Die liebevoll Pitti Bimbo genannte Kindermodemesse in Italien macht es vor: auch in schwierigen Zeiten lässt kaum ein Einkäufer die Gelegenheit zum Austausch aus.

Pitti Bimbo
Auf der Pitti Immagine Bimbo ist richtig was los: Die Besucher strömen in Scharen und feiern ein Fest der Kinderkleider, wie wir es in Deutschland nicht kennen. Dabei ging es der italienischen Wirtschaft in den letzten Jahren viel schlechter als der deutschen. Das hält einen italienischen Boutiquenbetreiber aber keineswegs davon ab, zweimal im Jahr auf seiner Branchenmesse Einblick in Trends und Kollektionen zu nehmen und ganz besonders den Austausch mit Kollegen zu suchen.

Florenz hat es in diesem Sommer mit den Besuchern der Stadt besonders gut gemeint – strahlend blauer Himmel und herrliche Temperaturen. Da verwunderte es nicht, dass so mancher Besucher der Messe an den Nachmittagen bereits nach einer kühlen Erfrischung in der Altstadt gesucht hat. Wenn auch die Besucherzahlen der Pitti Immagine Bimbo auf weiterhin hohem Niveau liegen, fiel auf, dass nach hochbetrieblichen Vormittagen der Rest des Tages deutlich geringere Frequenzen aufwies.

Dennoch hat die Pitti Bimbo nichts an ihrer Attraktivität verloren. Im Gegenteil, investierte die Messe doch in zahlreiche Sonderausstellungen und auch eine zusätzliche Modenschau. Nach der guten Resonanz auf die erste Gemeinschaftsschau der Apartment-Aussteller im letzten Jahr, wurde diese in diesem Sommer erneut ausgerichtet. Zu den gezeigten anspruchsvollen und luxuriösen Marken dieser Sektion gehörten Stella Jean, Cape, Péro, Trottolini, Lamantine Paris & Milan, miss L.Ray, Piccola Ludo und Velveteen. Und erstmals wurde auch für Aussteller des Newcomer- und Kreativ-Bereichs KidsFizz eine eigene Laufstegschau ausgerichtet. Mit dabei waren Andorine, Elyrose, Leitmotiv, Longlivethequeen, Maghi e Maci, Mr Uky, Paade Mode und Vivetta.

Dass die Pitti Bimbo mit rund 500 ausgestellten Marken und oftmals großzügigen Präsentationen nichts an Attraktivität eingebüßt hat, belegen die veröffentlichten Besucherzahlen. Unter den etwa 10.000 Besuchern waren rund 5.600 Einkäufer, darunter 2.400 aus dem Ausland, die die Messe für die nach italienischen oder internationalen Kunden ausgerichteten Marken interessant macht. Aus Deutschland wurde ein Plus von fünf Prozent gemeldet, aus Großbritannien 24 Prozent sowie eine starke Zunahme aus China, Japan und Südkorea.

In konkreten Zahlen, transparent wie kaum ein anderer Veranstalter und daher positiv hervorzuheben, bedeutet das: Aus Russland kamen wieder mehr Professionals, sodass es mit 179 Einkäufern die Liste der satärksten Auslandsmärkte nach Einkäufern anführt. Aus Spanien kamen 167, an dritter Stelle aus Deutschland 151, aus Großbritannien 137, aus China 124 und nur noch 99 aus Frankreich. Auch die Niederlande und Belgien mit 85 beziehungsweise 77 Einkäufern spielen in der Top 10 mit.

Noch immer nahmen aus Deutschland nur wenige Aussteller an der Pitti Bimbo teil – und wenn, dann aufgrund eigener Aktivitäten im italienischen Markt, wie die Kanz Financial Holding mit Marken wie Bellybutton, Geox, Marc O’Polo, Pampolina oder Papermoon – oder weil sie einen Professionalisierungsgrad haben, der zu einem relevanten Auslandsgeschäft geführt hat, wie bei Blue Effect Jeans, Blue Seven, Ewers, Maximo, MillionX und Sterntaler.

Als gezielt auf den internationalen Luxusmarkt ausgerichtetes Label war allein Aigner Kids in Florenz, einer von Püttmann geführten Lizenz, für die sich auch in diesem Sommer die Messe sehr erfolgreich bewährt hat. Einzig Infantium Victoria aus Hannover zeigte sich mutig genug, als kleineres deutsches Label auf der Pitti Bimbo im Eco-Fashion-Bereich auszustellen.

Dabei bot gerade auch die direkt im Eingangsbereich attraktiv gelegene KidsFizz-Sektion jüngeren, kreativen Marken eine gut frequentierte und mit gleichrangigen Marken besetztes Umfeld. Der Zuspruch war bereits so groß, dass die Messe erstmals einen zusätzlichen Ausstellungsbereich öffnete. Allerdings beklagten sich manche der dort platzierten Marken über eine deutlich geringere Frequenz, da die Ausschilderung und Besucherführung nicht ausreichend waren.

Zum ersten Mal vergab die Pitti Bimbo in Kooperation mit dem internationalen Fachmagazin BoF einen Sonderpreis. Zehn wichtige internationale Händler aus dem Kinderbekleidungsbereich wurden ausgezeichnet. Unter ihnen wurde auch eine Vertreterin der Branche auch Deutschland geehrt. Und zwar Barbara Frères aus Düsseldorf, die persönlich bereits zum 74. Mal an der in diesem Sommer zum 83. Mal ausgerichteten Messe teilnahm. Im besten, fließenden Italienisch bedankte sie sich für die vielen guten Jahre und wies darauf hin, dass die Geschäfte bald in jüngere Hände gehen müssten, nämlich in die ihres Sohnes Phi­lippe Georges Frères und die seiner Frau Sophie Spethmann.