Nächster Schritt: China

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Den Weg Zur Kind + Jugend finden nur wenige Kinderschuhhersteller. Dabei werden Lauflerner bei den meisten Babyfachhändlern geführt. Franziska Kuntze von Pololo stellt seit Jahren im „Green Kids“-Pavillon aus.

Als Franziska Kuntze (Bild) und Verena Carney 2003 Pololo starteten, war das Angebot an gesunden und nachhaltigen Kinderschuhen noch unzureichend. Inzwischen führen rund 800 Händler in Deutschland und darüber hinaus die Marke. Und bei der Gestaltung eines der wichtigsten Öko-Labels im Lederbereich ist Kuntze ebenfalls dabei.

Zur Kind + Jugend hatten Sie angekündigt, auch in China wachsen zu wollen. 

Wir sind da selbst noch sehr neugierig. China ist ein Riesenmarkt. Hier gibt es viele Eltern, die das Beste für ihre Kinder wollen. Welchen Prozentsatz wir von diesen Kunden erreichen können, werden wir sehen. Wir arbeiten immer nach der Devise, einen Fuß vor den anderen zu setzen und dann zu schauen, ob es passt. Wir werden unsere Qualität und unsere Standards nicht aus den Augen verlieren, nur um schnell zu wachsen. Ganz im Gegenteil, wir wissen, wo unsere Wurzeln und wer unsere Kunden sind.

Ein Aspekt, die Vermeidung von langen Lieferwegen, wird dabei ins Hintertreffen geraten. Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages auch in Fernost zu produzieren? 

Nein, das kann ich mir zurzeit nicht vorstellen. Wir lieben es, in Deutschland und Europa zu produzieren. Wir haben Freude mit unserem Team und mit unseren Kollegen in Spanien. Wir verfolgen alle das gleiche Ziel und arbeiten sehr gerne zusammen. Diese Freude an unserer Arbeit ist Teil des Antriebs für uns.

Häute, die nach Biokreis oder IVN zertifizert sind, nach China zu transportieren oder unsere Standards dort zu implementieren, die ja selbst den Transport der Rinder zur Schlachterei beinhalten, das wäre für unsere kleine Firma ein illusorisches Ziel. Natürlich ist die Entfernung zu China sehr groß, aber wir gehen dahin, wo Nachfrage nach Pololo entsteht. Wenn Chinesen Kinderschuhe wünschen, die so hergestellt werden, wie wir das machen, also unter unseren Qualitätsansprüchen und unseren ökologischen und sozialen Standards, dann bieten wir ihnen „Made in Germany“ und „Made in Spain“! Unser Kooperationspartner für China ist die Firma Beautiful Brands mit Sitz in Berlin und Hongkong. Mit dem Berliner Manager Christian Sekula hatten wir vorweg einen intensiven, sehr ehrlichen Austausch. Er teilt unsere Werte.

Es gibt zahlreiche Anbieter zum Beispiel von Lauflernern, viele darunter mit ökologischem Anspruch. Dennoch ist insbesondere Pololo stark gewachsen und beliefert heute rund 800 Fachgeschäfte in der ganzen Welt. Worauf führen Sie Ihren Erfolg zurück?

Ich denke, das haben wir einem Mix aus unterschiedlichen Faktoren zu verdanken. Wir produzieren selbst, haben hohe Qualitätsanforderungen, eine starke Kontrolle und sind darauf eingestellt, kleine wie große Händler problemlos zu bedienen. Wir können die diversen Lieferanforderungen erfüllen und sind professionell genug, um einen logistisch optimierten Ablauf zu gewährleisten. Wir halten unsere Preise ebenso stabil wie unseren Service und natürlich auch die Qualität. Wir sind ehrlich und kommunizieren mit unsere Kunden, deren Wünsche und Vorstellungen sind für uns immer sehr wichtig – und natürlich auch das Design der Schuhe sowie die Qualität. Die überzeugt unsere Kunden. 

Sie setzen vor allem auf den Produktionsstandort Deutschland. Selbst die Leder werden hier gegerbt. Warum? 

Die Frage ist eher: warum nicht? Baumwolle kann aus klimatischen Gründen nicht in Deutschland angebaut werden, aber gerben kann man in Deutschland sehr gut. Und Rohstoffe gibt es auch genügend. Außerdem sind deutsche Industrie-, Abwasser-, Energie- und Arbeitsstandards weltweit führend. Sprich: Viele Fragen, die sich bei einer Produktion in Fernost stellen, sind hierzulande bereits klar geregelt und kontrolliert. Ich möchte zum Beispiel einfach, dass die Gerbabwasser ordentlich geklärt werden, dass die Gerbstoffe ordnungsgemäß behandelt werden und dass daraus wieder Trinkwasser wird. Wir können auch in Deutschland noch Bekleidung produzieren. Es ist doch schade, wenn wir unser Know-how, unsere Fähigkeiten, unsere Kompetenzen mehr und mehr aufgeben. Dem setzen wir unternehmerisch und auch politisch bewusst ein State­ment dagegen. Ich begrüße es sehr, wenn auch andere Unternehmen so arbeiten wie wir. Vielleicht sollte das auch die Politik stärker fördern, denn die kleinen und mittelständischen Unternehmen sind ein wichtiger Motor und Arbeitgeber.

Ihr Unternehmen und Sie selbst sind sehr umtriebig, Nachhaltigkeit zu fördern. Was sind Ihre wichtigsten Engagements? 

Mein persönliches „Baby“ ist der IVN Naturlederstandard. Standards in der Branche sind wichtig, damit die Kunden und Händler Anhaltspunkte haben und Gewissheit. Wir sind natürlich, wie mittlerweile einige andere auch, nach dem IVN Naturlederstandard zertifiziert. Ich bin auch im Vorstand des IVN und dafür verantwortlich, den Standard voranzubringen und stetig zu verbessern.

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