Bislang bot die Hauptstadt trotz Fashion Week keine Destinationen für den Kindermodenbereich. Bisherige Versuche starteten immer vollmundig, scheiterten aber kläglich. Nun traten gleich zwei neue Formate an, die bei Besuchern und Ausstellern bestens ankamen.

Barn of Monkeys debütiert im Sommer 2017 gleich auf zahlreichen Messen.

Eine Messe für Kinderbekleidung in Deutschland neu zu starten, ist ganz sicher kein leichtes Unterfangen. Fest etablierte Ordertage haben die regionalen Märkte unter sich aufgeteilt und die schwächelnden Besucherfrequenzen sind bei den bereits bestehenden Formaten ein Dauerthema. Dabei mangelt es nicht an Verkaufspunkten, die sich ja Saison für Saison neu bestücken müssen. Die letzten Versuche, eine – zudem zentrale – Ordermesse zu starten, scheiterten entweder krachend oder wurden zumindest leise, aber ebenso erfolglos begraben. Keiner der Versuche glückte, ganz gleich ob in Berlin mit der Bread & Butter oder der Cookies Show, ob in Düsseldorf mit der Children’s Fashion Cologne oder der Little Gallery in Düsseldorf.

Fragt man dabei Einkäufer, dann wird oft der Wunsch nach einer zentralen Veranstaltung in Deutschland geäußert. Und für ausländische Hersteller rangieren die deutschen Konsumenten ebenfalls ganz oben auf der Wunschskala. Allein: Kaum einer der Anbieter kennt überhaupt eine deutsche Orderveranstaltung. Folglich zie­hen sie zumeist zur Playtime Paris oder Pitti Bimbo, sind dann aber verwundert, nur wenige deutsche Einkäufer zu treffen. Die Deutschen reisen nicht gern und die regionalen Ordertage wirken dem auch entgegen.

Nun aber wurden Anfang Juli 2017 in Berlin gleich zwei neue Formate vorgestellt. Ein neugieriges Raunen ging mit der Ankündigung der Playtime Berlin durch die Branche, ist der Veranstalter mit seinen bisherigen Veranstaltungen in Paris, New York und Tokio nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch beim Übertragen des Pariser Formats auf andere Hauptstädte erfahren. Etwas mehr als 120 Marken stellten daher auf der Premierenveranstaltung in unmittelbarer Nähe zur zentral gelegenen Friedrichstraße aus und auch die Mischung von Herstellern aus den Bereichen Kindermode, Kinderschuhe, Spiel­waren, Accessoires sowie Dekorationsartikeln versprach eine interessante Zusammensetzung. Die meisten Labels wurden zum ersten Mal in Deutschland gezeigt, viele darunter waren auch europaweit Messe-Newcomer. Aus Deutschland waren auch namhafte Handelsagenturen dabei, wobei die Labels eher zu den kleineren gehörten.

Gut 130 Marken stellten aus, knapp 60 davon waren auch bei der nur zwei Tage zuvor beendeten Playtime Paris dabei. 43 der ausgestellten Marken wie zum Beispiel Blafre, Ebbe, Müsli by Green Cotton, Pololo, Sense Organics oder Ubang babblechat sind auch auf anderen deutschsprachigen Ordertagen zu sehen, aber gut zwei Drittel sind für die hiesigen Einkäufer nur hier und nicht andernorts zu treffen. Neben der Kinderbekleidung sind die Schuhanbieter mit über 20 Marken am stärksten vertreten gewesen, darunter auch die Agentur Cerulla mit ihren Marken Akido, Dulis go Play und Maá sowie Anna und Paul, Atlanta Mocassin, Bergstein, Clic!, Donsje, Kavat, Petalous oder Shoo Pom. Auch wenn Deutschland mit 19 Marken den größten Anteil nach Herkunftsland stellt, sind Spanien (14), Dänemark (13) und Großbritannien (12) dicht auf den Fersen. Aus 20 Ländern speist sich das Ausstellerfeld insgesamt.

Bewusst anders

Zum einen setzte der Veranstalter bewusst auf ein Markenportfolio, das sich von den eingeführten Orderveranstaltungen absetzt. Denn so weist er ein unverwechselbares Angebot auf und ist damit für Besucher attraktiv. Zum anderen sind aber sicherlich auch die Standgebühren im Vergleich zu den bestehenden Veranstaltungen in Deutschland recht hoch, sodass manche Interessenten unsicher waren, ob sich die Kosten aufgrund einer hohen Besucherfrequenz und der Gewinnung sonst kaum erreichter Einkäuferkreise rechnen würden. Den Termin legten die Playtime-Macher nur zwei Tage nach der Pariser Veranstaltung, damit er zeitlich gleichauf mit der Fashion Week in Berlin lag. Und nicht nur der Termin, auch die zentrale Lage in Berlin und das Ausstellerangebot trugen dazu bei, dass die Playtime in Berlin schon gleich am ersten der beiden Tage einen hohen Zuspruch erfuhr.

Kaum waren bei den Ausstellern noch leichte Nachwehen der Anlieferschwierigkeiten während des Aufbaus abgeflaut, übertrug sich die aufgeregte Neugier der schon kurz nach Öffnung eintreffenden Besucher auf die Aussteller, die schon gen mittags konstatierten, dass sie zahlreiche Neukunden hatten und vielfach mit Einkäufern sprachen, die sich auf herkömmlichen Messen nicht sehen. Dieser keineswegs natürliche Zuspruch hatte sicherlich auch damit zu tun, dass der Veranstalter in den Monaten vor der Messe zahlreiche Einkäufer persönlich anrufen ließ sowie in eigenen und Partner-Mailings auf die Veranstaltung aufmerksam machte. Die Besucherzahlen, die uns noch kurz vor Redaktionsschluss erreichten, überstiegen die Voranmeldewerte von 750 Interessenten noch deutlich. Insgesamt wurden 1.236 Besucher an zwei Tagen gezählt.

Neustart der Cookies Show

Ebenfalls während der Fashion Week debütierte die Neuauflage der Cookies Show. Bereits im ersten Anlauf vor zwei Jahren, damals noch als Kindermodemesse in Zusammenarbeit mit dem Verbrauchermagazin Luna, setzte man auf die Fashion Week und kooperierte mit der kurz darauf insolventen Bread & Butter. Inzwischen will sich die Organisatorin Petra Kischkewitz auf Kinderschuhe fokussieren und lehnt sich erneut an einen Partner an. So konnte die Cookies Show gemeinsam mit der Show & Order im Kraftwerk in Berlin stattfinden. Die Location überzeugte durch Flair. Und auch das Layout der auf einer eigenen Zwischenetage integrierten Kinderschuhfläche sowie ihre Konzeptstände konnten sich sehen lassen.

Die im Vorhinein angestrebte Anzahl von 80 Ausstellern konnte nicht erreicht werden, aber die meisten der rund 20 Marken aus dem Kinderschuhbereich geben sich überzeugt. Zu den Ausstellern zählten unter anderen Bundgaard, Däumling, Ecco Kids, Kickers, Lowa, Nanga, Richter Schuhe, Salamander und Viking. Aus dem Bekleidungsbereich, der auf der Cookies – anders als 2015 – keine große Rolle spielt, kommen Jooseph’s Little Monsters Supply, Maisonnoée Kids und Maximo. Angereichert ist die Veranstaltung durch eine Handvoll Marken wie Bugaboo, Curaprox und das Boep. Ein Shuttle-Service zwischen den Veranstaltungen existierte leider nicht, sodass es keine automatische Verknüpfung der beiden Messen gab. Dennoch zeigten sich Besucher und Aussteller zufrieden.

Nilgün Kress, Teamleiterin des Einkaufs Kinderschuhe bei MyToys.de, fasst ihre Eindrücke am ersten der insgesamt drei Messetage wie folgt zusammen: „Ich finde es schön, dass mit der Cookies endlich eine Plattform geschaffen wurde, die ihren Schwerpunkt auf Kinderschuhe legt. Ich konnte mir heute einen guten Überblick über die neue Saison machen, mich mit den Ausstellern austauschen und einige Orders platzieren. Besonders die angenehme und entspannte Atmosphäre hat mich von dem Messekonzept überzeugt. Die Einbindung in die Show & Order ist wirklich sehr gelungen. Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Marken das Potential dieser Messe erkennen und in Zukunft teilnehmen.“

Auch den Zuspruch der meisten Erstaussteller hat die Cookies Show auf jeden Fall. Für Daniela Müller von der Agentur Internationale Kindermoden, die Guess Kids und Patrizia Pepe ausstellte, sind „die Frequenzen aktuell nicht nur auf Messen ein großes Thema. Mein Slogan ist: Qualität vor Quantität – und dieser trifft für die Cookies zu.“ Über zehn Neukunden konnte sie gewinnen.

Ralf Balonier von Salamander sammelte ebenfalls zehn Neukundenkontakte. „Wir waren sehr überrascht über die hohe Anzahl und die Vielfalt. Es kamen die Besitzer kleiner Boutiquen in und um Berlin, Facheinzelhändler aus verschiedenen Bundesländern, Filialisten aller Größenklassen und Online-Händler.“

Peter Klan von Däumling ergänzt: „Für das erste Mal war die Besucherfrequenz sehr gut. Unsere wichtigsten Kunden waren fast komplett gekommen.“

Die überschaubare Anzahl an vor allem konventionellen Ausstellern muss die Cookies Show bis zum nächsten Termin steigern und die Kommunikation mit dem Handel gilt es ebenfalls auszuweiten. Denn der Druck kommt aus zwei Richtungen: Zum einen gebietet die parallel stattfindende Playtime Paris ebenfalls über zahlreiche Schuhlabels, allerdings mit einem Spin hin an Nischenmarken. Und zum anderen wird die neue Gallery Shoes im August mit ihrem Profil, das den gesamten Schuhmarkt abdeckt, die Profi-Einkäufer ansprechen und mit drei bis vier Mal mehr Marken aufwarten. Doch „small is beauti­ful“. Und diesem Zauber sind bereits jetzt zahlreiche relevante Einkäufer gefolgt.