Wenn die Koelnmesse auf der kommenden Kind + Jugend 2026 das Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) als Motto hervorhebt, dann stellt sich die Frage: Wie modern ist die Babybranche eigentlich? Und spielt bei Herstellern und Handel tatsächlich schon den Einsatz von KI eine Rolle. Ein Rundblick.
In Deutschland nutzen Hersteller und Handel in der Baby- und Kleinkindbranche KI derzeit vor allem in drei Bereichen: in der Produktentwicklung inklusive smarter Produkte, im Marketing und bei der Kreation vin Inhalten sowie im Handel und hier vor allem bei der Customer Experience.
Die großen Sprünge passieren also zumeist weniger sichtbar, im Backoffice, als direkt am Regal, in die etwa smarte Babyphones und vernetzte Produkten zu finden sind, oder bei einer KI-gestützten Beratung.
Von mehreren Marken gibt es „smarte“ Babyprodukte mit KI-Funktionen, etwa Babyphones, die nicht nur Geräusche übertragen, sondern automatisch Weinen erkennen und beruhigende Nachrichten oder Musik abspielen. Hinzu kommen vernetzte Produkte wie Sensor-bestückte Kinderbetten oder Sitze, die Atmung, Lage oder Temperatur des Kindes überwachen und Eltern per App informieren.
Auch im weiteren Spielwaren- und Kindersegment – von interaktiven Lernspielzeugen bis hin zu dialogfähigen Figuren – wird KI zunehmend als Bestandteil des Produkts gesehen, vor allem bei international agierenden Herstellern mit deutscher Präsenz.
KI im Produktdesign und bei der Visualisierung
Generative KI verändert, wie Baby- und Kinderprodukte gestaltet und dargestellt werden. Designer arbeiten mit Bild-KI, um in Minuten Varianten von Hochstühlen, Kinderzimmermöbeln oder Zubehör in verschiedenen Materialien und Stilen durchzuspielen. Zudem entstehen fotorealistische Renderings, die für Werbematerialien, Pressemeldungen, Kataloge, Social Media oder AR-Anwendungen eingesetzt werden, ohne die Setting real fotografieren zu müssen.
Spezialisierte Dienstleister wie ARkid Studio entwickeln für Baby- und Spielwarenmarken KI-gestützte 3D- und AR-Kataloge, mit denen Händler Produkte aus jeder Perspektive als Rendering oder Video nutzen können – etwa für Online-Shops oder für eine Beratung im Fachhandel.
KI im Handel: Pricing, Empfehlungen, Beratung
Im Handel – stationär wie online – wird KI genutzt, um die Nachfrage zu prognostizieren, Sortimente zu optimieren und personalisierte Empfehlungen auszuspielen.
Algorithmen berechnen Kaufwahrscheinlichkeiten, schlagen passenden Cross-Sell zum Beispiel zur Erstausstattung vor und unterstützen eine dynamische Preisgestaltung in stark trendgetriebenen Kategorien wie Kinderwagen oder Kindersitze.
Für Baby- und Kinderfachhändler werden KI-gestützte Chatbots und virtuelle Assistenten wichtig, die Eltern bei der Vorauswahl beraten, Fragen zu Normen, Sicherheit oder Kompatibilität beantworten und den Kundenservice entlasten – meist auf Basis deutscher Conversational-AI-Plattformen, die DSGVO-konform arbeiten.
Für die Baby- und Kleinkindartikelbranche in Deutschland liegen die greifbaren Chancen aktuell vor allem in:
- smarter, vernetzter Hardware (Babyphones, Sitze, Kinderzimmer-Produkte) mit echter Alltagsentlastung für Eltern.
- effizienterer Produktentwicklung und stärker emotionalisierten, KI-gestützen Visualisierungen.
- personalisiertem Handel durch KI-gestützte Empfehlungen, Bots und datenbasierte Sortimentssteuerung.
Vor diesem Hintergrund setzen Branchenleitmessen wie Kind + Jugend die KI als Schwerpunktthema und wollen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Entwicklung über Produktion und Marketing bis zum Handel – Praxisbeispiele zeigen, wie Hersteller und Handel mit KI effizienter und marktnäher arbeiten.
Ohne das Zutun der Hersteller und Dienstleister wird das allerdings nicht gehen, denn eine Messe ist zuallererst eine Plattform und kann auf dieser nur das präsentieren, was ihr aus der Branche angeboten wird.
Marken und Markenpartnern bietet die Suche nach prägnanten Fallstudien und Beispielen allerdings eine Chance, sich jenseits gebuchter Quadratmeter präsentieren zu können.


