Festive ade, Celebration olé – ein Plädoyer für einen Schuß Esprit in der Branche

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Auf den Festiven Messen lädt eine eingeschworene  Gemeinde an Herstellern zum alljährlichen Order-Defilee. Ein Plädoyer für einen Schuß Esprit in der Branche.

Festive Messen - Weise gilt als einer der wichtigsten Anbieter - hier mit einem Look des Weise-Labels "PrinCipessa"

Festive Messen – Weise gilt als einer der wichtigsten Anbieter – hier mit einem Look des Weise-Labels „PrinCipessa“

In nur einem Monat, also in dem Zeitraum zwischen den ersten und letzten Order­tagen für festive Anlass­mode im deutschsprachigen Raum, entscheidet sich das ganze Wohl einer kleinen, aber feinen Branche. Denn weil es pro Jahr nur diese eine Hauptorderzeit gibt, müssen die Aufträge beim Hersteller den Großteil des Jahresumsatzes absichern. Immerhin kommen inzwischen auch immer stärker – je nach Umfang eines NOS-Programms – kurzfristige Ordern hinzu, insbesondere wenn sich Modelle überraschend gut verkaufen und der Einkäufer sich dann noch einmal kurzfristig ergänzen will. Das kapitalbindende NOS-Programm bietet eine Möglichkeit, mit sofort nachlieferbaren Programmen dem Handel eine erhöhte Flexibilität zu bieten.

Und auch zeitlich lädt das Jahr trotz der Stoßzeit für Ordern im Mai und Juni mitnichten zum Ausruhen ein. Denn kaum sind die letzten Aufträge im Kasten, was je nach Anbieter noch bis in den Juli hineinreichen kann,  geht es mit Hochdruck an die Produktion. Festliche Anlassmode, insbesondere für den Bereich der Kommunion und Blumenkinder, ist keine herkömmliche Stangenware. Zahlreiche hochwertige Materialien kommen zum Einsatz und Stickereien sowie andere Veredelungen müssen in aufwendiger Handarbeit appliziert werden. Zudem ist bei den Mädchen eine „weiße Produktion“ nötig, also eine besonders saubere Werkstatt und Verarbeitung, um nicht die hellen und empfindlichen Stoffe zu verschmutzen.

Zum Oktober eines Jahres, also nur wenige Monaten später und damit viel früher als bei herkömmlicher Kinderbekleidung, wird die erste Auslieferung von den Händlern sehnlichst erwartet. Denn wenn auch die kirchlichen Festanlässe erst im Frühjahr des folgenden Jahres stattfinden, so suchen engagierte Eltern mit ihren Töchtern bereits frühzeitig in den dann noch vollständigen Kollektionen erste Anregungen und schreiten nicht selten bereits zum Kauf.

Für die Jungen gelten die gleichen Rhythmen, wenn auch der Anzug allein schon farblich eine breitere Anwendung erfährt. Hier gibt es auch stärkere Angebote, mittels Baukastensystemen eine ständige Bevorratung zu ermöglichen, und der eine oder andere Hersteller setzt hier auch einmal mit der Vorstellung einer neuen Kollektion eine Saison lang aus.

Erfreulich für die Branche der Anlassmode ist die wieder stärker gestiegene Nachfrage nach festlicher Bekleidung. Durch die 1970er-Jahre geprägt, hat zumindest in Deutschland das Selbstverständnis, sich zu einem feierlichen Anlass in Schale zu werfen, abgenommen. In den letzten Jahren hingegen haben insbesondere Jugendliche selbst ein Interesse entwickelt, sich zu Abtanzbällen, Schulabschlussfeiern und anderen Anlässen wieder eleganter zu kleiden. Hier liegen Chancen sowohl für Hersteller als auch Handel, vor allem, wenn man das engere Geschäft der religiösen Feiertagsanlässe etwas weiter ins Auge fasst. Auch wäre es vielleicht schön, den noch immer üblichen Gebrauch des Begriffs der „festiven Mode“ etwas zu modernisieren. Im angelsächsischen Ausland hat das Wort „festive“ ohnehin eine andere, nämlich auf Weihnachten ausgerichtete Bedeutung. Vielleicht darf man sich von dort den Terminus „Party & Celebration“ ausleihen. Denn Ersteres steht für den modernen Trend und lädt zu einem etwas ungezwungeneren Besuch der Bekleidungsabteilung ein. Und Letzteres kleidet das klassische Geschäft doch auch sehr schön und gibt sogar einen Spritzer Eleganz dazu.

Anlässe schaffen

Wenn im Oktober die neuen Looks in die Läden kommen und darauf nur so warten, beschaut und bestaunt, mit Ah und Oh probiert und schließlich mit gewachsenem Selbstbewusstsein erstanden zu werden, dann sollten sich noch mehr Händler ein Beispiel an den Erfolgreichen unter ihresgleichen nehmen. Denn nicht nur, aber gerade auch die festive Mode – oder ab sofort besser: die Party- & Celebration-Kollektion – eignet sich dazu, mit In-Store-Events die Eltern und Kinder in die Läden zu laden. Modenschauen sind ganz besondere Anlässe eines Hauses und bringen Eltern und Großeltern mit ins Geschäft, was der Spendabilität ganz allgemein zuträglich ist. Bei separaten Frisurentagen an einem Wochenende stoßen bei Mädchen Tipps, Techniken und neue Haartrends auf fruchtbaren Boden. Und ganz nebenbei lässt sich auch das Sortiment an Accessoires wunderbar einbinden. Ein Bereich, der stark wächst.

Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Festive ade, Celebration olé – ein Plädoyer für einen Schuß Esprit in der Branche
erschien in der gedruckten Ausgabe von Childhood Business:
Ausgabe 05-06 / 2017 vom 12.06.2017 auf Seite 22
Hier geht es zu weiteren Beiträgen aus der Ausgabe.

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