Kostbar:
Immer mehr Marken, die für Young Fashion stehen, entdecken wie Cost:bart die Anlass­mode für sich. Wie man sieht, ist das eine echte Bereicherung.

Wer festive Kindermode zur Profession gemacht hat, ist gesegnet. Leicht ist das Geschäft auch hier nicht, doch der Handel mit schönen Kleidern und feschen Anzügen ist vergleichsweise stabil. Gute Beratung wird hier noch geschätzt und ein breites Sortiment von den Kunden honoriert. Für Impulse aber muss man reisen.

Das wirtschaftlich stärkste Land in Europa sticht im Bereich der Kindermode durch eine Besonderheit heraus: Es gibt keine zentrale Ordermesse, wie wir sie mit der Pitti Bimbo aus Italien, mit der Playtime Paris aus Frankreich oder mit der Fimi aus Spanien kennen. Auch Großbritannien hatte mit der Bubble London lange eine solche Veranstaltung, ebenso die Niederlande mit der Kleinen Fabriek. In Dänemark kommt die Branche zur Ciff Kids zusammen und in Polen schwingt sich die neue Kids’ Time auf, die Kindermode zentral zu versammeln.

Und in Deutschland? Manche Versuche hat es gegeben, aber es bleibt, wie es ist: Alles ist dezentral organisiert. Und so laden auch im Bereich der festiven Kindermode gleich drei Events die Hersteller und Einkäufer ein, sich in der Zeit von Mai bis, allerdings etwas spät, Anfang Juni für die kommende Saison einzudecken. Weitere, noch kleinere Events hatte es in Hamburg und Hannover gegeben, die sich aber im protestantischen Norden nicht durchsetzen konnten. Sie werden aber immer noch von der Firma New G.O.L. als Service am Kunden bedient. ­

Zusätzlich nutzen immerhin rund ein Dutzend Anbieter die Brautmodenmesse Interbride, die sich ihrerseits gern mit ihrem internationalen Fachpublikum stärker für die festiven Spezialisten im Kindermodebereich empfehlen möchte. Doch die Konditionen für die Aussteller sind derzeit einfach zu anspruchsvoll und viele Einkäufer schätzen die kurzen Wege zu den regionalen Ordertagen, die in Neuss mit der 4-Kidz.eu Festive, in München mit der Supreme Celebration und in Hofheim mit der Wallau Festive existieren.

Doch wo die Interbride auf der einen Seite zupft, da zerrt seit diesem Jahr der Veranstalter der Supreme Celebration von der anderen Seite. Die Mitgründerin Aline Müller-Schade möchte für die Münchener Veranstaltung neue Impulse setzen und hat ein stärkeres Rundumangebot versprochen. So sollen Anlassmode für Erwachsene beziehungsweise Brautmoden mit der festlichen KIKO kombiniert werden. Vielleicht bricht sich ja neue Energie Bahn. Auf den Versuch kommt es an. Immerhin findet die festive Ausstattung nicht nur in Modehäusern mit einer entsprechenden Kinderetage oder bei ausgesprochenen Spezialisten statt, sondern häufig als Segment im Brautmodenbereich. 

Ein magischer Tag

Vielleicht ist die festive Mode einfach zu speziell, als dass sich ein zentraler Ordertermin lohnen könnte? In Spanien gibt es mit dem Día Mágico der Fimi einen solchen, zusätzlich zur regulären Kindermodemesse Anfang Mai eines jeden Jahres. Gut 100 Marken finden sich zu einer zentralen Schau zusammen.

Natürlich ist Spanien katholisch und es gibt eine Tradition, die Kinder auch im Alltag etwas feiner, etwas freudiger, etwas verspielter herauszuputzen. Daher kann eine solche Messe auf ein größeres Reservoir an Modemachern zurückgreifen. Doch viele Hersteller in der Branche sind, ganz gleich ob in Spanien, hierzulande oder anderswo, kaum auf den Export ausgerichtet, sodass es kennzeichnend für das Segment ist, dass es nur wenige Marken gibt, die sich auf andere nationale Märkte wagen. Zumal es ohne gute Handelsvertretungen auf Dauer nicht klappt. Doch diese sind rar, denn das Segment ist klein – und Nachwuchs ist im Gewerbe der reisenden Agenten ein Engpassfaktor geworden. Wer also Neues sehen, frische Impressionen sammeln, gar nach der einen oder anderen neuen Marke Ausschau halten möchte, der muss definitiv reisen – und über seinen regionalen Tellerrand hinausschauen. 

Ansonsten lässt sich am Ende der Ordersaison vermelden: Eigentlich ist in diesem Jahr fast alles wie in jedem Jahr – verlässliche Kollektionen, manche Hingucker, viel gegenseitige Versicherung und ein leicht positiver Trend bei der Nachfrage und den Umsätzen. Das Geschäft läuft also gut, die Zahlen sind stabil und die Tendenz aufsteigend.