Hermann Thole ist seit Juni 2017 als Beirat des Vorstandes für die Messe Interbride tätig. Zuvor führte der Vater zweier Kinder 30 Jahre lang selbst eines der größten Fachgeschäfte für Brautmoden in Cloppenburg.

Als in Deutschland führende B2B-Messe für Brautmoden gilt die Interbride. Childhood Business fragte Hermann Thole, was er von den Ambitionen der Supreme Celebration hält, Brautmode und festive Kiko zu ver­mählen. Dazu hat Thole eine klare Meinung.

Childhood Business: Brautmodenfachgeschäfte führen oft auch Blumenkinder- und Kommunionsbekleidung. Liegt es bei dieser Überschneidung nicht nahe, die Interbride zu einem Hotspot für beide Segmente zu entwickeln?

Hermann Thole: Wir beobachten, dass ein royales Hochzeitsevent wie jüngst in England den Markt inspiriert. Auch Trends aus Amerika schwappen zu uns nach Europa herüber und sorgen im Fachhandel für eine erhöhte Nachfrage. Blumenkinderkleider sind ein traditionelles Thema, erleben aber dadurch auch eine neue Renaissance. Naturgemäß sind diese im Brautmoden-Fachgeschäft zu platzieren, wo sie reinpassen und herkommen. Die Interbride gibt diesem Segment in jedem Fall eine angemessene Bühne.

CB: Die Szene festiver Veranstaltungen schrumpft und es gibt in Deutschland noch die drei Festiv­messen in Wallau, München und Neuss. Könnten Sie sich vorstellen, dass die Interbride in Zukunft auch in diesem Segment zur zentralen Plattform wird? 

HT: Die Interbride kann ein starkes internationales Markenportfolio aufweisen, was natürlich Einkäufer aus ganz Europa auf die Messe lotst. Die Tatsache, dass die Interbride ein solches Käuferportfolio generiert, macht das Umfeld natürlich auch für Anbieter festiver Mode aus dem KIKO-Bereich interessant. Im Rahmen der Globalisierung konzentrieren sich die Märkte. Das beträchtliche Volumen an internationalen Käufern zieht auch automatisch ein internationales Markenportfolio nach sich. Ich beobachte, dass die Fachwelt ihren Fokus auf die Hotspots stellt, die Eins-zu-eins ihre Erwartungen erfüllen. Da bleibt kein Raum für Nebenschauplätze. 

CB: Die Supreme Celebration strebt danach, künftig ein größeres Festivpaket anzubieten. Wie schätzen Sie dieses Ansinnen ein? 

HT: Das ist wie die Frage „Was war zuerst da – das Huhn oder das Ei?“. Die Interbride versteht sich als Ordermesse und hat sich daher bewusst am Ende der Braut­moden­saison positioniert. Nachdem die Käufer sich auf den europäischen Brautmessen informiert haben, kommen sie zur Interbride zur abschließenden Order. Ein Ordertermin der Brautmode, der wie die Supreme Celebration nach der Interbride stattfindet, ist meiner Meinung nach sehr fragwürdig und berücksichtigt nicht das aktuelle Marktgeschehen. 

CB: Kann die Interbride internationale Kollektionsimpulse für die festive KIKO liefern und internationalen Marken beim Einstieg in Deutschland helfen?

HT: Durch das Nachfragevolumen, welches die Interbride mit ihren rund 5.000 Besuchern generiert, entsteht eine Sogwirkung, welche auch internationale Labels aus dem Bereich der festlichen Kindermode nutzen können. Auch für die Einkäufer-Community wäre ein größeres Angebot internationaler Marken aus diesem Segment sinnvoll, denn die Nachfragekapazität wird auf diesem Gebiet weiter wachsen.

CB: Aber liegt die Interbride Anfang Mai für die festive KIKO nicht zu früh?

HT: Eigentlich findet die Messe für den Kindermodebereich zu früh statt. Das war aber auch bei der DOB-Evening-Wear der Fall. Hier hatte die Industrie reagiert. Das hohe Käuferpotenzial war einer der Gründe, weswegen rund 40 Teilnehmer ihre Kollektionen früher fertiggestellt hatten, um sich die Chance des internationalen Käuferspektrums auf der Interbride nicht entgehen zu lassen. Viele Anbieter feiern nunmehr ihre Kollektionspremiere auf der Interbride. Wir haben von den Ausstellern erfahren, dass das vom Handel sehr dankbar angenommen wurde. Warum also sollte eine um wenige Wochen früher fertiggestellte festive KIKO-Kollektion nicht ebenfalls von einer Interbride profitieren? Rund ein Dutzend Anbieter aus dem Segment sind bei uns ja bereits zu Gast.