Das Ende der Bubble London:
In den letzten zehn Jahren hat die Messe gute Zeiten erlebt. Zuletzt aber kehrten ihr immer mehr Aussteller und Besucher den Rücken.

Über der britischen Wirtschaft hängt mit dem nahenden Brexit ein Damoklesschwert. Doch schon jetzt zeitigt die wirtschaftliche Entwicklung das Aus der Bubble London.

Die bisherige Leitmesse für den britischen Markt, die Bubble London, wurde nach über zehn Jahren eingestellt. Der Termin im Juli 2018 findet nicht mehr statt. Dabei waren die Mitarbeiter wenige Tage vor der Pressemeldung noch aktiv, um Aussteller und Partner für die gemeinsam mit der National Childrenswear Association (NCWA) ausgerichtete Messe zu gewinnen. Zwar kündigte die NCWA, was hiesigen Textilverbänden zum Vorbild dienen sollte, tatkräftig an, eine neue Veranstaltung am gleichen Ort im gleichen Turnus auf die Beine stellen zu wollen. Allein: In der kurzen Zeit gelang es nicht mehr, die neue The Childrenswear Show zu organisieren. Nun hofft die NCWA auf Anfang 2019. 

Als Grund für die Einstellung wurden die Veränderungen in der Kinderbekleidungsindustrie und die Probleme in der englischen Handelslandschaft benannt. In einem Gespräch vom Anfang des Jahres 2018 schilderte Lindsay Hoyes, die ehemalige Event-Direktorin der Bubble London, dass die Anzahl der relevanten Händler deutlich gesunken sei und sich im Vergleich zu Deutschland auf einem viel niedrigeren Niveau befinde.

Wie kritisch die Lage bereits in den letzten Jahren gewesen sein muss, lässt sich aus dem unentspannten Umgang mit der viel kleineren Konkurrenz Dot to Dot London ableiten. Nicht nur die Messeleitung reagierte gereizt und bat auch unsere Redaktion mit Nachdruck (vergeblich!), bei einer Berichterstattung zur Bubble London die Dot to Dot London tunlichst nicht zu erwähnen. Auch das Magazin CWB erwähnte die von der Playtime Paris inspirierte Off-Veranstaltung nie. Doch es half alles nichts: Die große Bubble London ist am Ende und die kleine Dot to Dot London flattert weiter.

Aussteller der letzten zwei Veranstaltungen beklagten ihrerseits sehr hohe Kosten und viel zu wenige Besucher.


Nachgefragt bei: Carly Gledhill, Co-Direktorin, Dot to Dot London

Childhood Business: Hat Sie das Aus der Bubble überrascht?

Carly Gledhill: Die Nachricht war für uns eine große Überraschung. Zwar war uns bekannt, dass die Zahlen der Messe in den letzten Saisons zurückgingen. Wir selbst zielen ja auf andere Brands als die Bubble. Aber wir dachten, dass sie das durch die Anziehungskraft als größere und etabliertere Veranstaltung aushalten würde.

CB: Wie hat sich Ihr Markt denn verändert?

CG: Viele britische Einkäufer reisen inzwischen zur Playtime Paris und brauchen die gleichen Marken nicht noch einmal in London zu sehen. Auch die Pitti Bimbo ist ein äußerst wichtiger Termin geworden. Vermutlich erledigen viele Einkäufer, die reisen können, ihre Ordern im Ausland, selbst wenn sie britische Brands kaufen. 

CB: Glauben Sie an eine neue große Messe?

CG: Die Marken leiden, die Einkäufer auch. Es scheint, als sei derzeit jeder am Kämpfen und als suchte man neue Wege, um zu überleben. Es fehlt an Konsistenz und Vertrauen. Ich denke, es wird keine neue Großmesse mehr geben. 

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