Riesige Auswahl: Auf den relativ kleinen Bereich des Kindermodemarktes, der nicht durch vertikale Anbieter, Ketten und Discounter abgeschöpft wird, richten sich zahlreiche Messen.
Riesige Auswahl: Auf den relativ kleinen Bereich des Kindermodemarktes, der nicht durch vertikale Anbieter, Ketten und Discounter abgeschöpft wird, richten sich zahlreiche Messen.

Rund zehn Veranstaltungen allein im deutschsprachigen Raum und ein halbes Dutzend internationaler Termine stehen für ein umtriebiges Markenaufkommen in der Kindermode. Dabei ist die Branche heterogen und zersplittert. Zumal nur ein kleiner Teil des Branchenumsatzes wirklich zugänglich ist. 

Der Veranstaltungskalender weist zu jeder Saison zahlreiche Termine für Messen und Ordertage im Bereich der Kindermode in ganz Europa aus. Sie sind so zahlreich und gerade zum Beginn eines Jahres, anders als im Sommer, so eng getaktet, dass es selbst einem wissbegierigen und über das Maß der unmittelbaren Notwendigkeit hinaus engagierten Messebesucher unmöglich ist, sämtliche Termine wahrzunehmen. Dabei gewähren sie Einblicke in die unterschiedlichen Märkte, die jeweils eine sehenswerte Bandbreite von Marken, Stilen und Designern repräsentieren.

Wer das Glück hat, für eine Klientel zu ordern, die eine Beschaffung über den reinen Grundbedarf hinaus erlaubt, dem eröffnen sich neben zugegebenermaßen vielen Designern von Kleinstkollektionen immer wieder überraschende Möglichkeiten. Denn in Anbetracht des relativ heterogenen und nur in Ausnahmefällen hoch professionalisierten Marktes der Kinderbekleidung sind oft selbst Anbieter mit breiten Kollektionen, die auf eine Flächenbewirtschaftung, hohen Modegrad und eine gute Wirtschaftlichkeit angewiesen sind, zu stark in ihre nationalen Märkte eingebunden, als dass sie Exportchancen gezielt und mit Nachdruck verfolgen könnten.

Die Ausnahme stellen hier nur eine Handvoll Anbieter aus Spanien wie Boboli, Losan und Mayoral, einige Unternehmen aus Skandinavien und überproportional stark eine ganze Reihe von Marken aus den Niederlanden dar. Auch deutsche Hersteller sind ihrerseits nur ausnahmsweise in einem nennenswerten Umfang international aktiv. 

Unter den “Editorials“ stellt die Pitti Bimbo Sonderausflächungsstellen für bestimmte Themen aus dem Interior- und Toys-Segment vor.

Im Grunde reichen selbst die meist zwei oder drei Tage auf den großen Veranstaltungen wie der Pitti Bimbo in Florenz, der Kindermoden Nord in Hamburg, der Playtime Paris oder der Supreme Kids in München nicht aus, um eine eingehende Kollektionsschau zu betreiben und informative Gespräche auch nur mit den wichtigsten Anbietern in den jeweiligen Märkten zu führen.

Insgesamt werden im Januar und Februar 2019 rund 1.700 Marken auf den zentralen europäischen Messen und deutschen Ordertagen ausstellen. Rund 630 davon sind in Deutschland und Österreich zu sehen. Daten aus der Schweiz lagen bis Redaktionsschluss noch nicht vor. Man könnte also meinen, es bald gebe mehr Marken als Fachhändler. Aktuell sind im deutschsprachigen Raum noch immer rund 4.300 Fachgeschäfte mit Sortimenten aus Baby- und Kinderbekleidung aktiv, wobei die Zahlen klassische Kaufhäuser, nicht aber die Verkaufspunkte vertikaler Anbieter oder gar Discounter beinhalten. 

Pitti Bimbo 01 / 2019
Pitti Bimbo 01 / 2019

Dennoch ist allerorten zu spüren, dass sich die Märkte verändern. Obgleich die Geburtenraten steigen, lastet der Druck einer sich wandelnden Gegenwart auf der Branche. Die Bedeutung der Mode nimmt ab, die Ausgabebereitschaft verlagert sich in andere Produkt- und Erlebnisbereiche und zugleich ändert sich das Einkaufsverhalten der Konsumenten, wobei der Hinweis auf die „Bestellung per Internet“ nur als generelle Chiffre für ein ganzes Bündel an Einflüssen steht, das mit der Entwicklung der digitalen Technik laufend neu geschnürt wird.

Dem einzelnen kleinen Händler – und auf andere Weise selbst den großen Häusern und Ketten – hat die Digitalisierung nicht nur elektronische Konkurrenz vor die Tür geschwemmt, die eine eiskalte Preistransparenz oder zumindest einen knüppelharten Preisdruck mit sich bringt. Mehr noch haben sich die Wettbewerbsverhältnisse derart verändert, dass man nicht mehr auf Augenhöhe mit konkurrierenden Anbietern agiert. Denn spätestens mit der Finanzkrise, deren Bewältigung weltweit Unsummen Geld in die Märkte gepumpt wurden, suchen Finanzmittel Anlagemöglichkeiten, die vielfach in die Kriegskassen der digitalen Konkurrenz fließen.

Wer einen Online-Shop eröffnet, ringt nicht etwa wie früher mit Wettbewerbern aus der eigenen Branche um die besten Konzepte, Services und Sortimente. Tatsächlich sind es meist branchenfremde Anbieter, die, durch Venture Capital ausgestattet, ungleich vollere Taschen haben und auf Jahre nicht profitabel sein müssen, solange sie auf Kosten der Verdrängung und Eliminierung von Dritten wachsen. 

In diesem Umfeld gilt es, sich als Anbieter von Baby- und Kinderbekleidung zu behaupten. Vielleicht ist es dabei sogar ganz gut, dass sich der Markt in zwei große Bereiche teilt – zum einen in jenen der großen Labels, vertikalen Anbieter, Fast-Fashion-Unternehmen und immer mehr auch Discounter und Textildiscounter. Dieser vereint den Großteil des Umsatzes von einigen Milliarden Euro mit der KIKO allein in Deutschland auf sich, während sich zum anderen die kleineren und mittleren Anbieter wie Fachhändler um ihre Anteile an dem verbleibenden restlichen Marktumsatz von vermutlich gerade mal einigen Hundert Millionen Euro bemühen. Auf genau dieses Umsatzsegment zielen die meisten Messeveranstaltungen, Aussteller und Einkäufer der Branche, sodass überproportional viele Termine und Tausende von Marken auf Hunderte Einkäufer mit wenigen Tausend relevanten Verkaufsstellen treffen. 

Messegeschehen in Deutschland

Quelle: Childhood-Business-Fair-Database

Analysiert man die aktuellen Kataloge, so stellen in diesen Wochen in Deutschland und Österreich rund 325 Aussteller, Hersteller wie Handelsvertretungen, auf zehn Orderterminen aus. Sie präsentieren 625 Marken und kommen mit ihnen auf insgesamt knapp 1.200 Messe­teilnahmen. Jede Marke ist im Schnitt also gerade mal auf knapp zwei der regional ausgerichteten Veranstaltungen präsent, was ein Zeichen dafür ist, dass sich das Markenfeld breit und kleinteilig auffächert. 

Quelle: Childhood-Business-Fair-Database

Gerade einmal 25 Aussteller kommen auf fünf oder mehr Messeteilnahmen, wobei Blue Effect, Boboli, Ewers, Fiftyseven by Sanetta, Frugi, Mayoral, Steiff und Sterntaler die Spitzengruppe mit sechs oder sieben Teilnahmen bilden. Weitere 46 Marken sind auf vier, 86 auf drei und 144 auf zwei Veranstaltungen zu sehen. Mit 324 sind etwas mehr als die Hälfte aller Markenvorstellungen nur an einem von zehn Ausstellungsorten anzutreffen. 

Quelle: Childhood-Business-Fair-Database

Unter ihnen hat sich München als die stärkste Destination etabliert. Auch wenn die Markenanzahl in den letzten Jahren etwas zurückging, vereinen die Supreme Kids mit derzeit 304 Marken und das noch recht junge Satellitenevent Prisco Project Kids mit 42 Marken über die Hälfte des in Deutschland aktiven Markenpotenzials auf sich.

Als zweitstärkster Standort bewährt sich weiterhin Hamburg mit der Kindermoden Nord (247 Marken) und der Lollypop (61 Marken).

Drittstärkster Standort ist Neuss, wo es im Fashion-Center Euromoda eine große Anzahl dauerhafter Showrooms für Kindermode gibt, die mit Dritt­ausstellern zur 4-Kidz.eu 121 Marken zusammenbringen, zu denen sich noch 48 von der Step by Step im Haus Paris gesellen. Zur Step by Step muss allerdings angemerkt werden, dass sich gewisse Auflösungserscheinungen des gemeinsamen Ordertermins zeigen, da die Aussteller teilweise vom offiziellen Datum abweichende Präsenzen haben.

Vom Start weg konnte die Kids World Eschborn in den Häusern der Mode als neuer Termin im Frank­furter Raum 102 Marken aufbieten. Die zum ersten Mal ausgerichtete Veranstaltung ersetzt die Kids Now, die eingestellt wurde, damit zwar noch nicht in vollem Umfang, liegt aber quantitativ bereits gleichauf mit der Quarterkids in Schkeuditz. Deren ebenfalls 102 Marken sind allerdings durch zahlreiche Anbieter aus dem Kinderschuhbereich der gleichzeitig stattfindenden Quartershoes angereichert.

Zur JOT Juniormode nach Salzburg reisen 82 Marken an, um die Kunden in Österreich zu bedienen. Und unter den Anbietern der Innatex in Hofheim-Wallau finden sich 79 Anbieter mit einem nachhaltigen Programm für Kinder. 


Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Der eben gelesene Beitrag
Massenhaft Messen – zum Markt Anfang 2019
erschien in der gedruckten Ausgabe 01-02 / 2019 von Childhood Business vom 20.09.2018 auf Seite 18

Hier geht es zu ausgewählten Beiträgen aus der Ausgabe. Nicht alle Inhalte sind Online zu lesen. Die komplette Ausgabe können Sie im Shop hier bestellen.