Sneaker ver­drän­gen klassische Halbschuhe

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Auch im Sommer 2018 standen Sneaker und sportive Looks bei Kinderschuhen ganz klar im Fokus. Und so richten immer mehr Marken auch jenseits der klassischen Sportschuh­anbieter ihre Programme entsprechend aus. In den 1980er Jahren wurde der Begriff der „Turnschuhgeneration“ geprägt, eine etwas abschätzig gemeinte Bezeichnung für Jugendliche, für die das Tragen von Turnschuhen Teil einer ungezwungenen Lebenseinstellung war. Doch heute sind es die Kinder eben dieser Generation, die den Sneaker immer mehr als Standardschuh tragen, sobald sich die Grundschule dem Ende zuneigt.

Nicht nur die Akzeptanz hat sich seit damals gewandelt. Was einst zur subversiven Absetzung von den elterlichen Einstellungen gereichte, wird heutzutage von diesen an ihre Kinder nahezu herangetragen. Mit Marken, die den Eltern zusagen, werden Kleinkinder bereits mit Minime-Schuhversionen versorgt. Was damals durch eine Umwidmung von Sportschuhen für den Alltagsgebrauch ausreichte, um ein Statement zu setzen, ist inzwischen zu einer voll ausgereiften und den Konsumenten aufs vielfältigste umwerbenden Modeindustrie geworden. Der zum Sneaker mutierte, noch sportlich anmutende und gern auch besondere Funktionen versprechende Durchschnittsschuh wird nunmehr von Jung wie Alt getragen. Nicht die Teenager wollen sich im Rahmen ihrer Identitätssuche von den Eltern absetzen. Es sind vielmehr die Eltern, die in dem postmodernen Jugendwahn die Insignien der eigenen Kinder für sich entdecken. Immer mehr 50-Jährige stecken daher in sportiv designten Schuhen, saloppen T-Shirts sowie keck postulierenden Motto-Styles – und hoffen insgeheim, dass ihre eigenen Kinder und deren Freunde sie möglichst lange als Gleichgesinnte akzeptieren.

Von daher nimmt es nicht Wunder, dass der Sneaker-Trend von den Konsumenten breit angenommen wird. Athleisure, Streetwear und lässige Outfits ergänzen die Bons, ohne dass ihnen ein Hauch von subkulturellen Besonderheiten einer neuer Generation anhängt. Das Gute daran ist, dass sich die hohe Begehrlichkeit von Sneakern durch Hersteller und Händler hervorragend monetarisieren lässt. Wer seine Sortimente entsprechend ausrichtet, die Warenpräsentation modernisiert und im besten Fall auch noch den Zugang zu den örtlichen Jungen und Jugendlichen ausbaut, der kann ein wichtiger Supply-Hub in seiner Hood werden. Go for it, Bro! 

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