Die von dem Naturino-Vertreter Thomas Wetzlar seit Februar 2018 zwei Mal im Jahr veranstalteten Ordertermine für Kinderschuhe, genannt „Kinderschuh Ordertage“, stehen in Konkurrenz zur „Kids Zone“ der Düsseldorfer „Gallery Shoes“. Durch regionale Veranstaltungen, deren Zahl sich nach anfänglicher Euphorie inzwischen bei fünf Events in Deutschland eingependelt hat, sollen die Ordermöglichkeiten näher am Kunden schaffen und sich komplett auf das Kids-Segment konzentrieren.

Auch durch redaktionell aufbereitete Kataloge zu einer Terminsaison, die in der inzwischen beendeten Zusammenarbeit mit Childhood Shoes entstanden, suchte sich Wetzlar vom Wettbewerb abzusetzen. Die Besuchsfrequenzen sind an den meisten Standorten eher gering, aber Wetzlar gibt die Devise „Qualität statt Quantität“ zu Protokoll. Da er in Personalunion Veranstalter wie Vertreter des italienischen Schuhherstellers Falc ist, sammelt er natürlich auch eigenen Eindrücke vom Geschehen vor Ort.

Ende November 2019 erreicht unsere Redaktion nun die Nachricht, dass die Kinderschuh Ordertage eine Schwester-Reihe an die Seite gestellt bekommen wird. Mit der „Fashion Shoes Roadshow“ will man nunmehr in den Bereich der Damen- und Herrenschuhe expandieren.

Anfang Dezember entschied man sich nunmehr, die an den gleichen Standorten wie die der Kinderschuh Ordertage zunächst separat geplanten Termine zusammenzulegen. Und auch der gerade erst gekürte Namen „Fashion Shoes Roadshow“ ist schon wieder Makulatur. Beide Events sollen künftig unter „Squares“ stattfinden.

Die erste Ankündigung begleitete ein Zitat Wetzlars: „Handel und Industrie stehen vor großen Herausforderungen. Wir begreifen es als Aufgabe, an der Lösungssuche mitzuwirken. Mit unserem 2017 vorgestellten Konzept der Kinderschuh Ordertage sind wir das Thema Messe erstmals auf neue Weise angegangen: weg von der teuren Materialschlacht, hin zu regionalen, für den Handel gut zu erreichenden Veranstaltungen in coolen Locations – verbunden mit einem bundesweit einheitlichen und vor allem bezahlbaren Auftritt. Wir sind sehr stolz darauf, dass die Kinderschuh Ordertage in Deutschland seitdem zur wichtigsten Orderveranstaltung für Kinderschuhe herangewachsen sind. Mit diesen Erfahrungen expandieren wir nun mit einer eigenen Roadshow in den Fashion-Bereich.“

Was es mit der neuen Veranstaltung auf sich hat, hatten wir bereits beim Veranstalter nachgehorcht, noch bevor diese in Bezug auf Namen und Zeiten nachjustiert wurde.

Kinderschuh Ordertage werden umbenannt – zeigen jetzt auch Schuhe für ErwachseneChildhood Business: Der Kalender für Schuhordertage ist wahrlich nicht arm an Terminen. Wieso sehen Sie Bedarf an vier weiteren Terminen?
Thomas Wetzlar: Die Fashion Shoes Roadshow richtet sich an Hersteller, Distributoren und Handelsagenturen aus dem Bereich modischer Damen- und Herrenschuhe. Es kamen jüngst immer mehr Akteure auf uns zu und regten an, unser erfolgreiches Konzept der Kinderschuh Ordertage doch auch auf deren Marktsegment zu übertragen. Diesem Ruf sind wir gefolgt.

CB: Was können Sie besser als andere Veranstalter?
TW: Es geht nicht darum, ob wir etwas besser machen – wir machen es schlicht anders. Ein Angebot wie unseres hat es am Markt so nicht gegeben. Mit einem einzigen Veranstalter und einem einheitlichen Auftritt an vielen der wichtigen Hotspots arbeiten zu können, schafft für Aussteller und Besucher Mehrwerte. Darum geht es.

CB: An welche Aussteller richten sich die neuen Fashion Shoes Ordertage? Welche Marken adressieren Sie und wer hat eventuell bereits zugesagt? Da der Early-Bird-Termin zum Zeitpunkt der Pressemeldung bereits verstrichen war, nehme ich mal an, dass es schon einen Vorlauf gab und erste Marken genannt werden können?
TW: Die neue Roadshow richtet sich an Hersteller, Distributoren und Handelsagenturen aus dem Bereich modischer Damen- und Herrenschuhe. Wir stehen im Austausch mit zahlreichen Akteuren und konnten bereits einige Anmeldungen verzeichnen. Gemessen am Startzeitpunkt war die Early-Bird-Frist allerdings arg kurz gesetzt. Wir lernen halt noch.

CB: Mit wie vielen Ausstellern rechnen Sie?
TW: Wir gehen das Thema recht hemdsärmelig an. Wir planen kurzfristig und haben darüber offen gestanden nicht nachgedacht. Wenn die richtigen fünf Marken zusammenkommen, kann das manchmal mehr bewegen, als 50 Marken, von denen viele noch nicht im Markt vertreten sind. So pauschal kann man das also nicht sagen. Wir haben schon tolle Anmeldungen erhalten. Für Prognosen ist es aber noch zu früh.

CB: Welches Klientel aus dem Handel soll angesprochen werden?
TW: Der Schuhfachhandel mit Vollsortiment kann von stärker auf Fashion und Lifestyle ausgerichteten Boutiquen und deren Einlaufsverhalten viel lernen. Umgekehrt sind viele erprobte Routinen und Erfahrungen des Fachhandels für kleinere Modevorreiter interessant. Wir würden uns freuen, das ganze Spektrum von unserer neuen Roadshow zu überzeugen.

CB: Wie stellen Sie sicher, dass Sie zahlreiche Besucher für sich gewinnen können?
TW: Am Ende sind es die Aussteller, die Aufmerksamkeit für die Veranstaltung schaffen und Termine mit ihren Kunden vereinbaren. Als Veranstalter können wir das mit allgemeinen Werbemaßnahmen unterstützen. Hierzu zählt neben Kooperationen mit Verlagen die Herausgabe eines Veranstaltungskataloges, in dem der Fachhandel alle relevanten Informationen zu unserem Messen findet.

CB: Werden neben Damen- und Herrenmarken auch Kinderschuhmarken ausgestellt werden?
TW: Wir möchten die beiden Veranstaltungen gerne thematisch von einander getrennt halten. Nach unserer Einschätzung ist die klare Ausrichtung auf individuelle Zielgruppen eines unserer Erfolgsgeheimnisse. Wir diskutieren auf Anregung aus der Branche allerdings gerade, ob es nicht doch besser wäre, die Kinderschuh Ordertage und die Fashion Shoes Roadshow parallel in denselben Locations stattfinden zu lassen. Hier sind wir noch in der Entscheidungsfindung. Priorität sollte nun zunächst die eigenständige Positionierung haben. Alles weitere findet sich.

CB: Parallel organisieren Sie wie im letzten Jahr die Kinderschuh Ordertage, die Sie als die ‚wichtigste Orderveranstaltung für Kinderschuhe in Deutschland‘ bezeichnen. Woran leiten Sie diese Pole-Position ab?
TW: Wir beziehen uns dabei auf Aussagen unserer Aussteller und vor allem der Besucher. Der Zuspruch ist großartig. Wir sind immer noch überwältigt von dem großen Erfolg. Die daraus erwachsende Verantwortung nehmen wir gerne an.

CB: Ganz allgemein: Wie hat sich der Schuhmarkt für Kinder in 2019 gezeigt und welche Themen sehen Sie für 2020?
TW: In 2019 hat sich der Trend zu mehr Schlichtheit bestätigt. Gleichzeitig scheinen flexible Sohlen und fein abgestimmte Passformen unverändert wichtig zu sein. Besorgniserregend finde ich die weiter zunehmende Marktverengung. Es sind längst nicht nicht mehr allein Einzelhändler, die sich den großen Veränderungen und Anpassungsdruck stellen müssen, sondern auch die Hersteller. Ich bin davon überzeugt, dass wir als Branche aufhören müssen, nur symptombezogen zu reagieren. Stattdessen sollten wir uns uns aufrichtig die Frage nach der Nachhaltigkeit der praktizierten Geschäftsmodelle stellen. Die vielen Schließungen sind doch nicht pauschal auf unternehmerisches Unvermögen zurückzuführen, sondern gründen auf viel tiefer.

CB: In den letzten Jahren hatten Sie gelegentlich geäußert, dass die Kinderschuh Ordertage wachsen würden und auch Standorte im Ausland, gar in Italien, in den Niederlanden oder Dänemark im Gespräch seinen. Makulatur oder noch in Planung?
TW: Wir schon gesagt; wir gehen recht hemdsärmelig vor. Es gab viele Rufe nach einer Internationalisierung, denen wir gerne nachkommen wollten. Dennoch müssen wir dem Unternehmen Raum geben, sich zu entwicklen und auf gesunde Weise zu wachsen. Dazu bringt der Umstand, dass wir in ständig wechselnden Locations antreten und mit viel Equipment reisen, gewisse organisatorische Herausforderungen mit sich. Wir werden international expandieren, schauen uns aber fürs Erste die Chancen an, die sich in unserem Heimatmarkt bieten.

Die neuen Termine

Nun also entsteht mit den Bereichen Kinder, Damen und Herren ein Vollprogramm, das sich noch stärker in den Vergleich mit den zahlreichen Branchenterminen stellt. Der bisherige Schwerpunkt, im Kids-Bereich eine starke Reihe auf die Beine zu stellen, ist sich damit auf.

Unter „Squares“ sollen nun also an einem Termin und Ort Einkäufer aus den Bereichen Kids und Erwachsene die Locations füllen.

Durch die Zusammenlegung der beiden Reihen sollen nach Angaben des Veranstalters durch eine gemeinsameKostenstruktur die Standgebühren um bis zu 40 Prozent gesenkt worden sein. Diese liegen je nach Standort zwischen 1.000 und 1.700 Euro netto für einen Komplettstand mit 15 Quadratmeter Fläche, einem Tisch und Stühlen sowie inklusive Strom. Das Catering für Teilnehmer und Fachbesucher mit Snacks und Getränken ist bereits enthalten.

Für Squares wurde ein neuer Standbau entworfen, der den minimalistischen Look der früheren Veranstaltungen aufgreift. Variable weiße Elemente schaffen eine lockere und moderne Atmosphäre und erlauben auf hochwertigen Oberflächen aus hellem Holz Kollektionen gezielt in Szene zu setzen.