„Erwartet eine Familie aus der Bildungsschicht ein Kind, beauftragt sie erst einmal einen Inneneinrichter.“

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Mit der „Pueri Expo“ entsteht ein Zugang zum brasiliani­schen Hartwarenmarkt. Der ­Veranstalter Koelnmesse unterstützt Erst­aussteller mit Informationen, Matchmaking-­Services und persönlichem Engagement.

Childhood Business: Sie sind als Projektleiterin für zwei Kinderbedarfsmessen der Koelnmesse in Brasilien zuständig. Wie kam es dazu?

Seit 2012 betreut Projektleiterin Katharina Gründig Figueiroa internationale Veranstaltungen. Auf die neuen Formate in Südamerika freut sie sich ganz besonders, hat sie doch in Brasilien gelebt und ist auch darüber hinaus eng mit dem Land verbunden.

Seit 2012 betreut Projektleiterin Katharina Gründig Figueiroa internationale Veranstaltungen. Auf die neuen Formate in Südamerika freut sie sich ganz besonders, hat sie doch in Brasilien gelebt und ist auch darüber hinaus eng mit dem Land verbunden.

Katharina Gründig Figueiroa: Die Koelnmesse hat 2015 die seit über 23 Jahren in Brasilien etablierte „FIT 0/16“ im Rahmen einer Altersnachfolge übernommen. Diese Messe findet zweimal jährlich statt und ist die wichtigste nationale B2B-Veranstaltung für Baby- und Kinderbekleidung. Dort gab es immer mal wieder Aussteller aus dem Hartwarenbereich, was auch naheliegend war. Der Handel in Brasilien bietet in der Regel die komplette Bandbreite an Produkten für Babys und Kinder an. Eine Stärkung des Hartwarenbereichs der „FIT 0/16“ war daher strategisch sinnvoll. Das Ergebnis ist die „Pueri Expo“, die dieses Jahr zum ersten Mal als parallele Veranstaltung auf dem gleichen Gelände stattfindet. Die Veranstaltungen sind allerdings optisch getrennt und wir haben das Marketing und die Besucherwerbung veranstaltungsspezifisch aufgesetzt. Da mich auch privat einiges mit Brasilien verbindet und ich mich in Sprache und Mentalität zu Hause fühle, freue ich mich sehr, die Veranstaltungen als Projektleiterin zu verantworten.

CB: Welche Stärken bringt die Koelnmesse als neuer Veranstalter in die Umsetzung der Messen ein?

KGF: Unser Vorteil ist ein modernes Marketing in unserem Netzwerk in der Kinderausstattungsbranche, in der wir mit der „Kind + Jugend“ als internationale Leitmesse über 50 Jahre Erfahrung haben.  Darüber hinaus bringen wir hohe Qualitätsstandards ein, die unsere Kunden von den Messen am Standort Köln kennen. Wir sind in der Ausstellerkommunikation auf Fremdsprachen eingerichtet – ein wichtiger Punkt, da beispielsweise das Englische in Brasilien noch immer nicht so sehr verbreitet ist. Zugleich setzen wir auf regionale Expertise, die im brasilianischen Markt erfolgsentscheidend ist.

CB: Ist die erwähnte Sprachbarriere dann nicht ein Problem für internationale Aussteller?

KGF: All business is local und bleibt auch stark lokal. Aber wir tragen Sorge für die Verständigung vor Ort. Deshalb haben wir direkt am Zugang zur Messe einen Counter für internationale Gäste und bieten eine individuelle, auch sprachliche Betreuung an. Unser Service beginnt aber nicht erst auf der Messe: Bereits auf der „Kind + Jugend 2015“ haben wir im Rahmen eines Round Table gemeinsam mit brasilianischen Partnern den lokalen Markt erklärt und Kontakte zwischen interessierten Unternehmen und Partnern vor Ort hergestellt. Zudem fragen wir die Bedürfnisse unserer Aussteller im Vorfeld ab, um diese über die Handelsstrukturen, notwendigen Zertifizierungen und die Vorlieben der Konsumenten zu informieren und mit Partnern vor Ort zu vernetzen. Man muss wissen, dass lokale Partner für den Import, die Zulassungen und natürlich auch für die Marktkontakte von besonderer Bedeutung sind. Auch in diesem Jahr werden wir auf der „Kind + Jugend“ einen Round Table durchführen.

CB: Unterscheidet sich das Konsumentenverhalten deutlich von dem in Deutschland vorherrschenden?

KGF: Oh ja, sehr. Wir zielen auf die gehobenen Schichten, die sehr trendy und markenbewusst sind. Hier möchte eine Familie bei der Auswahl der Produkte eine ganz besondere Wahl treffen und sucht Exklusives. Angehende Familien aus dieser Schicht, die ein Kind erwarten, beauftragen erst einmal einen Innen­einrichter, der auch bei der Zusammenstellung der Erstausstattung berät. Einfuhrzölle, die die Produkte um 80 bis 100 Prozent verteuern können, stellen für den Endverbraucher kein Hinderungsgrund dar. Im Gegenteil: Hochwertige Markenprodukte, die man vor Ort noch nicht erhalten kann, kauft man bei der nächsten Auslandsreise ein und zahlt die Zölle dann bei Einreise nach. In den guten Fachgeschäften finden sie daher neben wenigen nationalen Produkten sieben, acht weitere von internationalen Marken. Zudem können sich Marken, die hierzulande vielleicht noch nicht ganz dem Top-Segment zugeschrieben werden, in Brasilien mit geschicktem Marketing durchaus im qualitativ hochwertigen, exklusiven Bereich positionieren.

(mp)

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