Wie geht es mit der Branche weiter? Corona, Energiekosten und Inflation führen zur Eintrübung der Aussichten. Aber stiegen die Geburten und der BVS ruf die Generation „Corona-Boomer“ aus.

Genau hingeschaut erkennt man es doch: Die Kind + Jugend in 2022 findet statt wie es am Eingang Ost der Messe (un-)schwer zu erkennen ist.

Eine Branche, die Milliarden an Umsätzen macht und zu der es doch kaum allgemein zugängliche Zahlen gibt. Und das in Zeiten großer wirtschaftlicher Verwerfungen.

Hier wäre ein aktiver Verband wünschenswert, doch trotz aller Anstrengungen des Bundesverbands Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller ( BDKH) ist es der Handelsverband Spielwaren (BVS), der jedes Jahr zur Eröffnung der Kind + Jugend ein paar Daten zusammenstellt.

Dabei steht Deutschland vor einem Wendepunkt und vor einer nach Corona vermutlich nicht für möglich gehaltenen größeren wirtschaftlichen Herausforderung als in den letzten fünf Dekaden. Immerhin, 2020 gab es Einbrüche, aber hinter vorgehaltener Hand wird häufig gesagt, dass es erstaunlich gut gelaufen sei. Das legen auch die Informationen des BVS nahe, die zur Eröffnung der Kölner Messe bekannt gegeben wurden und die wir hier vorstellen.

Oliver Freese (Geschäftsführer Koelnmesse, re.) und Steffen Kahnt (Geschäftsführer Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS, Mitte)

„Die rekordverdächtigen Geburtenzahlen im März letzten Jahres hatten es bereits angekündigt: Das Jahr 2021 erlebte einen regelrechten Babyboom und sorgte für Rückenwind im Handel“, kommentiert Steffen Kahnt, Geschäftsführer des BVS.

So stabilisiert die höchste Geburtenrate seit 1997 die Umsätze bei Baby- und Kinderausstattern. Im Jahr 2021 gaben Eltern für ihre Kleinsten in den ersten drei Lebensjahren nach Einschätzung des IFH Köln knapp 2,6 Milliarden Euro aus. Sie investierten damit 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Umgerechnet sind das durchschnittlich 1.105 Euro pro Kind.

Laut vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes erblickten im letzten Jahr 795.492 Kinder das Licht der Welt. Rund 22.000 mehr als 2020. Kündigt sich hier die „Generation CoronaBoomer“ an? Dass besonders viele Kinder im vierten Quartal 2021 zur Welt kamen, lässt auf einen Zusammenhang mit dem zweiten Corona-Lockdown im Winter 2020/21 schließen. Auch die Geburtenziffer je Frau ist 2021 erstmals seit 2017 wieder gestiegen, und zwar von 1,53 Kindern im Jahr 2020 auf 1,58 Kinder je Frau im Jahr 2021.

Beim Kauf eines Kinderwagens ist neben der Qualität natürlich das Design ausschlaggebend. Hier beweisen die Hersteller auch in diesem Jahr Trendgespür. Neben Hinguckern wie beispielsweise einer Mercedes-Benz-Kollektion von Hartan strahlen viele Modelle in etwas mutigeren Farben. Wo in den letzten Jahren Schwarz-, Grau- und Beigetöne dominierten, finden sich immer häufiger Designs in Senfgelb oder Grün.

Laut dem Marktforschungsunternehmen Interconnection Consulting kauften die Deutschen in 2021 insgesamt 720.755 Kinderwagen inklusive Buggys. Das entspricht einem Plus von 3,2 Prozent zum Vorjahr.

Demgegenüber steht ein Umsatzwachstum von 11,6 Prozent, welches zudem auf gestiegene Preise zurückzuführen ist. Störungen in den Lieferketten und explodierende Transport- und Logistikkosten sind hier die Preistreiber. Trotz starker Geburtenzahlen reichen die Investitionen in Kinderwagen noch nicht wieder an das Niveau vor der Pandemie heran.

Der Markt für Autokindersitze hat sich im Jahr 2021 etwas von den Einbrüchen in 2020 erholt. Die Deutschen kauften letztes Jahr laut Interconnection Consulting rund 2,2 Millionen Autokindersitze – 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Hier zeigt sich ebenfalls ein starkes Umsatzwachstum von 16,7 Prozent, das – wie auch im Kinderwagensegment – vor allem auf Preissteigerungen zurückgeführt werden kann.

Auch bei Autokindersitzen beweisen die Hersteller in diesem Jahr Innovationsfreude. Ging der Trend jahrelang zum Reboarder, bricht Cybex nun die Lanze für das vorwärtsgerichtete Fahren. Die Innovation soll bis zu 50 Prozent mehr Sicherheit als herkömmliche, vorwärtsgerichtete Kindersitze bieten und kommt als erster Kindersitz mit integriertem Ganzkörper-Airbag.

Im ersten Halbjahr 2022 geht der Markt für Mutter- und Kindzubehör laut GfK Handelspanel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8 Prozent zurück. Dabei ist der Umsatzrückgang sowohl für das Online-Geschäft (-6 %) als auch für den stationären Handel (-11 %) zu beobachten.

Vor allem die umsatzstarken Kategorien Autokindersitze und Kinderwagen sind davon betroffen. Die steigende Inflation und die Unsicherheit angesichts des Angriff skrieges in der Ukraine dämpfen die Kauflaune und lassen die Menschen sparsamer haushalten. Dennoch gibt es auch wachsende Märkte.

Der Bereich Stillprodukte, der durch das Umsatzwachstum von elektrischen Brustpumpen getrieben wird, legte mit 6 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 zu. Gaben Eltern in Deutschland im Zeitraum Januar bis Juni 2021 noch durchschnittlich 117 Euro für eine elektrische Brustpumpe aus, so beträgt der Durchschnittspreis im ersten Halbjahr 2022 126 Euro.

In 2021 haben die Deutschen mehr Geld für Baby- und Kleinkindspielzeug ausgegeben. Laut Verbraucherpanel Spielwaren der Npdgroup legte hier der Umsatz um 2 Prozent zu: Zählt man alles zusammen, was laut Npd groupStatistik für unter 3-Jährige gekauft wird, Lego Duplo, Brettspiele oder Bobby Cars, gaben die Deutschen 2021 rund 682 Millionen Euro aus.

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