Kiddy hat Insolvenz erfolgreich abgewendet

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Für viele deutsche Unternehmen liegt das Heil in China: ein Riesenmarkt mit einhergehenden enormen Wachstumschancen. Zudem kauft die wohlhabende Mittelschicht nach so machen  Skandalen wie jenem um verseuchte Milchprodukte gern auch europäische Qualitätsprodukte.  Doch „Go-East“ birgt auch so manche Gefahren, die im letzten Jahr den 1966 gegründeten Autositz- und Kinderwagenhersteller Kiddy aus Hof in Oberfranken an den Rand seiner Existenz drängten.

Eine Reihe von Straftaten innerhalb der chinesischen Joint-Venture-Gesellschaft führte zu Verlusten in Millionenhöhe. So habe sich ein Manager von Kiddy Shanghai abgesetzt und hohe Verbindlichkeiten hinterlassen. Das führte in der Folge auch zu Lieferengpässen in Deutschland, insofern die Produktion von Kiddy-Produkten hauptsächlich in China erfolgt.

Evoluna i-Size 2 seit Januar 2018 am Markt erhältlich

Kiddy scheint gerettet und will mit neuen Produkten wie dem seit Januar 2018 am Markt erhältlichen Evoluna i-Size 2 wieder punkten.

Die Geschäftsvorfälle hatten Kiddy in eine vorübergehende Schräglage gebracht und in die Insolvenz geführt. Diese wurde am 14. Juni 2017 in Eigenverwaltung eingeleitet. Und jetzt vermeldete die Geschäftsführung den Abschluss der Restrukturierung.

Die Tochtergesellschaft in Shanghai wurde 2008 als Grundstein für die Internationalisierung gegründet. Eigene Außendienstmitarbeiter oder gar eigene Vertriebsgesellschaften bestehen unter anderem auch in den USA (seit 2010), in Großbritannien und Frankreich (je seit 2011), in Polen (2012) sowie in der Türkei, Spanien und in Korea (je seit 2013).

In den letzten Monaten wurde ein nachhaltiges Sanierungskonzept erarbeitet, welches nunmehr in vollem Umfang umgesetzt werden kann. Im  Januar stimmten alle Gläubigergruppen einstimmig zu. Im Februar 2018 genehmigte auch das Amtsgericht Hof im Februar die Umsetzung des im Dezember 2017 vorgelegten Plans. Im nächsten Schritt waren die Gläubiger auszuzahlen, damit das Gericht die Insolvenz in Eigenverantwortung nunmehr aufheben konnte.

Neben einer organisatorischen Neuaufstellung stehen die operative und die finanzielle Fokussierung im Kern des Plans. Während des Verfahrens gab es nach Unternehmensangaben keine insolvenzbedingten Entlassungen. Es habe sogar Neueinstellungen gegeben, um Kiddy als Premiummarke weiterhin international zu positionieren.

Bereits im Januar und Februar 2018 habe Kiddy nach Angaben des Interims-Geschäftsführers Gunter Neef, einem Fachanwalt für Insolvenzrecht, höhere Umsätze als im Vorjahr erzielt. Weiter sagte er gegenüber der Tageszeitung Frankenpost: „Künftig werden wir umsatztechnisch auf jeden Fall größer sein als vor der Insolvenz.“

Dabei muss es auch darum gehen, nicht nur den Umsatz, sondern auch den Gewinn zu steigern, der seit 2011 negativ ausfiel. 2015 wurde ein Jahresfehlbetrag von rund 608 Tausend Euro ausgewiesen. Aktuellere Unternehmensdaten sind nicht mehr veröffentlicht worden.

Als Geschäftsführer wird Neef nicht an Bord bleiben. Geplant sei, dass Bettina Würstel künftig wieder alleine die Geschäfte des Unternehmens wie seit 2012 führen wird.

„Ich bedanke mich bei allen für den massiven Zuspruch und die beeindruckende Unterstützung aller involvierten Parteien, Geschäftspartner und meiner Mitarbeiter“, so Geschäftsführerin Bettina Würstl.

Das Unternehmen Kiddy steht vor der Aufgabe, die seit Ende 2016 eingeleitete Strategie zu realisieren. Man sei bestrebt, heißt es in der Geschäftsführung, auch künftig an Produktinnovationen zu arbeiten, um an die guten Ergebnisse der von ADAC und Stiftung Warentest gemeinsam durchgeführten Produkttests auch künftig anzuschließen.

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