Möbel & Co.

0

Der Möbelbereich wird leicht unterschätzt, ist aber allein schon eine aus­stellerseitig große Branche mit vielen, im Babymarkt wichtigen Produktsegmenten.

Wer an Köln denkt, denkt auch an Möbel. Denn mit der IMM Cologne gastiert die wichtigste Möbelmesse in der Stadt am Rhein. Dabei finden sich zahlenmäßig die meisten Kindermöbelhersteller auf der Kind + Jugend. Wer die Hallen kennt, hat auch die Flächen und die relevantesten Namen vor Augen. Dazu zählen die großen Anbieter wie Paidi, Pinolino, Roba und Schardt, aber auch Spezialisten wie Complojer for Kids, De Breuyn, Isle of Dogs oder Tobi.

Fragt man Besucher, welche Produktbereiche wohl die größten sind, werden eher die Kategorien Autositze, Kinderwagen, Pflege, Heimtextilien sowie Essen und Trinken genannt. Dabei zeigt ein Blick in die Ausstellerdaten, dass der Möbelsektor rein zahlenmäßig das stärkste Segment der Messe ist. 299 Einträge werden verzeichnet. So viel wie kein anderes. Kinderwagen kommen zum Beispiel erst auf Rang fünf und Autokindersitze auf Rang sieben. Selbst der Bereich der Tragehilfen rangiert mit dem dritten Platz, gleich nach dem Textilen Wohnen, noch vor den dominant aufspielenden Platzhirschsegmenten. Auch aus dem Ausland kommen zahlreiche Anbieter, die auf dem deutschen Markt teilweise recht bekannt sind wie zum Beispiel Baby Dan, Childhome mit Childwood, Done by Deer, Kidsmill, Oliver Furniture oder Sebra, stärker Fuß fassen wollen wie Asalvo, Albero Bambino, Lemodi und Micuna oder sich dem internationalen Markt als erfrischende Alternative wie Baltsum, Pinio oder Yappi Kids vorstellen.

Ins Detail geschaut

Das Möbel­angebot auf der Messe lässt sich feiner unterteilen in die Segmente Baby- und Kindermöbel Baby-Hochstühle, Babybetten und Kinderbetten mit jeweils mehr als 100 Anbietern, aber auch Baby­wippen, Lauflerngeräte, Matratzen, Unter- und Auflagen sowie Reisebetten oder Wickeltische, -aufsätze und -auflagen gehören dazu. So hat auch das Segment Matratzen für den Babyfachhandel eine große Bedeutung, und alle relevanten Anbieter wie Alvi, Aro Artländer, Julius Zöllner oder Träumeland sind vertreten. Die Produkte dieser Firmen dürften in Deutschland den größten Teil des Fachhandels abdecken. Und wer seine Kunden im Bereich gesundes Schlafen bestmöglich beraten will, erhält aus diesen Häusern nicht nur viele Basisinformationen, sondern auch komplette Lösungen. Ein gesundes Schlafklima definiert sich nämlich über eine Reihe an Produkten, die zum Beispiel bei Alvi von der Matratze über Auflagen und Bezüge bis hin zu Schlafsäcken, zum Beispiel das bewährte Modell Baby-Mäxchen, führt und mit einer eigenen Babymöbellinie komplettiert wird.

Zahlen zum Kinder­möbelmarkt
Der Umsatz der deutschen Möbel­industrie lag laut dem Verband der deutschen Möbelindustrie (VdM) im Jahr 2016 bei 18 Milliarden Euro. Der Anteil der in Deutschland produzierten Kindermöbel daran betrug in 2016 rund 2,4 Milliarden Euro. Hinzu kamen Kindermöbelimporte im Wert von 1,7 Milliarden Euro. In der Summe ergibt sich ein Umsatzvolumen für Kindermöbel von 4,1 Milliarden Euro im Jahr 2016 und ein Möbelhandelsumsatz in Deutschland von 4,5 Milliarden Euro. In den Export gehen deutsche Kindermöbel kaum, wenngleich es Unternehmen gibt, die gute Exporterfolge erzielen. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der verkauften Kindermöbel damit leicht gestiegen. Leicht zugenommen hat ebenfalls die Importware, sodass der Bereich Kinder- und Jugendmöbel ein wachsendes Segment darstellt. Die Zukunftsaussichten auf dem deutschen Markt sind positiv: Mit einem Zuwachs von 3,2 Prozent an Neugeborenen im Jahr 2015 entwickelt sich die Zielgruppe moderat wachsend. Für 2016 und 2017 wird ebenfalls eine leichte Steigerung erwartet. Die größte Herausforderung für die deutsche Möbelindustrie ist es, dem Importdruck standzuhalten. Importmöbel neigen dazu, preiswerter als einheimische zu sein. Neben dem Qualitätsversprechen „Made in Germany“ sind gutes Design, Innovationen, Multifunktionen und die Verwendung ökologischer Materialien mehr denn je angesagt.

Ein im Handel ebenfalls sehr mengenträchtiges Untersegment stellen die Hochstühle dar. Stokke
schwänzt auch weiterhin die Messe, was kleinere Anbieter wie Treppy für sich nutzen. An dem Marktführer kommt zwar kaum einer vorbei, aber hinsichtlich der Margenattraktivität gibt es durchaus interessante Alternativen zu prüfen. Nicht nur viele der bereits erwähnten Kindermöbelfirmen oder auch Geuther bieten passende Produkte. Inzwischen sind auch Unternehmen aus dem Bereich Autositze und Kinderwagen wie zum Beispiel ABC Design, Cybex oder Joie in diesem Segment aktiv. Etwas vereinfacht könnte man sagen: Mit dem Thema Sitzen haben sie eh zu tun. Vor allem aber suchen sie die Chance, zum Produktportfolio und zu bestehenden Handelskontakten passende Produkte zu bieten.

Was in 2018 kommt

Im Bereich der Kinderzimmer spielt Qualitätsbewusstsein­ in Bezug auf Sicherheit und Komfort eine große Rolle. Geprüfte Produkte, die unter gesundheits- und umweltfreundlichen Gesichtspunk­ten produziert werden, sowie Langlebigkeit und Multifunktionalität sind im Vorteil. Als Farbgebung steht Weiß im Mittelpunkt. Die Farbe bringt Helligkeit in den Raum und passt sich neutral jedem Einrichtungsstil an. So lassen sich Möbel so auch nach ihrer Verwendung im Kinderzimmer an anderer Stelle weiternutzen. Eine Wickelkommode kann als Kommode fortbestehen oder zudem in ein zusätzliches Regal gewandelt werden. Kinderzimmer unterliegen einer ständigen Veränderung. Zunächst benötigt das Baby nur ein Bett, Platz zum Wickeln und eine Kommode oder einen Schrank für die Kleidung. Schon bald wandelt es sich in ein Spielzimmer. Im Trend sind immer noch themenbezogene Kinderzimmer, gern langlebig durch eine mehrfache Nutzungsmöglichkeit ausgerichtet.

Die Möbel sind weniger kindlich verspielt und klarer. Der Retro- oder Vintage-Trend zeigt sich auch bei Kindermöbeln. Neben Weiß im Korpus verwenden die Hersteller dezente Holzdekore und Farben. Auch der Landhausstil als auch skandinavische Designs oder Klassiker bleiben in. Beistellbetten für Babys gehören auch zu einer Grundausstattung. Zahlreiche Accessoires sind im Angebot, die bezüglich Farbgebung und Muster dem Zimmer eine persönliche Note verleihen; zahlreiche Formen, Farben und Materialien erlauben eine individuelle Gestaltung. Unisex-Zimmer lassen sich durch Farb- und Motivwahl in Mädchen-
wie Jungendomänen abwandeln. Auch textile Accessoires gibt es personalisiert. Im Trend liegt eine dezente und pastellige Farbgebung, die sich gut zu weißen Möbeln kombinieren lässt. Auch mithilfe von Wandstickern und sogenannten Wandtattoos lassen sich Kinderzimmer individuell gestalten. Neu sind Wandsticker, die mittels einer elektrostatischen Anziehung haften. So lassen sie sich ohne Kleberückstände an den Wänden anbringen, abnehmen und wiederverwenden.

Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Möbel & Co.
erschien in der gedruckten Ausgabe von Childhood Business:
Ausgabe 09-10 / 2017 vom 14.09.2017 auf Seite 65
Hier geht es zu weiteren Beiträgen aus der Ausgabe.

Share.