Ein Doppel, kein Einzel: Während der Inhaber und Produzent Gökhan Dogruol eher im Hintergrund wirkt, ist Peter Bohlender das Gesicht von Blue Effect – ein bescheidener Tausendsassa, der selber entwirft, was er verkauft.
Ein Doppel, kein Einzel: Während der Inhaber und Produzent Gökhan Dogruol eher im Hintergrund wirkt, ist Peter Bohlender das Gesicht von Blue Effect – ein bescheidener Tausendsassa, der selber entwirft, was er verkauft.

Das Unternehmen Blue Effect wird 2019 zehn Jahre alt.
Wie Peter Bohlender und Gökhan Dogruol aus dem Nichts einen Spezialisten für Hosen (und mehr) formten.

Ansprechpartner im Vertrieb: Blue Effect setzt auf ein Netzwerk aus Vertretungen, die bereits seit vielen Jahren für das Label tätig sind. Jürgen Schindl­beck und seit einigen Jahren auch Michael Blümel für die Gebiete Bayern, Baden-Württemberg, Österreich, Schweiz und Südtirol/Italien. Stephan Weig für Norddeutschland, also Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Gerhard Wenzel für Nordrhein-Westfalen. Dietmar Werner für Ostdeutschland, also Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen sowie Sachsen-Anhalt. Und auch Peter Bohlender ist selbst im Vertrieb tätig und deckt Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland sowie alte Bestandskunden ab.
Ansprechpartner im Vertrieb: Blue Effect setzt auf ein Netzwerk aus Vertretungen, die bereits seit vielen Jahren für das Label tätig sind.
Jürgen Schindl­beck und seit einigen Jahren auch Michael Blümel für die Gebiete Bayern, Baden-Württemberg, Österreich, Schweiz und Südtirol/Italien.
Stephan Weig für Norddeutschland, also Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Gerhard Wenzel für Nordrhein-Westfalen.
Dietmar Werner für Ostdeutschland, also Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen sowie Sachsen-Anhalt.
Und auch Peter Bohlender ist selbst im Vertrieb tätig und deckt Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland sowie alte Bestandskunden ab.

Vor rund zehn Jahren muss einer der beiden Gründer des Labels Blue Effect einen guten Riecher gehabt haben. Denn eigentlich hatten Peter Bohlender und Gökhan Dogruol alles, was die Marke heute ausmacht, schon damals in deren Namen angelegt: „Blue“ steht für das Blau der Jeans, mit denen die Marke angefangen hat, und „Effect“ für den keineswegs selbstverständlichen, doch unübersehbaren faktischen Erfolgsweg des in Löchgau bei Ludwigsburg ansässigen Unternehmens.

Während manch andere Hersteller mit den Herausforderungen im Kinderbekleidungsmarkt hadern, legt Blue Effect Jahr für Jahr zu. Dass dem Erfolg eine Kette glücklicher Fügungen vorausging, er sich dem Zusammenspiel von Bohlender und Dogruol mit dem seit vielen Jahren eng angebundenen Außendienst wie auch einem feinen Gespür für bezahlbare, aber modische Designs und einer in der Türkei zuverlässig und flink zuliefernden Produktion verdankt, erlaubt es Blue Effect, sich immer stärker als Ecklieferant zu positionieren. Dabei bedient das Unternehmen inhabergeführte Fachboutiquen ebenso verlässlich wie flächenbewirtschaftete Department-Stores und Filialisten.

Die Reputation von Blue Effect ist heute so groß, dass manch Modekette langjährige, aber weniger zuverlässige Lieferanten durch den Jeanser aus Löchgau ersetzt hat.

Vom Spezialisten zum Allrounder

Dabei bietet das Unternehmen inzwischen nicht nur klassische Jeanshosen in gut verkäuflichen Preislagen, sondern seit einigen Saisons auch Oberbekleidung – von pretty über cool bis sportlich, in jedem Fall aber immer stylish und klug durchdacht in kombinierbaren Sortimenten und Linien.

Was als Antwort auf die Wünsche mancher Kunden seinen Anfang nahm, hat sich inzwischen zu einem zusätzlichen Standbein entwickelt. Denn immer häufiger heißt es „Shop the Look“. Und weil Blue Effect zu unzweifelhaft bequemen Beinkleidern in durchgängig ausgelegter Stretch-Qualität immer mehr passende und vor allem als „affordable“ kalkulierte Oberteile im Programm hat, punktet das Label auch bei vielen Einkäufern.

Vielleicht schwenkt derzeit auch so manch ehemaliger Review-for-Kids– und Review-for-Teens-Kunde auf Blue Effect ein. 

Blue Effect könnte heute auch „Colour Impact“ heißen. Das Label bietet zwar noch immer ein breites NOS-Programm an stretchigen Jeanshosen, immer mit einem Schuß Elasthan für den bequemen Sitzkomfort, doch trendige Oberteile ergänzen das Programm seit vier Jahren und sorgen für mehr Farbe.
Blue Effect könnte heute auch „Colour Impact“ heißen. Das Label bietet zwar noch immer ein breites NOS-Programm an stretchigen Jeanshosen, immer mit einem Schuß Elasthan für den bequemen Sitzkomfort, doch trendige Oberteile ergänzen das Programm seit vier Jahren und sorgen für mehr Farbe.

Durch die EDI-Anbindung des Hauses, das breite Sortiment, die Fähigkeit, auf Trends schnell zu reagieren und gegebenenfalls binnen Wochen auszuliefern, sowie das stattliche NOS-Programm haben sich Bohlender und Dogruol in jedem Fall zu einem der zuverlässigsten Fashion-Provider im KIKO-Segment entwickelt.

Und wer rechnen kann, setzt mit Blue Effect auf interessante Profite. Denn nicht nur das Hosen- und Oberbekleidungsprogramm ist attraktiv kalkuliert und übersteigt damit nicht die mainstream­i­­gen Eckpreislagen, sondern auch das gut ausgestattete NOS-Programm bietet die nötige Flexibilität, um eine Kids- und Teensfläche zu bewirtschaften, und als abschriftenfreies Basissortiment eine zuverlässige Umsatzgarantie. 


Nur wenige deutsche, in den letzten Jahren im Kinderbekleidungsbereich neu gegründete Unternehmen können auf eine vergleichbare Erfolgsgeschichte zurückschauen. Childhood Business hat mit Peter Bohlender und Gökhan Dogruol über das Phänomen Blue Effect gesprochen.

Childhood Business: Herr Dogruol, wenn Sie zurückblicken, wie haben Sie die Gründung des Unternehmens in Erinnerung? 

Gökhan Dogruol: Unser türkisches Produktionsunternehmen stammt aus dem Jahr 1930. Mein Großvater war ein Schneidermeister. Und heute ist mit meiner Tochter die vierte Generation in der Branche tätig. Wir sind stolz darauf, dass wir mit Blue Effect zehn erfolgreiche Jahre hinter uns haben. Peter Bohlender kenne ich seit etwa 25 Jahren. Deshalb funktioniert unsere Zusammenarbeit bei Blue Effect so wunderbar reibungslos.Herr Bohlender kennt den Markt und die Kunden sehr gut. Und deswegen funktionieren unsere Kollektionen gerade in Deutschland optimal. Lassen Sie daher doch am besten Herrn Bohlender über die glückliche Entwicklung des Unternehmens berichten.  

CB: Herr Bohlender, wie kam es zur Gründung von Blue Effect? 

Peter Bohlender: Nach meiner Ausbildung als technischer Zeichner landete ich bei der Firma Zöller, die damals die Marke Top Five produzierte. Das Unternehmen war vor allem für seine Kinderhosen bekannt und ich hatte das Glück, nicht nur im Vertrieb tätig zu sein, sondern auch in die Entwicklung der Kollektionen hineinschnuppern zu können. Dafür durfte ich damals in die Türkei reisen, zu unserem Produzenten Herrn Dogruol. Als das Unternehmen verkauft wurde, passten die Umstände nicht mehr für mich. Ich sprach damals Herrn Dogruol an, ob er nicht in Deutschland eine eigene Firma gründen wolle. Als Hersteller konnte er eine Kollektion vorproduzieren und da er das finanzielle Risiko allein tragen musste, war von Anfang an klar, dass Blue Effect ihm gehören sollte. Das ist bis heute so. Ich wiederum kannte den Markt und übernahm die Vermarktung. Dabei band ich von Anfang an auch ehemalige Vertriebler von Top Five mit ein – und aus dieser Startkonfiguration heraus haben wir uns die letzten zehn Jahre lang ganz ordentlich entwickelt. Im Grunde war die Notwendigkeit, meinem damaligen Arbeitgeber den Rücken zu kehren, der erste Glücksfall, der zum Erfolg der Marke Blue Effect führte. Und da Top Five sich schon bald aus dem Markt verabschiedete, konnten wir immer mehr der „alten“ Kunden für uns gewinnen. 

CB: Das klingt so, als folgte der zweite Glücksfall schon bald auf dem Fuße?

Peter Bohlender lernte als technischer Zeichner, begann aber seine berufliche Karriere als Vertriebler von Top Five bei Zöller in Klingenberg am Main. Nach 18 Jahren verließ er das Unternehmen und schlug 2009 dem ehemaligen Lieferanten Gökhan Dogruol vor, Blue Effect zu gründen – Dogruol als Finanzier und Produzent, er selbst als Designer und Vertriebler. Heute lebt und arbeitet Bohlender, Vater einer Tochter, mit seiner Frau Petra Kohfink und drei Stiefkindern in Löchgau. Kohfink unterstützt ihn beratend bei der Kollektions­erstellung.
Peter Bohlender lernte als technischer Zeichner, begann aber seine berufliche Karriere als Vertriebler von Top Five bei Zöller in Klingenberg am Main. Nach 18 Jahren verließ er das Unternehmen und schlug 2009 dem ehemaligen Lieferanten Gökhan Dogruol vor, Blue Effect zu gründen – Dogruol als Finanzier und Produzent, er selbst als Designer und Vertriebler. Heute lebt und arbeitet Bohlender, Vater einer Tochter, mit seiner Frau Petra Kohfink und drei Stiefkindern in Löchgau. Kohfink unterstützt ihn beratend bei der Kollektions­erstellung.

PB: In der Tat. Denn dass so um 2011 die Nachfrage nach Colored Jeans für Kinder boomte, müssen wir als den nächsten Glücksfall in unserer damals noch jungen Unternehmensgeschichte bezeichnen. Plötzlich wollten auch Jungen bunte Jeans in Knallrot, poppigem Blau oder Quietschgrün tragen. Und hier zahlte sich die enge Verbindung von Herrn Dogruol und mir aus, also von Design und Vertrieb mit Produktion und Auslieferung. Als Colored Denims Trend wurden, haben wir einfach ein Rundschreiben an unsere Einkäufer verfasst und kurzerhand einige Bildmuster präsentiert. Bei der damals noch kurzfristig zum Saisonende in Schkeuditz auf der MMC Kids Collections vorgestellten Muster­kollektion handelte es sich tatsächlich nur um einfache Handmuster. Das war vielleicht etwas unorthodox, doch worauf kam es im Kern an? Dass wir die Hosen fertigen und in den angesagtesten Farben anbieten konnten. In der Türkei hatten wir die Stoffe in Weiß produziert und dann je nach Auftragslage eingefärbt. Da wir einer der ganz wenigen Anbieter waren, die so schnell und kurzfristig auf die neuartige Nachfrage reagieren konnten, explodierte unser Umsatz auf das Vierfache. Da aber auch bei uns das weiße Basisdenim knapp wurde und auch in den Lohnnähereien, die unsere Zuschnitte verarbeiteten, die Nadeln heiß liefen, mussten wir in der Hochphase gar die Liefermengen zuteilen und über mehrere Termine strecken. Einer unserer Vorzüge ist, dass wir in der Türkei fertigen. Das erlaubt uns, schnell zu reagieren und jede Woche einen Lkw loszuschicken, der wenige Tage später in Deutschland ist. Das ist ein großes Plus gegenüber allen, die in Asien sourcen. 

CB: Ihre Glückssträhne hielt dann noch weiter an? 

PB: Natürlich konnten mit der Zeit auch andere Anbieter Colored Denim liefern, sodass unser Alleinstellungsmerkmal nicht mehr gegeben war. Doch im April 2013 gab nach über 50 Jahren der Kindermodeanbieter Lemmi seinen Geschäftsbetrieb auf. Die Kundschaft wurde informiert und die Vororder storniert – was uns eine weitere Sonderkonjunktur bescherte. Im Juni 2013 übernahm zwar ein Wettbewerber die Markenrechte, doch da hatten schon so manch verunsicherte Einkäufer zu uns gewechselt. So legten wir erneut beim Umsatz zu. Und ich darf anfügen, dass wir uns seit 2009 Jahr für Jahr steigern konnten. 

CB: Das Glück ist dem Tüchtigen hold, heißt es ja. Und gerade Sie sind ja mehr als ein reiner Vertriebler.

PB: Ich komme aus dem Vertrieb und bin auch heute noch auf zahlreichen Messen wie der Pitti Bimbo oder immer wieder auch auf Ordertagen wie der Supreme Kids oder der Kindermoden Nord. Doch worauf Sie abzielen, ist, dass ich der Designer unserer Kollektionen bin. In der Tat stammen die Entwürfe für Blue Effect von mir. Dabei unterstützt mich auch meine Gattin Petra Kohfink. Und ohne meine Kollegen aus dem Außendienst, mit denen ich erst neulich wieder zur Kollektionsbesprechung zusammensaß, gelänge es uns nur halb so gut, über die angesagten modischen Einschüsse zu entscheiden. Unsere Kollektion zeichnet sich durch ihre gute Passform aus, durch unser rund 40 Prozent ausmachendes NOS-Programm an Denimhosen, aber eben auch durch das vor vier Jahren ins Programm aufgenommene, nicht minder modische Oberbekleidungssortiment. Davon profitieren unsere in der Spitze rund 1.000 Kunden, von denen etwa 600 bis 700 regelmäßige Kunden aus Deutschland sind. Zudem stehen wir in den Beneluxstaaten schon ganz gut da und wollen auch in Italien, wo wir fünf Vertreter haben, stärker zulegen. In Russland sind wir über einen Distributor präsent. Außerdem spricht für uns unsere Preislage von 29,90 bis 39,90 Euro für Jeans­hosen, was uns im Größenlauf von 128 bis 176 sehr attraktiv macht. Wenn in Kürze zwei größere Filialisten unsere Kunden werden, haben Sie mit Ihrer Aussage, wir seien Glückspilze, absolut recht. 


Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Der eben gelesene Beitrag
„Von null auf hundert“
erschien in der gedruckten Ausgabe 06 / 2019 von Childhood Business vom 11.07.2019 auf Seite 4

Hier geht es zu ausgewählten Beiträgen aus der Ausgabe. Nicht alle Inhalte sind Online zu lesen. Die komplette Ausgabe können Sie im Shop hier bestellen.

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