Thema Antimon: Träumeland legt erneut nach

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Sicher schlafen: Das ist das Hauptthema der Matratzenindus­trie. Antimon gehört dabei zu den am häufigsten untersuchten Schadstoffen in den Produkten.Träumeland sieht sich bei der Vermeidung als Marktführer.

Fusioniert ein Wettbewerber mit einer großen Unternehmensgruppe, ändern sich die Verhältnisse am Markt – auf dem ohnehin schon mit harten Bandagen gekämpft wird.

Durch den Anfang 2018 verkündeten Verkauf des Unternehmens Alvi an die niederländische Unternehmensgruppe Nine & Co kommt Bewegung in den Markt für Babymatratzen. Welche Auswirkungen dies auf das Unternehmen Träumeland hat, fragte Childhood Business bei Hannes Nösslböck nach. Und auch zum Reizthema der Branche, Stichwort „Antimon“, gibt es Neues zu vermelden.

Childhood Business: Halten Sie die branchenübergreifende Fusion von Alvi und der niederländischen Unternehmensgruppe Nine & Co für sinnvoll?

HANNES NÖSSLBÖCK: Die Fusion kann in zweierlei Hinsicht sinnvoll sein. Einerseits kann Nine & Co in den Märkten, in denen das Unternehmen bereits agiert, die Marke „Alvi“ etablieren und sie international voranbringen. Da Alvi in Deutschland bereits sehr stark ist, wird sich hierzulande nichts verändern. Andererseits kann der Konzern über die eingeführte Marke „Alvi“ vielleicht neue Chancen nutzen, seine anderen Produktgruppen am deutschen Markt besser zu positionieren. Beide Auswirkungen, die durch die gesellschaftsrechtliche Veränderung bei unserem Wettbewerber möglich sind, betreffen die hiesige Stellung von Träumeland nicht. Deshalb sehen wir das Ganze sehr entspannt. Jeder hat seine Position und der deutsche Markt ist weitestgehend gut aufgeteilt, weshalb ich kurzfristig keine große Reaktion erwarte. Langfristig wird man sehen, wo Nine & Co den neuen Fokus legt. Aber das dauert sicherlich noch ein bis zwei Jahre. Wir wissen allerdings, dass es die Kunden schätzen, mit familiengetriebenen und durch persönlich engagierte Unternehmer geführten Marktpartnern zu arbeiten, wie das ja auch bei Alvi der Fall war. Daher kann man gespannt sein, wie die deutschen Händler die Übernahme durch einen internationalen Großkonzern aufnehmen werden.

Hannes Nösslböck und seine Frau Gabi übernahmen 1995 den elterlichen Betrieb in Hofkirchen/Oberösterreich. Seit 1997 entwickeln sie die Marke Träumeland zum Anbieter hochwertiger Baby- und Kindermatratzen, auf denen auch ihre drei Kinder bestens schlafen. In 2017 kam es zur Diskussion um den Begriff „antimonfrei“. Hierzu hat Nösslböck im April 2018 neue Testergebnisse vorgelegt.

CB: Nine & Co ist bisher in der Maternity- und Babybekleidungsbranche mit Marken wie zum Beispiel Noppies aktiv. Welchen Mehrwert sehen Sie durch den Zusammenschluss?

HN: Die Werbemöglichkeiten werden sich durch ein größeres gemeinsames Marketingbudget sicherlich verändern, auch wenn der Zusammenhang zwischen dem textillastigen neuen Eigentümer und Alvi thematisch erst mal schwierig wirkt. Diese neuen Möglichkeiten treffen uns als Wettbewerber vermutlich wenig. Unser neues Konkurrenzprodukt, der Babyschlafsack „Liebmich“, ist erst seit Kurzem auf dem Markt. Daher können wir ja wenig verlieren. Im Gegenteil: Wir wollen unsere Position mit der Zeit noch deutlich verbessern. 

CB: Sehen Sie in der Matratzenbranche Potenziale, international zu wachsen, oder sind in der Produktgruppe vor allem nationale Champions erfolgreich?

HN: Auch wenn der deutschsprachige Raum für uns am stärksten ist, gibt es durchaus Potenzial. Träumeland ist in über 30 Ländern präsent – und das nicht nur in Europa. Wir liefern zum Beispiel bis nach China. Wenn das Produkt sowohl einzigartig als auch qualitativ hochwertig ist und wenn ein hoher Innovationsgrad existiert, steht der Internationalisierung nichts im Weg. Die Länder, welche wir beliefern, haben natürlich auch lokale Anbieter. Allerdings sind das eher Standardprodukte und im Premiumsegment keine direkte Konkurrenz. Wenn man ein überzeugendes Produkt und starke Partner hat, kann man mit einem Produkt, das am Heimatmarkt funktioniert, auch international reüssieren. Allerdings sind Nachteile im Ausland wie die Sprache, die logistische Entfernung oder die Preisbereitschaft für „Made in Austria“-Produkte auch schon Barrieren, die für manche schwerer zu überwinden sind.

CB: Und wie schätzen Sie Ihre Position im Vergleich zu den wichtigen deutschen Matratzenherstellern im Babybereich ein?

HN: Unsere Position ist mittlerweile sehr gefestigt. Wir waren in den letzten Jahren das innovativste Unternehmen und haben neue Impulse gebracht, was unsere Kunden sehr schätzen. Wir haben einen guten Platz gefunden und spielen gerade im qualitativ hochwertigen Premiumbereich ganz
vorn mit.

Träumeland hat ein neues Schadstoff­etikett an seinen Produkten eingeführt.

CB: In 2017 mussten Sie nach einer Intervention von Wettbewerbern die Aussage zur Antimonfreiheit Ihrer Babymatratzen zurückziehen. Hat Sie diese Reaktion überrascht?

HN: Wir sind nicht das einzige Unternehmen, welches mit dem Wording der Anti­monfreiheit seiner Produkte geworben hat. Das machen viele Hersteller im Erwachsenenbereich. Da wir als Einzige angegriffen worden sind, haben wir den Ellbogeneinsatz der Wettbewerber im Kinderbereich kennengelernt. Unsere Art ist das nicht und wir regen uns darüber auch nicht auf. Wir konzentrieren uns lieber weiter auf unsere Entwicklungen und Innovationen. 

CB: Dennoch taucht das Stichwort „Antimon“ in den Elternjournalen bei Matratzen immer wieder auf.

HN: In der Tat. Wir möchten aber unter Eltern keine Antimonpanik zum Vorteil des Geschäfts auslösen. Aber da verschiedene Untersuchungen wie von der Stiftung Warentest oder Öko-Test bei Matratzen immer auch auf den Anti­mongehalt abstellen, haben wir einen Weg gesucht und gefunden, die Nutzung von Antimon bei der Produktion von Polyestervlies zu vermeiden. Wir nutzen als vermutlich einziger Babymatratzen­anbieter in unseren Kategorien „Comfort“ und „Premium“ ein sehr kostspieliges Polyestervlies, bei dessen Produktion auf den sonst üblichen Einsatz von Antimon verzichtet wird. Gänzlich vermeidbar ist Antimon nicht, da das Halbmetall auch in der Umwelt vorhanden ist und auf diese Weise in die Stoffe gelangt. Aber jenseits dieses unvermeidbaren Antimoneintrags verzichten wir bei unseren Stoffen auf einen aktiven Antimoneinsatz, sodass diese nachweislich deutlich geringer antimonbelastet sind als die Produkte mancher Wettbewerber. Kein Polyester der Welt kann aufgrund des natürlich vorkommenden Antimons als komplettt „antimonfrei“ bezeichnet werden. Unabhängig davon gilt: unsere Produkte erhalten beste Ergebnisse bei Antimon- und Schadstofftests. 

Im April 2017 hatte Hannes Nösslböck im Interview mit Childhood Business über „antimonfreie“ Matratzen gesprochen. Wettbewerber protestierten.

 CB: Und welche Werte kommen bei diesen Prüfungen heraus?

HN: Nach Oeko-Tex sind maximal 30 Milligramm pro Kilogramm Textil erlaubt. Dabei kommt ein saures Schweißlöseverfahren zum Einsatz. Wir sind jüngst noch einen Schritt weitergegangen und haben uns bei der Indikator GmbH aus Wuppertal einem noch sensitiveren Verfahren mit einem sogenannten Totalaufschluss unterzogen. Hierbei können höhere Antimonwerte ermittelt werden als nach dem Schweißlöse­verfahren, da auch gebundene und durch Schweiß wie Reibung nicht herauslösbare Anteile gemessen werden können. Unser Matratzenbezug kommt auf einen Messwert von unter einem Milligramm. Stoffe von drei Wettbewerbern liegen bei 160 bis 180 Milligramm. Rechnen Sie die Werte auf das von Oeko-Tex genutzte Verfahren um, liegt unser Antimonwert als Einziger bei einem Hundertstel des zulässigen Grenzwertes. Damit bieten wir das schadstoffärmste Produkt im Bereich der hochwertigen Babymatratzen. Mussten wir auch das Wording ändern, so bleibt es dabei, dass wir den besten Matratzenbezug verwenden. Und wir werden auch in Zukunft alles daransetzen, etwaige Schadstoffgehalte immer weiter zu verringern, sobald sich Möglichkeiten dazu bieten. 

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