Schrittweise immer größer:
In mehreren Etappen wuchs Helden-Tragen – und verfügt jetzt endlich auch über eigene Parkplätze.

Vom Zuspruch der Kunden waren Tatjana und André Heldele selbst ein wenig überrascht. Und mit der Nachfrage wuchs das Geschäft. Jüngst bezogen sie mit Helden-Tragen ihr neustes Domizil in Augsburg.

Das Glück ist dem Tüchtigen hold. Und so wächst und gedeiht das Babyfachgeschäft Helden-Tragen der Familie Heldele, das aus dem Wohnzimmer in Augsburg heraus entstand. Vor Kurzem vergrößerten die Heldeles sich mit dem Umzug in die Sterzinger Straße 12 zum dritten Mal auf nunmehr 333 Quadratmeter, wo sie drei Angestellte beschäftigen. Was als Online-Shop begann, wächst heute stärker stationär. Beratung, so die Heldeles, mache den Unterschied. Und wenn sie diese mit einer Gebühr belegten, um sich gegen Rabattaktionen allzu aggressiver Hersteller zu wehren, die den Druck zum Beratungsklau  erhöhten, störe das die Stammkundschaft nicht. Childhood Business sprach mit André Heldele.

Childhood Business: Wie entstand die Idee, ein eigenes Geschäft zu eröffnen?  

André Heldele: Zum Tragen an und für sich kamen wir durch unsere erste Tochter, die Ende 2012 zur Welt kam. Sie war das, was man umgangssprachlich ein „Schreibaby“ nennt. Das Tragen rettete uns in ihrem ersten Lebensjahr. Die Erfahrung, die wir mit Tragetüchern und Tragehilfen machten, brachte meine Frau dazu, sich neu zu orientieren. Als Kangatrainerin und Trageberaterin machte sie sich während ihrer Elternzeit selbstständig. Als ich die Nachfrage wahrnahm und feststellte, dass es damals noch keinen großen Online-Shop oder Trageladen gab, sah auch ich meine Chance, den Traum von der Selbstständigkeit zu verwirklichen.

Stoffwindeln, die wir heute auch führen, sind ein Randsegment in unserem Angebot, angestoßen durch den Wunsch unserer Kunden und durch die eigene Überzeugung. Bisher ist die Auswahl klein, aber fein und steuert rund zehn Prozent des Umsatzes bei. Das Segment Autositze, besonders das rückwärtsgerichtete Autofahren, erwuchs ebenfalls aus dem Eigenbedarf und dem Mangel an Fachgeschäften vor Ort. Als Partner der Kindersitzprofis genießen wir den Vorteil einer Einkaufs- und Werbegemeinschaft. Die Bereiche Tragen und Kindersitze schlagen sich zu gleichen Teilen im restlichen Umsatz nieder.

2014 begann Tatjana Heldele Tragehilfen zu verkaufen. Ihr Ehemann André zog mit einem Online-Shop aus dem heimischen Wohnzimmer heraus nach und eröffnete wenig später einen Laden von 40 Quadratmetern. Kein Jahr später vergrößerten sie sich erst auf 120 und in 2018 auf 333 Quadratmeter.

CB: Und das Geschäft brummt, sodass Sie erneut umziehen mussten?

AH: Wir haben unseren vorhandenen Platz immer bis in die letzte Ecke ausgereizt. Am Ende gar so weit, dass die Warenpräsentation darunter litt. Ein Standortwechsel war schon viel früher angedacht, scheiterte jedoch an den verfügbaren Objekten. Der aktuelle Umzug war wegen der Parksituation in der Innenstadt unbedingt nötig. Eine Kindersitzberatung ohne Parkplatz vor der Tür war lange ein Problem.

CB: Wie erleben Sie die Entwicklung der Kundenfrequenz in Ihrem Ladengeschäft? 

AH: Viele unserer Kunden besuchen uns im Laufe der ersten Lebensjahre ihres Kindes mehrfach. Angebote wie Workshops und die kostenlose Überprüfung der bei uns erworbenen Tragehilfen beim wachsenden Kind sind ausschlaggebend. Auch bei unabhängigen Trageberaterinnen und Hebammen vor Ort haben wir uns einen guten Ruf erarbeitet. 

CB: Wie verhält sich das Online- Geschäft zum stationären Handel?

AH: Durch die steigende Anzahl der Online-Shops und auch durch die verbesserte Shoppräsenz der Hersteller bleibt der digitale Umsatz relativ konstant. Dafür nimmt der Umsatz im Laden zu. Interessant sind die regionalen Präferenzen. So senden wir nach Frankreich zu 99 Prozent nur Produkte eines einzelnen Herstellers. Auch werden Tragetücher aus dem Hochpreissegment häufiger online bestellt. Im Geschäft spielt häufiger der Preis eine Rolle.

CB: Wie passen Sie auf der neuen, größeren Fläche Ihr Sortiment an?

AH: Wir überarbeiten ständig unser Sortiment unter Berücksichtigung der Nachfrage, Verfügbarkeit und Kommunikation. Im Tragebereich beobachten wir Trends zugunsten gewisser Marken, die häufig über soziale Medien ausgelöst werden. Außerhalb der virtuellen Welt ist es häufig so, dass viele unserer Hersteller bei Kunden kaum bekannt sind. Es handelt sich ja vielfach um sehr kleine Unternehmen mit nur wenigen Angestellten, die mit einer Auftragsnäherei zusammenarbeiten. Das Werbebudget dieser Marken ist natürlich gering, auch wenn die Produkte moderner, frischer und oftmals durchdachter sind als die der namhaften Flaggschiffe.

CB: Es gibt im Bereich der Tragehilfen viele unterschiedliche Meinungen zu Marken und Tragetechniken. Was sind die häufigsten Fragen?

AH: Wir halten uns hier eng an die medizinischen Aspekte des Tragens, die uns schon während unserer Ausbildung zu Trageberatern bei Didymos vermittelt wurden. Eine der häufigsten Fragen ist, ob das Baby mit Blick nach vorn getragen werden kann. Da die Trageposition in der Regel nicht der Anhock-Spreiz-Haltung mit altersgerecht gerundetem Rücken entspricht und Babys zudem mangels selektiver Wahrnehmung eine Reizüberflutung erfahren, können wir diese Trageweise nicht empfehlen. Wichtig ist, den Blick auf die Individualität des Tragens zu lenken. Bei Wanderschuhen schlüpft man ja auch in verschiedene Modelle und läuft beim Anprobieren durch den Schuhladen, um Blasen und Druckstellen zu vermeiden. Gleiches sollte auch für die individuell beste Tragelösung gelten. Die häufigste Beratung für eine Tragehilfe ist die für ein sechs bis acht Wochen altes Baby. Hier stehen uns rund 15 Varianten zur Verfügung. Der Körperbau von Baby und Träger, die persönlichen Vorlieben und das individuelle Trageempfinden grenzen das Feld schnell auf unter fünf ein. Am Ende kristallisieren sich ein bis zwei Modelle heraus. 

CB: Sind die Kunden heute schon vorab vermehrt gut informiert? 

AH: Es gibt bei uns zwei Typen von Kunden. Entweder sie kommen zu uns als erstem Ansprechpartner oder sie haben sich im Vorfeld schon sehr ausgiebig informiert. Typisch ist, dass nach dem Testen häufig eine andere als die zuvor favorisierte Tragelösung gewählt wird. Neben einer ausführlichen Trageberatung mit Termin ist der Tragehilfenvergleich unser tägliches Brot. Durch den „Faktor Baby“ kann die Beratung mit Still-, Fläschchen- und/oder  Wickelpausen länger dauern als gedacht.

CB: Sie bieten ja die Beratung gegen ein Entgelt an. Wie kam es dazu?

AH: Einige Hersteller haben sich entschlossen, ihre Produkte auf großen Internetplattformen mit bis zu 50 Prozent Rabatt zu verkaufen. Während solcher Aktionen kommen dann täglich mehrere Kunden herein, die genau diese Artikel testen möchten und sich dann mit einem „Das überlege ich mir noch“ verabschieden. Dies war für uns einfach nicht tragbar und so entschlossen wir uns, eine Beratungsgebühr von zehn Euro zu erheben, die wir beim Kauf verrechnen. Dies ist für 99 Prozent der Kunden  kein Problem.

CB: Gibt es besondere Services, die Sie Ihren Kunden bieten?

AH: Wir heben uns vor allem durch unsere persönliche Erfahrung und den täglichen Gebrauch unserer Produkte ab. Wir besitzen bis heute keinen Kinderwagen oder Buggy, wir nutzen Stoffwindeln und haben einen Reboarder im Auto. Wir kennen also das, was wir verkaufen, nicht nur vom Datenblatt, sondern aus dem eigenen Alltag. So können wir jedem Kunden Tipps aus dem wirklichen Leben mitgeben. Außerdem sind wir fast rund um die Uhr erreichbar.

CB: Abschließend noch eine Frage: Welche Messen besuchen Sie, um sich über Trends, neue Produkte und fürs Ordern auf dem Laufenden zu halten? 

AH: Wir pflegen einen engen Kontakt zu den Herstellern, von denen wir immer wieder Prototypen und Testtragen bekommen, um unser Urteil und Verbesserungsvorschläge zu erfragen. Außerdem beobachten wir Trends in den sozialen Medien. Natürlich besuchen wir auch die Kölner Kind + Jugend. Und zusätzlich besuchen wir Fortbildungen von Trageschulen und vom Tragenetzwerk e. V. 

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