Die deutsche Agenturszene ist kleinteilig und von zahlreichen Einzelkämpfer(innen) geprägt. Für ihre Marken reisen sie von Messe zu Messe, organisieren Showrooms vor Ort und müssen neuerdings auf digitale Vorlagen umstellen.

Eine von diesen Markenrepräsentanten ist Ruth Langhans, die mit ihrer Agentur seit nunmehr einem Dutzend Jahren am Markt aktiv ist. Lange Zeit vertrat sie nur eine Hauptmarke, von der sie sich im letzten Jahr trennte. Seither bietet sie nicht nur Outerwear, sondern Kollektionen für alle Jahreszeiten.

Doch gerade jetzt, wo Corona mit voller Wucht an den Grundfesten des Handels brandet, ist die Neuausrichtung der Agentur eine besondere Herausforderung. Langhans gehört zu den Ausstellern, die sich von den Umständen nicht haben verleiten lassen, den Weg zum Kunden zu vermeiden. Childhood Business befragt sie, wie die aktuelle Saison erlebt.

Was hat Sie dazu bewogen, trotz der Umstände in Hamburg auszustellen?

Ruth Langhans: Die Kindermoden Nord ist für mich mit meinem Konzept seit 2009 die wichtigste Orderveranstaltung, seit ich mit einem ersten Ministand von acht Quadratmetern am Ende der Halle gestartet bin.

Meine Kunden auf dieser Messe zu empfangen und sich mit Ihnen austauschen zu können ist für mich sehr wichtig. Mein Arbeitsplatz ist auf Messen, die regionalen Showroom-Termine sowie meine Online-Präsenz ausgelegt. Für digitale Vorlagen arbeite auch viel mit meiner Handy-Kamera und mit einem Ringlicht mit Ständer. Außerdem nutze ich Google mit seinen Features wie Google Meet.

Es war für mich einfach keine Option, diesen Februar nicht teilzunehmen, obgleich ich selbst zu einer Risikogruppe gehöre. Mit Maske, Abstand und Hygiene habe ich mich relativ gut und sicher gefühlt. Die Messeleiterin Steffi Kranawetter setzt wirklich alles daran, die Messe unter den geltenden Hygiene-Standards überhaupt auszurichten.

Wie haben Sie die Ordertage erlebt? Was hat Sie positiv überrascht?

RH: Die Messe war für mich eine reine Ordermesse mit festen Terminen, leider aber so gut wie keinem zufälligen Zulauf. Positiv überrascht war ich auf die gute Resonanz auf meine neuen Marken und die Stimmung meiner Kunden. Gemeinsam gehen wir durch diese Zeit.

Im Großen und Ganzen aber ist die Situation schon sehr unterschiedlich. Es gibt einige Kunden, die sich zu helfen wissen mit Social Media und anderen Kanälen und sehr kreativen Verkaufsideen. Leider gibt es aber auch Kunden, welche sich noch nicht daran trauen und diese Möglichkeit der Werbung und des Verkaufes als Fachhandel nicht wahrnehmen.

Diesen möchte ich Mut machen, die Sache einfach mal anzugehen. Natürlich kann es das Shopping-Erlebnis, das die Verbraucher vermissen, in keiner Weise ersetzt werden. Doch ist Social Media einfacher umzusetzen, als manche denken, und eine gute Investition in dieser Zeit.

Und was kam bei Ihren besonders gut an?

RH: Mein Label Petit Piao aus Dänemark kam super an. Zusammen mit meinen weiteren Marken Racing Kids und Gullkorn Design sowie Minipop, Amust und dem Babyausstatter Vanilla Copenhagen bin ich inzwischen so gut aufgestellt, dass ich mich auf weitere zwölf Jahre freue.

Ansonsten befinde ich mich noch bis Mitte März 2021 in der Orderrunde. Und es wird kein einfaches Jahr, das ist sicher! Es war schon lange mein Wunsch, mich breiter und verlässlicher aufzustellen. Allein wie bisher von ein, zwei Marken abhängig zu sein, kann einer Agentur die Existenz kosten.

Aktuell ist es mit neuen Marken sicherlich nicht gerade einfach. Ich sehe allerdings, wenn das Interesse da ist, kauft mein Kunde und räumt mir einen Platz in seinem Budget ein.

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Als Chefredakteur hat Martin Paff die Branchenmagazine "Childhood Business" und "Childhood Shoes" gegründet. Die Zeitschriften bieten eine Plattform, um die Akteure und Experten im Bereich der Kindermode, Kinderschuhe sowie Erstausstattung miteinander zu vernetzen, relevante Themen aufzubereiten und diese attraktiv zu vermitteln. Als Vater eines Sohnes kennt er viele Aspekte aus eigener Anschauung.