Klassisch, retro und britisch:
Das 2013 gegründete Label Young Soles setzt auf eine konventionelle, aber coole Stilsprache, gewürzt mit britischen Akzenten.

Die Briten hatten es schon immer raus: natürlich stilvoll und elegant, aber immer mit einem gewissen Spleen. Das Label Young Soles spendiert dem Kinderschuhsortiment einen klassisch-festiven Stil. 

Etwas seltsam ist es schon: Viele der jungen Designer, die ein Label für Kinderschuhe gründen, nutzen keine der Schuhfachmessen als Bühne für ihre Premiere. Und auch in den folgenden Saisons findet der größte Teil dieses Segments an anderer Stelle statt. Fast alle neuen Launches jenseits der Welt der eingeführten Schuhproduzenten debütieren nämlich in aller Regel im Umfeld der Kindermode. Gründe dafür gibt es gleich mehrere. Zumeist sind die Labels modisch inspiriert und suchen die Nähe zu Marken mit ebenso nach einer Aussage strebenden Outfits.

Der Kindermodemarkt vereint auf sich keine große, aber doch eine größere Zahl an experimentierfreudigen Einkäufern sowie Concept-Stores als der Schuhmarkt. Und auch der Zugang zu jenen aufgeschlossenen Konsumenten, die auf der Suche nach etwas Besonderem sind, ist in diesem Segment bereits besser eingeübt. Schlussendlich bieten die Messeveranstalter im Kids-Fashion-Bereich ganz gezielt Programme und Sonderflächen an, um Newcomer zu promoten. Veranstaltungen wie die Ciff Kids, die Pitti Bimbo oder die Playtime Paris offerieren schon längst ein Mix angrenzender Sortimente, um Einkäufern Optionen für zukunftsfähige Shopkonzepte zu bieten. Wer hier unterwegs ist, trifft auf eine erstaunliche Vielzahl von Labels für Kinderschuhe.

Immer wieder stellt Childhood Business sehenswerte Marken und ihre Designer vor. Umso mehr freut es, wenn Agenten wie Annika Fröhlich von der Minime Sales Agency aus Hamburg, die Marken wie 10 is oder Angulus vertritt, eine davon inzwischen ins Portfolio aufgenommen hat. Die Rede ist von Young Soles aus London (www.youngsoles.co.uk), mit deren Gründerin und Designerin Louise Shill wir gesprochen haben.

Childhood Business: Was hat Sie veranlasst, ein Label zu gründen?

Mit der Geburt ihrer kleinen Tochter Rosie 2013 gründete Louise Shill das Label Young Soles. Vormals war Sie als Freelance-Designerin für Shoe Geeks tätig und arbeitete für Marken wie Ellesse, Lee Cooper und Merrell.

Louise Shill: Schon seit über 15 Jahren bin ich in der Schuhbranche tätig. Mit der Geburt meines ersten Kindes fiel mir auf, dass es zwar eine Fülle an Sneakern, Glitzer und Co. gab, aber dass klassische Schuh-Styles für Kinder fehlten. Da ich diesen konventionellen, aber eleganten Look bevorzuge und er meinen persönlichen Stil repräsentiert, habe ich mich dazu entschlossen, mit meinem Label Young Soles in diese Lücke zu stoßen.

CB: Das Spannungsverhältnis zwischen Online-Stores und physischen Läden zeichnet sich immer deutlicher ab. Sehen Sie die Zunahme an Online-Shops als Gefahr für den traditionellen Handel?

LS: Die Strategie von Young Soles heißt seit Beginn „Retailers first“, weshalb es für uns sehr wichtig ist, den Händlern, ob online oder physisch, beim Vertrieb der Schuhe zu unterstützen. Wir haben glücklicherweise eine gute Mischung aus wohlbekannten Läden, Online-Shops und auch kleinen, unabhängigen Boutiquen. Es ist unbestreitbar, dass die Bequemlichkeit beim Online-Shopping eine große Rolle spielt und ein Online-Business ein guter Weg ist, mit dem Vertrieb zu starten, da die Gemeinkosten relativ gering sind. Wir haben auch bei einigen unserer Händler gesehen, dass diese zunächst mit einem Online-Shop begonnen haben und dann physische Läden eröffneten. Speziell bei Kinderschuhen haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Kunden die Ware gern anprobieren, bevor sie kaufen, sei es, um die Größe zu testen oder um die Qualität der Schuhe vor Kauf zu prüfen. Deshalb denke ich, dass der klassische Handel besonders in der Kindermodebranche wichtig ist und auch auf lange Zeit bestehen bleiben wird.

CB: Mit Ihrer Marke stellen Sie zum Beispiel auf der Playtime Paris aus. Wie wichtig sind Messebesuche?

LS: Der Launch unserer Marke fand 2014 auf der Bubble London statt. Momentan stellen wir nur noch auf der Playtime aus – und dieses Jahr zum ersten Mal auch auf der Playtime New York. Unsere Agenturen und Distributoren nehmen unsere Schuhe aber auch zu regionalen Schauen mit. Es geht darum, eine Balance zwischen Marketing, Investitionen in Messen und dem Einsatz von Handelsagenturen mit bestimmten Reichweiten und Marktwissen zu finden.

CB: Welche Besonderheiten machen Ihre Zielgruppe aus und wie passen Sie sich als Marke diesen Gegebenheiten an?

LS: Young Soles hat keinen typischen Kunden. Die Kundschaft ist sehr abhängig von der regionalen Lage. Ein gemeinsamer Nenner besteht allerdings darin, dass es sich oftmals um Eltern handelt, die, wie ich damals, auf der Suche nach diesem speziellen, klassischen Style sind und hohe Ansprüche an die Qualität der Schuhe haben. Dazu gehören auch der persönliche Kontakt und die Auseinandersetzung mit den Menschen hinter der Marke. Die persönliche Beziehung zu unseren Händlern liegt uns am Herzen und oftmals hören wir auch, dass die Kinder der Ladenbesitzer unsere Schuhe tragen. Feedback ist besonders wichtig, weshalb alle Anfragen der Kunden von uns persönlich beantwortet werden.

CB: Mit welchen Herausforderungen haben Sie als kleines Unternehmen besonders zu kämpfen? 

LS: Wir sind noch immer ein kleines, aber zum Glück schnell wachsendes Unternehmen. Das ist klasse, aber Wachstum bringt auch einen stetigen Strom neuer Herausforderungen mit sich. Eine der größten Aufgaben ist es, eine gute Work-Life-Balance zu finden, was vor allem für berufstätige Eltern schwierig ist. Wenn ich einen Rat an andere kleine Unternehmen geben könnte, wäre es der, sich darüber im Klaren zu sein, welche Art von Unternehmen man aufbauen möchte, und diesen Plan im Auge zu behalten. Das Ethos von Young Soles besagt, Kindheitserinnerungen wachzu­rufen. Und diesem Grundsatz bleiben wir bei allen Veränderungen treu.

CB: Worauf kann man sich jetzt im Sommer freuen?

LS: Young Soles wächst stetig weiter und zu unseren über 80 Händlern weltweit gesellen sich jetzt auch US-amerikanische Händler, was die Gesamtzahl nahezu verdoppelt. Auch im Nahen Osten sehen wir starkes Interesse. Mit der SS-18-Kollektion erweitern wir unser Portfolio um die Kategorie Lauflerner und stellen zwei Modelle vor: „Poppy“ und „Bertie“, beide mit der typischen EVA-Sohle der Marke. Die Styles sind in den Größen 18 bis 24 verfügbar.

CB: Und welche Neuerungen erwarten die Händler mit der Herbst/Winter-Kollektion?

LS: Für die AW-18/19-Kollektion habe ich mich in meine Vergangenheit begeben und lasse das Erbe des „British Working Men’s Club“ aufleben. Kombiniert wird das Ganze mit einigen Post-Punk-
Elementen, welche dem momentanen Trend der Mode der 1980er und 1990er entsprechen. Davon ist auch die Farbwahl inspiriert: Beerentöne, Pflaume und Rostbraun spielen eine zentrale Rolle. Wir bereiten auch eine neue Produktreihe für Teens vor, die in den Größen 36 bis 40 mit den Styles „Albert“, „Victor“ und „Victoria“ verfügbar sein wird. Mit den Modellen „Lola“ und „Howard“ wird die neue Produktreihe der Lauflerner erweitert. Die beliebten Ledersohlen-Styles „Bobby“, „Buster“ und „June“ tauchen in der neuen Kollektion mit Jacquard-Mustern aus Samt und in beerigen und braunen Tönen auf, was den Klassikern eine festive Note gibt.