Ende Juni eröffnen die ersten Kindermodemessen in Frankreich, Italien und Spanien die neue Ordersaison. Business as usual, könnte man meinen. Nicht aber so für die Playtime Paris.

Für die Winterkollektionen drängen sich die Messen ab Mitte Januar in einen Zeitraum von vier Wochen. Im Sommer verteilen sich die Veranstaltungen über mehr als zwei Monate. Den Auftakt bildet die Pitti Immagine Bimbo, die ab dem 23. Juni für drei Tage die Saison eröffnet. Wie jedes Jahr ist Florenz ein Fest, das mitunter den breitesten Überblick über den Markt bietet, mit sechs Modeschauen reizt und zahlreiche der etabliertesten Marken in der Fortezza da Basso versammelt. Dieses Jahr wird der Bereich Kidz­FIZZ, der die jüngeren, kreativen Labels birgt, weiter vergrößert. Einen Tag später, dafür einen Tag länger, startet die FIMI in Madrid. Die spanische Kindermodemesse bietet einen reichhaltigen Überblick.

Paral­lel findet die zunächst in Barcelona gestartete, inzwischen ebenfalls nach Madrid verlagerte Little Barcelona statt. Ihr Vorzug ist die Auswahl ausgesuchter Nachwuchslabels. Wem die Termine zu eng liegen, erhält allerdings bereits mit der Pitti einen guten Überblick, da rund 40 spanische Aussteller erwartet werden. Und der spanische Branchenverband ASEPRI organisiert wie jedes Jahr mit Children‘s Fashion from Spain eine sehenswerte Modenschau. Am folgenden Wochenende, vom 2. bis zum 4. Juli, treffen sich die Einkäufer in Paris. Wie in Madrid gibt es mit Kid Shows eine neuere Veranstaltung in der Stadt. Dieses Jahr findet sie auf rund 1.700 Quadratmetern im Espace Montgolfière statt, einem ehemaligen Fabrikgebäude für Heißluftballons. Und wer Zeit hat, sollte auch die dort ausgestellten Labels sichten. Den Termin in Frankreich reserviert man sich allerdings vor allem, weil die Playtime Paris einlädt. Dieses Jahr feiert sie ihr zehnjähriges Jubiläum.

Die Playtime Paris hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem festen Branchentreffpunkt entwickelt. Aussteller treffen immer mehr internationale Einkäufer. Und Einkäufer schätzen die Vielfalt der Kollektionen.
Die Playtime Paris hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem festen Branchentreffpunkt entwickelt. Aussteller treffen immer mehr internationale Einkäufer. Und Einkäufer schätzen die Vielfalt der Kollektionen.

Eine Dekade Playtime Paris und Tokio und New York 2006 gründete die inzwischen verstorbene Hortensia de Hutten mit ihren Kindern Sébastien de Hutten und Marie Czapska die Playtime. Zuvor hatte sie bereits mehrere erfolgreiche Ausstellungsformate, darunter „le Showroom“, organisiert. Und da sich hier immer mehr kreative Designer aus dem Bereich der Kindermode anmeldeten, entschied sie sich, ein ganz eigenständiges Kindermodeveranstaltungsformat ins Leben zu rufen. Die Idee, Aussteller aus ganz unterschiedlichen Bereichen wie denen der Mode, Accessoires, Erstausstattung, Geschenke und der Wohnkultur zu vereinen, war vor zehn Jahren ein Novum. Inzwischen zeigt sich, dass viele Concept Stores diese Idee aufgreifen und Kunden nach solch kuratierten Life­styles suchen. So fand im Februar 2007 die erste Playtime in Paris statt und 44 Kollektionen lockten rund 1.500 Besucher an. Die Messe wuchs von Ausgabe zu Ausgabe und bereits seit der dritten Veranstaltung umfasste sie auch den Bereich der Umstandsmode, für den die Playtime ebenfalls geschätzt wird. 2009 wechselte die Messe mit bereits 230 Kollektionen in den Parc Floral de Paris, wo die Messe heute noch ausgerichtet wird. Auch zukünftig möchte de Hutten mit der Playtime Paris an diesem Standort mit seiner grünen Umgebung bleiben, obgleich die Hallen inzwischen aus allen Nähten platzen.

Statt – trotz zusätzlicher Nachfrage seitens interessierter Aussteller – weiterzuwachsen, steht für ihn der Charakter der kuratierenden Auswahl höher auf der Agenda als der mögliche Umsatz. Schon früh entschieden sich de Huttens, ihre Veranstaltung zu internationalisieren. Seit 2009 gibt es die Playtime Tokyo und seit 2010 die Playtime New York. Diese Veranstaltungen gründeten sie in Partnerschaft mit lokalen Experten und waren keine Kopie des Pariser Formats, sondern sollten ganz eigenständig in den jeweiligen Ländern ein Anlaufpunkt für die damals noch nicht nach Paris reisenden Einkäufer werden. Mit diesen drei Veranstaltungen bietet die Playtime das internationalste Format in der Welt der anspruchsvollen Kindermode. Allen Veranstaltungen gemein ist der hohe Anspruch an das Ausstellerbild. Und davon profitieren auch die Aussteller eines Landes, denen die Formate der anderen Länder als Sprungbrett auf neue Kontinente und Absatzmärkte dienen.

Entwicklungen zum Jubiläum Für viele Einkäufer bietet gerade die Playtime Paris einen reichen Fundus an Anregungen zu überraschenden Labels. Wer sein Sortiment jenseits der Standards ergänzen möchte, ist hier richtig. Und auch immer mehr Hersteller aus ganz Europa schätzen das Format als eine neue zentrale Branchenplattform. Erneut werden mehr als 7.000 Besucher erwartet, über 500 Kollektionen sind zu sehen, davon sind über 75 Prozent außerhalb Frankreichs. Das Jubiläum wird mit einer großen Party dieses Jahr gemeinsam mit den Ausstellern und ausgewählten Einkäufern am Abend des 2. Juli gefeiert.

(mp)