Seit Ursula Lindl vor gut einem Jahr die Geschäftsführung von Weise übernahm, gibt sie Gas. Für 2017 heißt das: ein neues Label, größere Kollektionen und mehr Accessoires.

Childhood Business: Wie ist die Saison gestartet? 

Ursula Lindl: Die Saison hat besonders früh angefangen. Wir haben alle Orders bereits ausgeliefert, produzieren aber aufgrund einer unerwartet hohen Nachfrage noch einzelne Modelle nach. Da wir die Textil- und Accessoireskollektionen im Hause entwickeln und nur den Nähvorgang ins nahe europäische Ausland verlagern, können wir mit hoher Qualität und relativ schnell auf Kundenwünsche reagieren.

Ursula Lindl, Geschäftsführerin von Weise Fashion
In 2016 stieß Ursula Lindl zu Weise, um das Unternehmen zu sanieren. Seit sie auch als Gesellschafterin eingestiegen ist, baut sie das Sortiment aus, kreiert ein neues Label und sieht in Accessoires zusätzliches Potenzial. Weise beliefert derzeit rund 600 Fachgeschäfte vor allem im deutschsprachigen Raum.

CB: Für welche Anlässe, Alters- und Zielgruppen bieten Sie hauptsächlich Ihr festives Sortiment an? 

UL: Im Bereich der weißen Kleider für das Stubenmädchen ab Größe 98, dann die Kommunionkinder im Alter von acht bis neun Jahren sowie unter der Marke Mädelz Cocktailkleider bis Größe 176.

CB: Was haben Sie sich für 2017 vorgenommen? 

UL: Wir werden unseren Kunden eine Überarbeitung der Weise-Kommunionkollektion präsentieren, mit einem neuen Label. Und ansonsten wieder rund 90 neue attraktive Dresses präsentieren. Auch künftig werden alle Applikationen von Hand sorgsam aufgenäht. Besonders wichtig ist unseren Kunden auch unser Service, den wir ausbauen wollen. Zum einen bieten wir auch Kleider für besonders große, aber auch kleine Größen an, und wir halten ein Lagersortiment mit Topsellern aus circa 30 Kleidern und Anzügen über die gesamte Saison zum Nachkauf bereit. Auch unser gesamter Accessoiresbereich ist als NOS-Programm verfügbar.

„Künftig werden wir zwei Marken für Kommunion­kleider führen.“

CB: Was können Sie zum erwähnten neuen Label bereits verraten? 

UL: Der neue Name ist „PrinCipessa“, und mit dem Label werden wir zusammen mit BianCorella künftig zwei Marken für Kommunionkleider unter einem Dach führen. BianCorella ist dabei das kurze, schlichtere Kleid, PrinCipessa hingegen das üppige, zum Teil lange Kleid für den großen Auftritt.

CB: Gehen Sie von einem wachsenden, gleichbleibenden oder sinkenden Umsatz im Vergleich zur Vorsaison aus? 

UL: Wir wollen natürlich noch zulegen. Allerdings bewegen wir uns in einem kleinen Markt, der in dieser Hinsicht schon sehr begrenzt ist. Das ist also alles andere als ein Kinderspiel.

CB: Welche Veränderungen beobachten Sie im Handel und bei den Konsumenten? 

UL: Konsument beziehungsweise Käufer ist vor allem die Mutter, die sich sehr früh mit dem anstehenden Familienfest beschäftigt und die Tochter inspiriert. Die ersten Anfragen kommen bis zu neun Monate im Voraus. Der Handel ist in dem Bereich sehr erfolgreich, wenn er aus diesem wunderbaren Fest einen Anlass zelebriert, und zur Saisoneröffnung mit Modenschauen, Visagisten oder Ähnlichem eine besondere Atmosphäre und mit ihr eine hohe Aufmerksamkeit für das ganze Haus schafft. Dazu liefern wir jährlich neue Unterlagen wie Frisuren- und Kopfschmuckvorschläge, Kataloge und Plakate. Gerade in der auf den Kinderflächen ruhigeren Phase von November bis Januar ist dieses Sortiment ein Highlight, das die ganze Familie reizt.

CB: Wo sehen Sie noch Potenziale für das Sortiment? 

UL: Weise ist auch mit allen Accessoires für Kinder wie Kränzen, Täschchen, Kerzenschmuck, Jäckchen oder Wäsche im Markt. Hier sehe ich noch großes Potenzial, vor allem, wenn es am POS gleich mit angeboten wird.

Online exklusiv:

CB: Sie sind nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten mit Weise Fashion in 2016 neu durchgestartet und haben auch persönlich eine für Sie ganz neue Branche kennengelernt. Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse aus den letzten Monaten?  

UL: Nun, ganz neu ist mir der Bereich Kids nicht gewesen, allerdings aber das festive Segment. Die wichtigsten Erkenntnisse: Wie überall gibt es einen harten Wettbewerb, aber Weise Fashion hat mit ihren Marken eine Menge Potenzial, das wir in den nächsten Monaten realisieren wollen

Wir entwickeln ja Anlassmode. Und solange diese Anlässe – für uns sind das vor allem die Kommunion und Konfirmation – attraktiv bleiben, werden die Qualität und Attraktivität der Kollektion sowie der Service ausschlaggebend für den Erfolg sein.    

CB: Dieser spezielle Markt ist allerdings recht eng und immer wieder gibt der eine oder anderr Anbieter auf. Wie stellen Sie sich für die Zukunft auf?

UL: Es bedarf aus unserer Sicht eines überzeugenden Gesamtpakets. Natürlich spielt der Modegrad auch im festiven Bereich eine große Rolle. Daher  unterscheiden sich unsere Kollektionen jedes Jahr im Detail von den letztjährigen, um auch dem Gebrauchtkleidermarkt Paroli zu bieten. Das schätzen unsere Kunden.

Ein weiterer Punkt ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. Wobei wir mit unserer Marke für die Premium-Ausgabe der Kleider stehen, was unter anderem an den verschiedenen Schmuckkomponenten, an den hochwertigen Stoffen, an der  exclusiven Ausstattung et cetera sichtbar wird.

Jedes Kleid hat bei Weise eine eigene, dazu passende Jacke, das passende Täschchen sowie Kopf- und Kerzenschmuck. Hier sind die Schmuckelemente, die Stofflichkeit und die Farben exakt aufeinander abgestimmt.

Unsere Händler schätzen unser breites Sortiment und die Markendifferenzierung, um möglichst jeder Kundin oder jedem Mädchen mit einem individuellen Kleid bedienen zu können. Wir bieten das breiteste Sortiment aus einer Hand im Markt. Und wir pflegen eine intensive Kundenbeziehung, indem wir auf allen relevanten Messen im Frühjahr präsent sind und in der Saison vor Ort den Abverkauf begleiten oder von Kunden veranstaltete Modenschauen besuchen.

CB: Können Sie noch etwas zu den Preislagen Ihrer Marken sagen?

UL: Unsere Preislagen für die Kleider bewegen sich vorwiegend zwischen 100 und 200 Euro. Dazu kommen  noch die Accessoires und die passende Wäsche. Gekauft wird, was dem Kind und der Mutter gefällt. Und diese Entscheidung wird mehr von den regionalen Vorlieben beeinflußt als vom Geldbeutel. Im Süden ist das Kleid traditionell üppiger, geschmückter, länger und im Norden und Westen ist es kürzer, lockerer, modischer.

CB: Vielen Dank für das Gespräch.