Eltern lieben ihre Kinder und sie möchten das Beste für sie. Dazu zählen auch schadstofffreie und sichere Spielzeuge, die vielen Ansprüchen zugleich gerecht werden sollen: Pädagogisch wertvoll sollen sie sein, dem Alter der Kleinen entsprechen und langlebig dazu. Aber ganz oben auf der elterlichen Wunschliste steht der in Europa ganz selbstverständliche Anspruch, dass die Geschenke dem Nachwuchs auf keinen Fall schaden dürfen. Die Liebesgaben sollten also keine chemischen Rückstände aufweisen und von unter Dreijährigen unbedenklich in den Mund genommen werden können. Dass die Präsente die spielfreudigen Kleinen nicht aufgrund scharfer Kanten oder wegbrechender Einzelteile verletzen dürfen, versteht sich von selbst.

Besonders begehrt ist sogenanntes Lernspielzeug, welches Fähigkeiten, die in den Winzlingen stecken, möglichst frühzeitig zutage fördern soll. Mamas und Papas setzen dabei gerne auf hochwertige Holzprodukte, die dem bunten Plastik – nach elterlichen Vorstellungen – eindeutig den Rang ablaufen. Und das, obwohl diese Objekte der Begierde um einiges teurer sind als die millionenfach von Fernost über lange Wege verschiffte Billigkonkurrenz aus Polypropylen.

Und obwohl das mit der Wertigkeit dann doch nicht so einfach ist. So musste Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest in Berlin, bereits vor Jahren immer wieder auf gravierende Mängel hinweisen. Bei einem Spielzeugtest in seinem Institut schlug sich die Markenware aus Deutschland kein bisschen besser als die Plüschhasen, Schiebepferde und süßen Puppen aus China. Noch schlimmer: In mehr als 80 Prozent der untersuchten Spielwaren konnten Schadstoffbelastungen nachgewiesen werden. Sieben davon hätten gar nicht verkauft werden dürfen. „Der Test raubt Eltern noch eine andere Illusion: die, dass Holzspielzeug die bessere Alternative ist.“ Im Gegenteil: Das keineswegs nur in biologisch-alternativen Kreisen so umjubelte Material Holz bekam von Stiftung Warentest das mieseste Zeugnis überhaupt ausgestellt. Schließlich stießen die Experten bei den entsprechenden Produkten gleich mehrfach auf größere Mengen an Formaldehyd, das in Verdacht steht, Krebs auszulösen. Solche Botschaften alarmieren Endverbraucher, Handel und Hersteller gleichermaßen. Schließlich hat die deutsche Spielwarenindustrie ein Interesse daran, den Ruf der Erzeugnisse „made in Germany“ zu wahren. Schützenhilfe leisten dabei die kleinen, oft unscheinbaren Sticker auf den Spielwaren. Diese signalisieren dem Kunden: Diese Holzprodukte können Sie ohne Sorge um die Gesundheit Ihres Kindes kaufen.

Das allgemeinste Prüfsiegel, die sogenannte „CE-Kennzeichnung“, zeigt an, dass die gesetzlichen Normen eingehalten wurden. Die Hersteller zeichnen ihre Produkt damit selbst aus. Ohne ein CE-Zeichen darf Spielzeug in Europa überhaupt nicht verkauft werden. Das Problem allerdings ist, dass das CE-Handelszeichen mit Vorsatz auch auf minderwertige Produkte aufgebracht wird.

Das Siegel „GS“, das für „Geprüfte Sicherheit“ steht, wird von Prüfstellen wie dem TÜV vergeben. Geht vom Produkt eine Gefahr für das Kind aus, wird das Siegel verwehrt. So dürfen etwa Batterien für Kinder nicht zugänglich, sondern nur mit einem Werkzeug erreichbar sein. Bei einer „GS“-Auszeichnung wird allerdings nicht der Schadstoffgehalt geprüft. Daher vergibt der TÜV Rheinland daneben auch das Zertifikat „schadstoffgeprüft“. Mit dem Spielwert hingegen befasst sich der Arbeitsausschuss Kinderspiel + Spielzeug e.V. in Ulm. Ein Team aus Fachleuten und Eltern fühlen den Kinderrasseln, Bauklötzen oder Kaufläden dabei ganz praktisch auf den Zahn. Die ehrenamtlichen Tester ermitteln bei der Vergabe des orangefarbenen Gütesiegels „spiel gut“ den pädagogischen Wert und erteilen Empfehlungen. Holzspielwaren können von den Herstellern auf Antrag übrigens auch mit „Der blaue Engel“, dem vor knapp 38 Jahren eingeführten Umweltzeichen der Bundesregierung, ausgezeichnet werden, wenn sie umweltfreundlich ausgerichtet sind.


Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Der eben gelesene Beitrag
Auf Holz gebaut: Prüfsiegel für hochwertiges Spielzeug
erschien in der gedruckten Ausgabe 08 / 2016 von Childhood Business vom 21.07.2016 auf Seite 91

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