Hier shoppt man gern: In Berlin bot sich im Sommer 2018 mit den „Kinderschuh Ordertagen“ die interessanteste Orderkulisse.
Hier shoppt man gern: In Berlin bot sich im Sommer 2018 mit den „Kinderschuh Ordertagen“ die interessanteste Orderkulisse.

Es gibt genügend Orderevents für Kinderschuhe, aber noch viel mehr Marken. Allein eine zentrale Plattform fehlt.

Der Markt der Kinderschuhe jenseits der Sportschuhe ist zwiegespalten. Auf der einen Seite stehen die namhaften Anbieter wie Elefanten, Froddo, Kangaroos, Kavat, Lurchi, Naturino, Ricosta, Richter und Superfit, die meist schon seit vielen Jahren am Markt etabliert sind und von den großen Verbundgruppen an ihre Mitglieder vertrieben werden. Addiert man deren Marktvolumina, bleibt kaum Raum für weitere Anbieter.

Auf der anderen Seite tummeln sich aber insgesamt rund 650 Kinderschuhmarken auf den wichtigsten europäischen Messen. Die meisten Anbieter sind auf den etablierten Schuhmessen allerdings gar nicht anzutreffen. Und das, obwohl sich Veranstalter wie die Gallery Shoes in Düsseldorf durchaus mit viel Engagement um das Segment bemühen, während Veranstaltungen wie die Expo Riva oder die Micam in Mailand kaum noch den Besuch lohnen, sofern man lediglich eine Kinderschuhabteilung zu bestücken  hat.  

Auch die Kind + Jugend kam auf zuletzt knapp 40 Aussteller im Schuhbereich, darunter acht deutsche Aussteller und Marken wie Anna und Paul, Emel, Hobea, Nens, Inch Blue, Rose et Chocolat, Pololo, Small Rags, Elemental, Infinity und Fixoni.

Der Großteil der zahlreichen kleineren Anbieter findet sich auf Messen und Ordertagen für Kindermode. Die Pitti Bimbo und Playtime Paris bieten erstaunlich starke Segmente. Und auch deutsche Ordertage für Kinderbekleidung präsentieren ebenfalls Schuhmarken für die Kleinen. Dabei scheinen für Aussteller bei der Wahl der Plattform nicht allein die Messepreise eine Rolle zu spielen, sondern es geht mehr noch um die Offenheit der Einkäufer für Marken abseits der Klassiker und Volumengaranten.

Vielleicht starten neue Marken deshalb viel häufiger im Textilumfeld, als dass sich Schuhmessen für „New Labels“ zu eignen scheinen. Dabei wäre es ein Segen, wenn sich eine Messe wie die Gallery Shoes über das Angebot von 80 bis 100 Marken hinausentwickelte und im Kinderschuhbereich auch den Großteil des kleinteiligen Angebots abbilden könnte. Vor dem Hintergrund des Einkaufsverhaltens der Branche ist das allerdings keine leichte Aufgabe. 

Ebenfalls auf die wichtigsten Marken und Agenturen ausgerichtet sind die 2018 gestarteten „Kinderschuh Ordertage“ von Thomas Wetzlar. Zunächst der eingestellten Cookies in Berlin zugetan, ergriff er selbst die Initiative, um durch regionale Events näher an die Einkäufer heranzurücken. Im Sommer 2018 fanden vier Veranstaltungen statt, immer sonntags und montags, die Anfang 2019 auf sieben anwachsen werden. Nicht alle Termine waren  gleich gut besucht, aber ungünstige terminliche Überschneidungen wie mit der Quartershoestart in Schkeuditz lassen sich noch ausmerzen. Wetzlar verriet uns Näheres über die weitere Entwicklung der Reihe. 


 

Thomas Wetzlar ist nicht nur das Gesicht der Marke Naturino in Deutschland, sondern hat auch in 2018 als Veranstalter die „Kinderschuh Ordertage“ ins Leben gerufen. Inzwischen hat er die Schuhagentur von Vera Cerulla zur organisatorischen Unterstützung eingebunden.
Thomas Wetzlar ist nicht nur das Gesicht der Marke Naturino in Deutschland, sondern hat auch in 2018 als Veranstalter die „Kinderschuh Ordertage“ ins Leben gerufen. Inzwischen hat er die Schuhagentur von Vera Cerulla zur organisatorischen Unterstützung eingebunden.

Childhood Business: Sie weiteten die „Kinderschuh Ordertage“ auf vier Veranstaltungen aus. Wie sind die Termine gelaufen?

Thomas Wetzlar: Wir haben eine sehr erfolgreiche Roadshow-Premiere erlebt und es war spannend zu sehen, wie schnell sich aus einer Idee ein relevanter Bestandteil der Saisonorder für Kinderschuhe entwickelt hat. Insgesamt sind wir mit der Entwicklung unserer Veranstaltungsreihe sehr zufrieden und viele unserer Aussteller haben sehr erfolgreich mit der neuen Plattform gearbeitet. Abseits der fest vereinbarten Ordertermine der Aussteller haben aber auch wir eine gewisse Zurückhaltung bei den Einzelhändlern zum Saisonstart wahrgenommen. Zwar haben auch die Sommerferien und die hochsommerlichen Temperaturen dazu beigetragen, dass manche lieber im Garten verbracht haben, als in die Ordervorbereitung einzusteigen. Dennoch stellt sich die Frage, wie solche Einzelhändler Endverbraucher in dem herausfordernden Wettbewerbsumfeld noch von ihrer Relevanz überzeugen und neue Kaufimpulse setzen wollen, wenn sie sich nicht einmal informieren. Die großen Online-Shops hingegen waren alle da, teils mit mehreren Teams. Der Erfolg vieler diversifizierter einkaufender Einzelhändler unterstreicht, wie wichtig gerade in solch einem Wettbewerbsumfeld der Blick über den eigenen Tellerrand ist. 

CB: Welche Trends, Themen, aber auch Herausforderungen für Handel und Industrie waren im Sommer 2018 besonders ausgeprägt?

TW: Mich hat die enorme Vielfalt in den Kollektionen überzeugt. Waren diese in der Vergangenheit oft durch eine gewisse Gleichförmigkeit gekennzeichnet und wurde die Auseinandersetzung mit Wettbewerbern in erster Linie über Kalkulationsaufschläge und Verkaufspreise geführt, lässt sich nun eine zunehmende Individualisierung erkennen, die die Eigenständigkeit der einzelnen Marken hervorhebt und echte Abgrenzungspotenziale bietet. So, wie sich auch jeder Einzelhändler durch seine individuellen Sortimente und Services von seinen Wettbewerbern abheben muss, arbeitet auch die Industrie an diesen Themen. Das finde ich sehr spannend!

CB: Sehen Sie einen Bedarf für weitere Marken oder ist der Handel mit dem bestehenden Angebot ausreichend ausgestattet?

TW: Die Resonanz auf die „Kinderschuh Ordertage“ war aus meiner Sicht überragend – aus dem Einzelhandel, aus der Industrie und auch von der Agenturseite. Es sprachen mich laufend Interessenten an, um Anfang 2019 dabei zu sein. Einige sandten gleich Anmeldungen, obwohl wir am Ende des Sommers noch gar keine genauen Daten und Preise nennen konnten. Ich freue mich wirklich sehr, wie groß die Begeisterung für unsere junge Veranstaltungsreihe ist. Im Sommer-Set­up waren wir allerdings praktisch an unserer Kapazitätsgrenze angelangt. Mit dem Anspruch, die „Kinderschuh Ordertage“ zur wichtigsten und relevantesten Plattform für Kinderschuhe weiterzuentwickeln, werden wir aber sicherstellen, allen Interessenten eine Teilnahme zu ermöglichen. Man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben.

CB: Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus? Bleibt der etwas sperrige Name bestehen?

TW: Es sind weitere Städte hinzugekommen. Nachdem wir in Berlin, Breitscheid, Hamburg und München waren, werden wir in der kommenden Saison auch in den Großraum Stuttgart gehen. Auch gibt es ein Interesse an einer Veranstaltung in Frankfurt am Main, die wir zusammen mit der Kids Now ausrichten wollten, für die wir nach deren Absage Anfang Dezember nun kurzfristig noch einen neuen Veranstaltungsort suchen werden. Außerdem wollen wir das Format nach und nach auch internationalisieren: Kopenhagen, Utrecht, Zürich und Wien sind nach den ersten Abstimmungen mit den Ausstellern im Gespräch.

Die „Kinderschuh Ordertage“ können auf acht bis neun Standorte in bis zu fünf Ländern wachsen. Im Moment planen wir zumindest schon einmal Zürich. In diesem Zusammenhang diskutieren wir auch noch einmal den Namen. Ich bin weiterhin der Auffassung, dass ein Name, der den Charakter eines Events widerspiegelt, für alle Beteiligten einen Mehrwert stiftet. Dennoch werden wir uns nun bei einer Flasche Wein einen etwas griffigeren, international tauglichen Namen überlegen.

CB: Gibt es noch Stellschrauben, an die Sie künftig ran müssen?

TW: Ein wiederkehrendes Thema waren die Öffnungszeiten. Wir haben bei den zurückliegenden Ausgaben diesbezüglich experimentiert und es hat sich nun gezeigt, dass Kernöffnungszeiten von 9 bis 18 Uhr am Sonntag und 9 bis 17 Uhr am Montag richtig sind. Wichtig ist nun herauszufinden, welche Veranstaltungen wir parallel durchführen können. Die künftig neun Termine können aufgrund der begrenzten Saisonlänge nicht durchweg hintereinander stattfinden. Viele Aussteller betreuen großflächige Gebiete.

Von daher gilt es, viele Interessen zu berücksichtigen und ein ausgewogenes Angebot zu machen. In diesem Zusammenhang ist es wirklich toll zu sehen, wie rasch wir von einem vergleichsweise anonymen Wettbewerber zu einer schlagkräftigen, gut vernetzten Truppe zusammengewachsen sind. Es gibt natürlich auch abseits der Veranstaltungen einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch der Kollegen untereinander, von dem alle profitieren. Alle eint die Auffassung, dass wir mit gemeinsamen Veranstaltungen für unsere Kunden echte Vorteile schaffen. Wir dürfen nicht allein vom Einzelhandel erwarten, die Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, sondern müssen auch selbst mit gutem Beispiel vorangehen. 

 

Hinweis: Inzwischen ist der Katalog der Kinderschuh Ordertage erschienen, der sämtliche Marken, Aussteller, Locations beinhaltet und zu vielen Marken kleine redaktionelle Previews bietet.


Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Der eben gelesene Beitrag
Immer mehr Schuhe
erschien in der gedruckten Ausgabe 11-12 / 2018 von Childhood Business vom 14.12.2018 auf Seite 92

Hier geht es zu ausgewählten Beiträgen aus der Ausgabe. Nicht alle Inhalte sind Online zu lesen. Die komplette Ausgabe können Sie im Shop hier bestellen.