer immer mehr, generell werden auch die Möbel platzökonomischer.

Auch der demografische Wandel macht sich zumindest teilweise bemerkbar. Weil vor allem besserverdienende Eltern relativ spät Kinder bekommen, haben sie auch mehr Geld zur Verfügung. Mit gestiegenen Ansprüchen an Qualität sowie auch an die ökologische Produktion geht ein Trend allgemein hin zu einer höherwertigen Ausstattung. Diese Entwicklung wächst zwar prozentual recht stark, spielt aber in absoluten Zahlen immer noch eine untergeordnete Rolle.

Viele Eltern sind immer noch eher bereit, in höherpreisige Kinderwagen als in hochwertige Möbel zu investieren.

Die Anzahl der Fachgeschäfte, die sich auf luxuriösere Baby- und Kindermöbel spezialisiert haben, ist in Deutschland noch äußerst gering, wohingegen dieses Segment beispielsweise in Frankreich oder Italien gut ausgebaut ist.

Kunden bleiben kritisch

Durch verschiedene publik gewordene Skandale um Schadstoffe in Möbeln und durch eine verbesserte Informationsverbreitung im Internet sind die Kunden heute besser informiert und wollen über potenzielle Gefahren gut aufgeklärt werden. Selbst wenn die geltenden Gesetze eine gewisse Schadstofffreiheit vorgeben und die EU-Holzhandelsverordnung sichert, dass verwendetes Holz aus legaler Waldnutzung kommt, sollte im Verkaufsgespräch oder auch in der Warenpräsentation im Internet deutlich kenntlich gemacht werden, dass die Möbel keine Gefährdung für das Kind darstellen können.

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