Aus der neuen Jottum-Kollektion nach der Übernahme

Childhood Business: Sie haben als ehemalige Produktionsagentur die Marke Jottum übernommen, als der Eigentümer New Fashion Kids pleiteging. Wie kam es dazu?

Elly Hennessy: Wir sind 1997 zunächst als Produktionsagentur in Bulgarien gestartet, haben uns mit der Finanzkrise weiterentwickelt und uns von da an auf komplette Produkte konzentriert. 2012 wurde Jottum unser erster Kidswear-Kunde. Die Marke wechselte zu New Fashion Kids (NFK) und wir realisierten, wie lebenswichtig für eine Marke eine sorgsame Pflege und passionierte Zuwendung sind. Diese Phase wurde schwierig, da die Bestellmengen durch NFK immer kleiner wurden und der Marktanteil in zuvor starken Märkten immer weiter zurückging. Wir haben zwar nur Teile der Kollektion hergestellt, aber dennoch realisierten wir, dass die Marke nicht die nötige Aufmerksamkeit in der NFK-Gruppe erhielt. 

CB: Und dann kam die Insolvenz.

EH: Ich bin Jottum sehr zugetan und versuchte die Marke zu stützen, wo es ging. Das führte vor nahezu genau einem Jahr dazu, dass wir gerade die Pre-Summer-2018-Kollektion und Teile der SS-18-Kollektion hergestellt hatten. Auch die komplette AW-17-Produktion stand zur Auslieferung bereit. Da wurde klar, dass die Brand nicht weitermachen konnte, es sei denn, wir würden das übernehmen.

In tatsächlich nur 48 Stunden mussten wir uns entscheiden – und taten das auch. Mein Mann und ich sprachen den Inhaber der Marke Jottum an und setzten uns nur Tage später zusammen, um eine Kaufvereinbarung auszuhandeln. Zur gleichen Zeit wurde NFK aber insolvent. Und plötzlich mussten wir mit dem Insolvenzverwalter gleich zwei Themen stemmen: Zum einen ging es darum, dass die unbezahlte Produktion noch uns gehörte. Und zum anderen wollten wir das Orderbuch und zwei Mitarbeiter übernehmen, um Jottum weiterführen zu können. 

CB: Sicher läuft so eine unverhoffte Übernahme nicht ohne Komplikationen ab. 

EH: Rückblickend würden wir heute viele Dinge anders machen, da wir die Insolvenzprozesse bei NFK unterschätzt haben. Die dauerten Monate statt Wochen und haben das Geschäft nach dem Neustart beeinträchtigt. Wir lieferten zu spät aus und hatten auch keinen Zugriff auf die PS19-Ordern. Das hat viele Langzeitkunden tangiert und zu Umsatzeinbußen geführt.

Wir haben aber inzwischen hinter den Kulissen vieles verbessern und neu aufsetzen können. Und wir glauben, dass wir unsere Kunden mit Jottum ab der kommenden Saison wieder viel besser bedienen können.