Tests sind gut und Tester sind Spar­rings­part­ner der Industrie. Deshalb hält BDKH-Vorstand Michael Neumann einen offeneren Austausch für angebracht – auch um Produkte an wirklich relevanten Stellen zu verbessern und Verbraucher nicht zu verunsichern.

Michael Neumann ist nicht nur Managing Director Northern Europe bei Dorel, sondern auch Vorstandsmitglied des 2013 gegründeten Bundesverbands Deutscher Kinderausstattungs-
Hersteller (BDKH).

Childhood Business: Herr Neumann, der BDKH hat jüngst den aktuellen Kinderwagentest kommentiert und eine engere Zusammenarbeit angeregt. Welche Bedeutung haben Testergebnisse ganz allgemein?

Michael Neumann: Themen rund um das Baby sind generell sehr emotional. In Produktkategorien wie bei Kinderautositzen kommt bei Eltern noch ein Sicherheitsempfinden hinzu. Hier vertrauen Verbraucher und Handel Stiftung Warentest und ADAC. Beide haben mit ihren Ergebnissen einen hohen Einfluss auf den Markterfolg eines Produktes. Daher gilt: Testinstitute übernehmen eine große Verantwortung – und zwar nicht nur gegenüber den Konsumenten, sondern auch gegenüber den Herstellern.

CB: Wo sehen Sie diese Verantwortung in Gefahr?

MN: Je dramatischer die Testmedien die Ergebnisse betiteln, umso mehr beobachten unsere Verbandsmitglieder und andere Hersteller, dass Konsumenten nachfragen: Kann es denn wirklich sein, dass zum Beispiel sieben von acht Markenhersteller als „mangelhaft“ bewertet werden? Bei dieser Art der Kommunikation fangen Verbraucher zusehends an, an den Tests zu zweifeln.

CB: Sehen Sie Unterschiede in der Tendenz zur Dramatisierung zum Beispiel zwischen der Stiftung Warentest und Öko-Test?

MN: Ja, die sehe ich ganz klar. In der Kommunikation eskaliert das Magazin Öko-Test deutlich stärker. Dabei geht es nicht nur darum, ob die Tester über die gesetzlichen Regelungen hinaus und damit schärfer prüfen: Auf der einen Seite ist das gut, hält uns Hersteller wach und fordert uns, noch besser zu werden. Auf der anderen Seite bedeutet dies, dass nur die im Test berücksichtigten Produkte über gesetzliche Minimumstandards hinaus auf den Prüfstand gestellt werden. Ein echter Vergleich mit anderen Produkten auf dem Markt ist dann nicht mehr möglich. Zusätzlich geht es uns als Verband auch darum, dass dem Konsumenten ein Sachverhalt erklärt und er nicht verunsichert wird. Dabei sollte auf tatsächliche Risiken hingewiesen werden und nicht auf konstruiert wirkende Szenarien. Manche Risiken sind so minimal, dass sie sich nur gut als Schlagzeile machen. Daraus resultieren Fälle, in denen Verbraucher einen als schlecht bewerteten Sitz aus dem Auto entfernt haben und erst einmal ohne fuhren! Das sind Extrembeispiele, die aber zeigen, dass eine falsche Darstellung zu Verunsicherungen und sogar Gefahren führen kann.

CB: Was fordern Sie als Verband? 

MN: Zuallererst einmal mehr Transparenz. Das bezieht sich vor allem auf die Stiftung Warentest. Auch über die existenten Fachbeiräte lässt sich nicht erfahren, wo die Anforderungen an ein Produkt von heute im nächsten Schritt hingehen werden. Hierzu findet leider keine wirkliche Kommunikation statt. Es geht uns dabei nicht um Harmonie, sondern um Fairness – damit die Hersteller zumindest wissen, wie die Haltung der Testinstitute ist und was aus deren Sicht für den Verbraucher Sinn macht. Zweitens geht es um tatsächliche Risiken. Da geht der aktuelle Kinderwa­gentest in die richtige Richtung: Hier wurde für Konsumenten besser und transparenter als früher kommuniziert, was wie getestet wurde.

CB: Sehen Sie Anzeichen für einen gewissen Sinneswandel zur Konzentration auf relevantere Risiken? 

MN: Es gibt keine klare Aussage dazu, auch aufgrund der mangelnden Kommunikation miteinander. Aber wir interpretieren den neuen Test in diese Richtung. Wir begrüßen das sehr. Der BDKH möchte signalisieren: Lasst uns doch diesen Weg weitergehen und lasst es uns sogar noch besser machen. An einem Austausch mit Test­instituten und Branchenmitgliedern zu noch bessere Normen und Orientierungshilfen sind wir vom BDKH sehr interessiert.