Zum größten Teil betreffen Beschaffungsorder das Nachziehen von Produkten von Lieferanten, zu denen eine lange Lieferbeziehung besteht. Wer dennoch Ausschau nach Neuem oder Ungewöhnlichem sucht, wird in Köln fündig.
Zum größten Teil betreffen Beschaffungsorder das Nachziehen von Produkten von Lieferanten, zu denen eine lange Lieferbeziehung besteht. Wer dennoch Ausschau nach Neuem oder Ungewöhnlichem sucht, wird in Köln fündig.

Die Koelnmesse ist eine Macht im Bereich der Baby- und Erstausstattung. Mit der Kind + Jugend veranstaltet sie das weltweit bedeutsamste Branchenevent. Aus der Kooperation mit der China Kids Expo hat sich der zuständige Geschäftsbereichsleiter Markus Oster zurückgezogen. Dafür brummt es in Köln umso mehr.

Childhood Business: Die Messe wird im kommenden Jahr 60 Jahre alt und verzeichnet seit 2004 eine Verdopplung von Aussteller- und Besucherzahlen. Zumindest hierzulande und in vielen westeuropäischen Ländern sinkt aber die Anzahl an Fachhändlern. Wie schätzen Sie die Entwicklung der Messen in den kommenden Jahren ein?

Der Diplom-Betriebswirt Markus Oster, Vater zweier Kinder, ist bereits seit 1992 bei der Koelnmesse tätig und dort als Geschäftsbereichsleiter Messe­management unter anderem für die Ausrichtung der Kind + Jugend zuständig. Darüber hinaus verantwortet er auch die Messen Art Berlin, Art Cologne und Cologne Fine Art sowie die Didacta.
Der Diplom-Betriebswirt Markus Oster, Vater zweier Kinder, ist bereits seit 1992 bei der Koelnmesse tätig und dort als Geschäftsbereichsleiter Messe­management unter anderem für die Ausrichtung der Kind + Jugend zuständig. Darüber hinaus verantwortet er auch die Messen Art Berlin, Art Cologne und Cologne Fine Art sowie die Didacta.

Markus Oster: Mit dem Konzept der Kind + Jugend, die auf die Faktoren Internationalität, Qualität und Innovationen setzt, sind wir für die Zukunft gut gerüstet und können auch die ausstellenden Unternehmen sinnvoll unterstützen. Sowohl große als auch mittelständische und kleinere Unternehmen müssen sich ja mit ihren Handelsbeziehungen multinational aufstellen und gleichzeitig mit ihrer Produktpalette durch Qualität und anhaltende Innovationsbereitschaft profilieren. Die Kind + Jugend mit ihrem hohen Auslandsanteil auf Aussteller- wie Besucherseite bietet dazu vielfach Gelegenheit. Der Fach- sowie der Onlinehandel nutzt die Messe intensiv, um seine Produktlinien zu erweitern und zu erneuern. Ihre Funktion als international wichtigste Handelsdrehscheibe erfüllt die Kind + Jugend also sehr gut.

CB: Konnten in den letzten Jahren die Umsätze dank erfreulicher Geburtenzahlen steigen, gehen diese langfristig wieder zurück. Welche Entwicklung sehen Sie daher für die hiesige Branche voraus?

MO: Die deutsche Branche ist sehr gut aufgestellt, sowohl auf Hersteller- als auch auf Handelsseite. Mit zahlreichen Service­leistungen, individualisierten Sortimenten und vor allem ihrem hohen Qualitätsanspruch kann sie Eltern in Deutschland und anderswo auch in Zukunft abholen. Ich sehe gerade in der Innovationsbereitschaft der Hersteller einen wichtigen Schlüssel zum lang anhaltenden Erfolg.

CB: Die Kind + Jugend gilt als eine der bedeutendsten Messen der Branche weltweit. Zugleich steigt die Kaufkraft im asiatischen Raum. Können Sie sich vorstellen, dass eines Tages die chinesische Messe China Kids Expo einen höheren Stellenwert einnehmen wird als das Kölner Event?

MO: Im Hinblick auf die Qualität und Vielseitigkeit ihres Angebots ist die Kind + Jugend weltweit unerreicht. Gerade auch auf die wachsende Nachfrage im asiatischen Raum können wir mit der Kind + Jugend eine ganz ausgezeichnete Handelsplattform sowohl für Anbieter als auch für Einkäufer aus diesem wichtigen Wirtschaftsraum bieten. Wir sehen dies zum Beispiel an den Besucherzahlen aus Asien, die in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen sind. Wir haben im Übrigen vor Kurzem unsere Kooperation mit der China Kids Expo beendet.

CB: Durch die Erweiterung der Messe um Halle 4 wurde 2017 mehr Platz für Aussteller geschaffen. Wie macht sich das in konkreten Zahlen bemerkbar?

MO: Die Erweiterung um die Halle 4.1 konnte in erster Linie die Nachfrage nach Standvergrößerungen beantworten. Auch an der Struktur der Segmente konnten wir erfolgreich feilen. So wurden in allen Angebotsbereichen Flächen geschaffen, die wir auch neuen Nachfragern zuteilen konnten. Insgesamt haben wir bei den Ausstellerzahlen in den letzten zwei Jahren um etwa acht Prozent, also etwa 100 Aussteller, zugelegt, wahrlich kein schlechtes Ergebnis. 

CB: 2018 sind durch Insolvenzen und Firmenschließungen wie zum Beispiel von Kiddy und Recaro manch namhafte Unternehmen und vor allem große Aussteller verschwunden. Wie beurteilen Sie die allgemeine Wettbewerbsentwicklung im Segment der Baby- und Erstausstattung? 

MO: Wir schauen nicht nur auf die marktführenden Companys, sondern auch auf den Mittelstand und die zahlreichen, kleinen Spezialisten. Sie sehen beispielsweise in unserer neuen „Start-up-Area“, dass es überall tolle Ideen und Produkte zu entdecken gibt. Natürlich beobachten wir die Marktbewegungen genau. Der Wettbewerb in dieser Branche ist wie in anderen Branchen sehr lebendig und hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab.

CB: Immer wieder mal verabschieden sich Marken wie Alvi, Bugaboo, Concord, Kidsmill, TfK oder Silver Cross von der Messe, manche stellen an anderer Stelle zu gleicher Zeit aus oder kehren wieder zur Messe zurück. Welche Gründe sehen Sie in den Ausreißversuchen? 

MO: Die Gründe für eine Messeabwesenheit sind nach unserer Erfahrung sehr unterschiedlich und höchst unternehmensindividuell. Wir bleiben mit allen Unternehmen so gut es geht im Gespräch und freuen uns sehr, wenn wir dann auch wieder Messerückkehrer begrüßen können, so wie jetzt unter anderem Bugaboo oder Mattel. Auch Recaro ist ja wieder da. Ich denke, dass viele Faktoren für die Messe sprechen: die Internationalität, die klare B2B-Ausrichtung, das vielschichtige, auf Qualität ausgerichtete Angebot, die ausgezeichnete Besucherresonanz, auch hier auf hohem Qualitätsniveau.

CB: Sie organisieren auch weitere Formate wie die Awards, Trend- Foren und Sonderschauen. Welche Rolle spielen diese Zutaten beim konventionellen Messegeschehen?

Was viele Besucher an der Kind + Jugend schätzen, ist die Möglichkeit, neue Produkte und Konzepte zu entdecken. So suchen auch kleinere Anbieter wie Mobinov in der neuen Start-up-Area mit „Kiddy Boost“, einem nachrüstbaren E-Antrieb für Kinderwagen, ihr Publikum.
Was viele Besucher an der Kind + Jugend schätzen, ist die Möglichkeit, neue Produkte und Konzepte zu entdecken. So suchen auch kleinere Anbieter wie Mobinov in der neuen Start-up-Area mit „Kiddy Boost“, einem nachrüstbaren E-Antrieb für Kinderwagen, ihr Publikum.

MO: Das konsequent fachlich ausgerichtete Eventprogramm flankiert die wichtigen Trends auf der Messe und stellt für Aussteller wie Fachbesucher einen hohen Mehrwert dar. So können wir zum Beispiel mit dem Innovation Award die zentralen Neuheiten herausheben und anschaulich darstellen. Wichtig ist auch das Vortragsprogramm, das sehr viel Input zum Thema Handel und Marketingkommunikation bietet. Nehmen wir nur mal den Vortrag des amerikanischen Bloggers und Influencers Jamie Grayson, der dem Handel das Phänomen „Social Media“ praktisch erläutern wird. Medienpartner aus dem Ausland bieten darüber hinaus Daten und Fakten zu zahlreichen Auslandsmärkten. Das hilft sehr, diese Zielregionen besser zu verstehen und anzusprechen.

CB: In den letzten Jahren konnte gerade der Bereich „The Connected Kidsroom“ die Erwartungen nicht immer erfüllen. Im konventionellen Ausstellerfeld fanden sich vielfach überzeugendere Ansätze als auf der Sonderfläche. Könnten Sie sich vorstellen, den Bereich noch stärker zu kuratieren, um elektronische, digitale und smarte Trends noch stärker herauszuarbeiten? 

MO: Die Sonderschau „The Connected Kidsroom“ geht in diesem Jahr mit einem überarbeiteten Konzept an den Start und zeigt ein komplett mit digitalen und smarten Produkten ausgestattetes Kinderzimmer: von der App, die das Trinken des Babys überwacht, über den Tür- und Fenstersensor bis hin zu digitalen Reportsystemen, die alle Lebenszeichen des Neugeborenen darstellen. Vor Ort steht ein Experte zur Verfügung, der die Anwendungen vorführt und erläutert. Eine großartige Gelegenheit für den Handel, sich umfassend zu informieren und das eigene Sortiment zu ergänzen. Selbstverständlich werden wir das „The Connected Kidsroom“-Konzept langfristig beobachten und, wo nötig, optimieren.

CB: In diesem Jahr haben Sie erstmals eine Liste nachhaltiger Aussteller aus dem Textilbereich veröffentlicht. Die rund 30 Marken stellen einen nur kleinen Ausschnitt der Gesamtmesse dar und spiegeln nicht die Bemühungen vieler Anbieter aus anderen Produktbereichen wider. In welche Richtung soll sich die Nachhaltigkeitsinitiative über die nächsten Jahre entwickeln?

MO: Für uns war es wichtig, die Initiative zunächst einmal in einem Teilbereich zu starten, um dann für die Zukunft weitere Segmente zum Thema Nachhaltigkeit abzuholen. Wir werden das in der Zukunft sukzessiv ausbauen, in Zusammenarbeit mit unseren Partnern und den Ausstellern.

CB: Worauf freuen Sie sich in diesem Jahr am meisten? 

MO: Ich freue mich sehr, dass unsere Start-up-Area von Anfang an gut aufgenommen wurde. Ich denke, wir werden hier gute und spannende Produkte und Unternehmen kennenlernen, welche die Messe bereichern. Gespannt bin ich unter anderem auf einen französischen Aussteller, der ein Zusatzrad mit Elektromotor entwickelt hat, mit dem man jeden Kinderwagen ergänzen kann. Das ist einfach eine pfiffige Idee. 


Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Der eben gelesene Beitrag
„Die deutsche Branche ist sehr gut aufgestellt.“
erschien in der gedruckten Ausgabe 09-10 / 2019 von Childhood Business vom 19.09.2019 auf Seite 16

Hier geht es zu ausgewählten Beiträgen aus der Ausgabe. Nicht alle Inhalte sind Online zu lesen. Die komplette Ausgabe können Sie im Shop hier bestellen.