Der Erfolg der Kind + Jugend in Köln ist kein Zufall,
sondern Ergebnis einer kontinuierlichen Anpassung und Ent­wicklung. Welche Stellschrauben derzeit geölt und gedreht werden, verrät Katharina C. Hamma in Gespräch.

„Wir schauen sehr genau, wer zur Kind + Jugend passt und wer nicht“
Katharina C. Hamma ist Geschäftsführerin der Koelnmesse und ist als COO operativ nicht nur für die Kind+Jugend, sondern für alle Eigenveranstaltungen des internationalen Messeveranstalters verantwortlich. In ihrer beruflichen Laufbahn hat sie das Messegeschäft aus vielen Perspektiven kennengelernt.

Childhood Business: Frau Hamma, die Kind + Jugend wächst und gedeiht. Dennoch hatte es noch 2015 geheißen, die Messe solle flächenmäßig nicht vergrößert werden. Nun kommen mit der Halle 4.1 rund 10.000 Quadratmeter dazu. Was waren die Gründe für diesen Sinneswandel?

Katharina C. Hamma: Wir sind hier vor allem dem Wunsch unserer Aussteller nachgekommen, denen sehr daran gelegen war, ihre Produkte auf einer größeren Fläche präsentieren zu können oder gar Produkte zu zeigen, für die es bislang einfach keinen Platz gab. Marktgegebenheiten ändern sich und dazu gehört auch, dass wir als Messegesellschaft unseren Kunden mit dem richtigen Maß an Flexibilität und gutem Service gerecht werden. Daher haben wir diese Entscheidung sehr bewusst getroffen.

CB: Es sind erneut mehr Aussteller zu verzeichnen. Wie verhält sich der Zuwachs im Verhältnis zur neuen Fläche?

KCH: Wir können mit 1.240 Ausstellern aus 50 Ländern einen erneuten Zuwachs von etwa fünf Prozent verzeichnen. Sicherlich ist die Zahl der Aussteller proportional zur Fläche nicht so stark angewachsen. Das liegt, wie bereits erwähnt, auch daran, dass eine Vielzahl der Aussteller die Erweiterung der Fläche zur Vergrößerung ihrer eigenen Standfläche nutzte. Hinsichtlich der neuen Halle wurden unsere Erwartungen allerdings schon jetzt übertroffen, denn wir sind nahezu komplett ausgebucht. 90 Prozent der Aussteller sind bekannte Gesichter, die sich zum Teil sehr vergrößert haben. Die restliche Fläche wird von bereichernden Neuzugängen belegt.

CB: In diesem Jahr sind auch viele angestammte Standplätze der Aussteller neu aufgeteilt worden. Trotz der Neusortierung finden sich zum Beispiel gleich in drei Hallen Autositze und Kinderwagen. Welche Ideen wurden mit der neuen
Durchmischung verfolgt?

KCH: Uns ging es bei der Verteilung der Segmente vor allem um eine verbesserte Wegeführung. Viele Besucher haben in der Regel nur ein knappes Zeitfenster auf der Messe zur Verfügung, um sich die für sie relevanten Produkte anzuschauen. Daher galt es, die Wege so optimal wie möglich zu gestalten. Die Segmente Autositze und Kinderwagen sind wie immer am stärksten vertreten und nicht alle Aussteller passen in eine Halle. Daher bleibt es nicht aus, dass hierfür mehrere Hallen genutzt werden müssen. Für Besucher mit mehr Zeit hat dies den Vorteil, dass wir sie auch mit den Segmenten in den anderen Hallen in Berührung bringen können.

CB: Seit einigen Jahren unterhalten Sie mit dem „Support Circle“ Angebote, die die typische Entwicklungs- und Vertriebskette abbilden. Ein Bestandteil sind die Consumer Awards. Gerade in Ihrem Heimatmarkt arbeiten Sie aber mit keiner reichweitenstarken Zeitschrift zusammen. Warum diese Schwachstelle?

KCH: Vor einigen Jahren haben wir im Heimatmarkt bei dem Consumer Award noch mit einem klassischen Konsumentenmagazin zusammengearbeitet. Vor zwei Jahren ist dieses Magazin leider kurzfristig abgesprungen. 1st Steps war dankenswerterweise bereit, diese Lücke trotz des hohen Zeitdrucks zu füllen und einen Consumer Award für Deutschland zu ermöglichen. Auch wenn wir hier sicherlich kein reines Publi­kumsmedium am Start haben, haben wir dennoch einen sehr verlässlichen und kompetenten Partner an unserer Seite. Alle Befragungen zum Consumer Award werden über Newsletter realisiert, die eine sehr hohe Verbreitung in der von uns gewünschten Zielgruppe finden. Natürlich evaluieren wir nach jeder Messe sehr genau, wo es noch Optimierungspotenzial gibt. Das gilt auch für die Consumer Awards.

„Wir schauen sehr genau, wer zur Kind + Jugend passt und wer nicht“
Die Vernetzung und der persönliche Kontakt sind wesentlichen Funktionen von Face-to-Face-Events. Mit einer Online-Community will der Veranstalter der Kind+Jugend das Networking auch zwischen den Messeterminen stärken.

CB: Als Veranstaltungsexperte im Bereich der Erstausstattung könnten Sie Ihre Expertise auch für eine Formatreihe im B2C-Bereich nutzen. Die Industrie selbst hat sucht immer mehr Zugang zu Verbrauchern. Was hält Sie davon ab, eine konsumentenorientierte Messe zu
pilotieren?

KCH: Bislang bestand aus unserer Sicht kein Anlass, eine zusätzliche konsumentenorientierte Messe zu etablieren. Wir beobachten natürlich kontinuierlich unsere Märkte und sind mit allen branchenrelevanten Playern und unseren Ausstellern im offenen Dialog und Austausch zu diesem Thema. Wie die Entwicklungen in den nächsten Monaten dazu aussehen, wird sich zeigen.

CB: Viele Messeveranstalter binden immer stärker Blogger ein. Die Kind + Jugend zeigte sich lange zurückhaltend. Wird sich das ändern?

KCH: Es gibt sehr viele Blogger in dem Umfeld. Daher müssen wir schon sehr genau schauen, wer zur Kind + Jugend passt und wer nicht. Wir sind eine Fachmesse und da gibt es eben nicht den klassischen Fachblog in der Kinder- und Baby­ausstattung. Wir haben uns aber in diesem Jahr dem Thema geöffnet und erstmals Blogger zur Messe eingeladen. Neben einem eigenen Bereich in der Messe werden wir ähnlich wie für die Journalisten auch hier einen Blogger-Rundgang anbieten. Ziel ist es, eine langfristige Beziehung zu den Bloggern aufzubauen und sich besser mit ihnen zu vernetzen. Als Messe können wir den Bloggern dabei an einem zentralen Ort Einblick in die aktuelle Produktwelt geben und Trendthemen aufzeigen, damit sie im Nachgang ihre Community bestens darüber informieren.

CB: Um das Networking zu fördern, unterhalten Sie mit der Matchmaking365-Community eine Online-Community, die, mit Verlaub, nicht so ganz dem Stand der modernen Usability ist. Wie wollen Sie das Thema zukünftig entwickeln?

KCH: Bei den Möbelmessen haben wir seit einiger Zeit mit Ambista erfolgreich eine neue Online-B2B-Plattform etabliert, die als globales Business-Netzwerk der Einrichtungsbranche direkten Zugang zu relevanten Produkten, Kontakten, Kompetenzen und Events bei umfassender Vernetzung bietet. Inwieweit sich dieses neue Format auch für die Kind + Jugend übertragen lässt, werden wir in den kommenden Monaten evaluieren. Ziel ist es, der Branchen-
Community eine moderne Plattform mit echtem Mehrwert zu bieten.

CB: Die Koelnmesse ist inzwischen nicht nur Partner der China Kids Expo, sondern auch Eigentümer der Pueri Expo in Brasilien. Damit sind Sie auf drei Kontinenten aktiv. Wird es nicht Zeit, vertrieblich einen „Distribution Circle“ zu kreieren und noch stärker die Aussteller auf die verschiedenen Märkte zu begleiten?

KCH: Genau das machen wir seit diesem Jahr verstärkt mit der neu etablierten Position eines Global Brand Managers. Katharina Gründig Figueiroa hat diese Funktion für das Auslandsmesseportfolio rund um die Kind + Jugend übernommen. Aus Köln heraus werden wir damit künftig deutlich stärker das globale Portfolio dieses Kompetenzbereiches weltweit kommunizieren und aktives Cross-Selling durch die Leitmesse Kind + Jugend forcieren. Ziel ist die klare Verteilung der Verantwortung bei gleichzeitiger enger Verzahnung zwischen Köln, den Tochtergesellschaften und gegebenenfalls externen Partnern.


Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Der eben gelesene Beitrag
„Wir schauen sehr genau, wer zur Kind + Jugend passt und wer nicht“
erschien in der gedruckten Ausgabe 09-10 / 2017 von Childhood Business vom 14.09.2017 auf Seite 14

Hier geht es zu ausgewählten Beiträgen aus der Ausgabe. Nicht alle Inhalte sind Online zu lesen. Die komplette Ausgabe können Sie im Shop hier bestellen.