Gerade erst tauchte das Urbanwear-Label Bench als Aussteller wieder verstärkt auf den Ordertagen für Kindermode auf – darunter Teilnahmen an der JOT Juniormode, Kids Now, Kindermoden Nord oder Supreme Kids  – , werden die Einkäufer auf das Label künftig vorerst verzichten müssen. Denn das Unternehmen meldete diese Tage die Insolvenz an. Bench wurde 1989 in Großbritannien gegründet und ist vor allem dort und in Deutschland für seine Kapuzen- und Fleece-Pullis bekannt.

Das britische Unternehmen Bench Limited, das die Markenrechte an Bench hält, hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Großbritannien beantragt. Mitbetroffen ist auch die deutsche Gesellschaft von Bench in München. Bereits im März 2018 war Bruno Sälzer, der das Geschäft in Deutschland verantwortete und früher als Chef von Boss sowie Escada bekannt war, von seinem Amt des CEOs zurückgetreten.
Sälzer, der überraschend bei dem Nischenlabel Bench einstieg, obgleich er auch bei der italienischen Modeikone Benetton hätte anheuern können, hatte sich seit seinem Einstieg im April 2014 darum bemüht, das für seine Hoodies bekannte Kultlabel wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Zwischenzeitlich schienen die Ergebnisse auch vielversprechend. Gerade auch der Kinder- und Jugendbereich hatte nach Aussagen des Unternehmens in den letzten Saisons gut performt. Hier wollte der Vertrieb durch verstärkte Messepräsenzen noch stärker wachsen. Doch die Neuausrichtung half offensichtlich nicht, die Probleme im Heimatmarkt Großbritannien zu lösen, der für rund die Hälfte seines Umsatzes steht.
Zum Ausstieg aus dem Amt ließ er vernehmen, dass er mit 15 Prozent am Unternehmen beteiligt bleibe und das Münchener Privat-Equity-Unternehmen Emeram Capital Partners, das die restlichen 85% hält, weiterhin beraten. gegenüber dem Magazin Capital sagte Sälzer noch kurz vor seinem Rückzug, bei Bench seien fast alle „Kinderkrankheiten“ abgestellt und das Geschäft laufe normal.

Zu den Gründen für die Insolvenz hat Barry Knight, Direktor von Bench Limited, gesagt: „Durch die Abwertung des britischen Pfunds, den starken Wettbewerb und den rückläufigen Markt in unserem Modebereich haben wir viel Gegenwind erfahren. Letztlich war es uns nicht mehr möglich, zusätzliche Liquidität für das Unternehmen aufzubringen, weder auf Eigenkapital- noch auf Fremdkapitalbasis: Daher bleibt uns leider nichts anderes übrig, als ein Insolvenzverfahren einzuleiten.” Außerdem habe das Unternehmen unter einem größeren Logistikproblem im Jahr 2016 gelitten.

Knight gab sich gewiss, dass die Marke eine Zukunft habe. Vermutlich wird über eine Übernahme bereits verhandelt. Für Angaben dazu sei laut einem Unternehmenssprecher noch zu früh. Nach einem Bericht des britischen Fachblatts Retail Gazette sollen 20 britische und 15 deutsche Geschäfte des Unternehmens zunächst weiter öffnen. Insgesamt seien rund 350 Arbeitsplätze gefährdet, die je zur Hälfte in Deutschland und Großbritannien beschäftigt sind.