Ganz am Anfang standen Wickeltaschen, die das Frau- statt das Muttersein betonten. heute gilt Claudia Lässig als Vorzeigeunternehmerin nicht nur in der Erstausstattungswelt.

Genauso lässig wie erfolgreich: Claudia und Stefan Lässig haben gemeinsam mit Karin Heinrich die perfekte Aufgabenteilung gefunden, um in knapp zehn Jahren zu Deutschlands Marktführer im Wickeltaschen­bereich aufzusteigen.
Genauso lässig wie erfolgreich:
Claudia und Stefan Lässig haben gemeinsam mit Karin Heinrich die perfekte Aufgabenteilung gefunden, um in knapp zehn Jahren zu Deutschlands Marktführer im Wickeltaschen­bereich aufzusteigen.

Es gibt in Deutschland nur wenige Brands in der Erstausstattungs- und Kinderbekleidungsbranche, die es geschafft haben, flächendeckend und mit großem Erfolg präsent zu sein. Eine davon ist der Wickeltaschenspezialist Lässig, bei dem der Name Programm ist. Denn wer die Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin Claudia Lässig besucht, merkt schnell, dass der Mut, den eigenen Familiennamen zur Marke zu machen, durch die Produkte, die Qualität und vor allem die Haltung der gesamten Mannschaft belohnt wurde. Die Styles der Firma, die zu Beginn vor allem Wickeltaschen kreierte und die heute ein viel breiteres Programm bis hin zu Heimtextilien, Storage-Produkten und Textilien abdeckt, sind wahrlich leger, immer stylisch und zudem durch ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Das Unternehmen wurde 2007 gegründet und hat es in weniger als zehn Jahren geschafft, auf rund 70 Mitarbeiter zu wachsen, eine Reihe wichtiger Preise und Auszeichnungen zu gewinnen und inzwischen einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr umzusetzen. Das Unternehmen ist allein in Deutschland in rund 2.000 Geschäften präsent und international in mehr als 50 Ländern aktiv. In den USA wurde in 2016 eine eigene Dependance gegründet, in Hongkong ist ein eigenes Büro aktiv und in Taiwan wurden vom dortigen Partner in diesem Jahr drei Lässig-Läden eröffnet und weitere sieben Shops sind für das kommende Jahr in Planung. Wer Claudia Lässig kennt, weiß, dass sie das Unternehmen in den kommenden Jahren mit großem Erfolg in immer neue Produktwelten dirigieren wird. Um diesem Erfolg nachzuspüren, hat Childhood Business das Unternehmen in Babenhausen besucht und Frau Lässig einen Tag lang begleitet.

9.05 Uhr: Ankunft bei Lässig

Gut im Blick: Im Showroom am Standort  Babenhausen lässt sich am besten das komplette Lässig-Sortiment betrachten.
Gut im Blick: Im Showroom am Standort
Babenhausen lässt sich am besten das komplette Lässig-Sortiment betrachten.

Nicht nur für uns stellt sich die Anreise als äußerst angenehm heraus. Rund 40 Kilometer vom Frankfurter Flughafen entfernt, ist das beschauliche Örtchen Babenhausen mit seinen gut 16.000 Einwohnern nicht nur zentral in Deutschland gelegen, sondern auch für die häufigen Flüge nach Asien und in die ganze Welt ein günstig gelegener Ausgangspunkt. Die zweistöckige Unternehmenszentrale liegt unscheinbar in einem kleinen Industriegebiet und wurde erst 2015 um einen Anbau ergänzt, um den Zuwachs an Mitarbeitern aufnehmen zu können. Herzlich begrüßt uns Claudia Lässig und bietet gleich einen ersten Rundgang am Standort an. Obgleich das Hauptlager nur eine Viertelstunde entfernt liegt, unterhält Lässig in Babenhausen nicht nur einen großzügigen Showroom, sondern auch ein gar nicht so kleines Lager. Vorteilhaft war es, dass eine in derselben Straße gelegene vormalige Druckerei ihr Gebäude aufgab und damit nur wenige Schritte entfernt angemietet werden konnte.

Antonio Navarro Rodríguez, Foto-Atelier
Antonio Navarro Rodríguez, Foto-Atelier

Im Showroom wird nicht nur der Großteil des stattlichen Sortiments präsentiert, sondern auch durch einen eigenen Mitarbeiter vor Ort geshootet. „Hier entstehen die Bilder für unsere Kataloge und die Website, aber auch Bilder für die Lifestyle-Kampagnen“, erläutert Claudia Lässig das konzentrierte Arrangieren vom spanischen Fotografen Antonio Navarro Rodríguez. „Für uns ist es wichtig, Einkäufern unser gesamtes Sortiment zeigen zu können.“ Kurz darauf stoßen Stefan Lässig, zuständig für Sales und Vertriebsmarketing, sowie Karin Heinrich, als Geschäftsführerin für Einkauf, Logistik und Personal verantwortlich, dazu. Schnell wird klar, wie perfekt aufeinander abgestimmt das Geschäftsführungsteam harmoniert. Stefan Lässig ist für den Vertrieb zuständig und kennt die Handelslandschaft wie „aus dem Eff­eff“. Fällt der Name eines Handelskunden, kennt er dessen Ladengeschäft und welchen Teil des Sortiments dieser führt. Karin Heinrich lenkt und steuert die Operations, denn sind die Produkte erst beschafft, gilt es, diese optimal in die Auslieferung zu steuern, schließlich werden bei Lässig große Warenwerte bewegt. Und der kreative Kopf des Ganzen ist eindeutig Claudia Lässig.

10.35 Uhr: Abstimmung im Design-Atelier

Meeting im Design-Atelier
Meeting im Design-Atelier

Kaum fängt Claudia Lässig an, einige noch vertrauliche Produktneuheiten vorzustellen und die Überlegungen hinter den Designs zu erläutern, wird sie zur Abstimmungsrunde im Design-Atelier gerufen. Wir folgen ihr kurzerhand und erleben, wie Stoffe, Formen und Schnitte einiger neuer Wickeltaschen gemeinsam diskutiert werden. Schnell wird deutlich, mit welchem Gespür und Geschick Claudia Lässig die Vorschläge prüft und auch die Umsetzung der von ihr noch immer selbst entwickelten Designs neuer Key-Pieces der Kollektion verfolgt. Ist man Zeuge dieser Detail­treue geworden, ahnt man, dass in jedem Produkt aus dem Haus wirklich eine ganz gehörige Portion „Lässig“ enthalten ist. Beim Designen neuer Produkte ist Claudia Lässig kompromisslos.

Die Kreationen müssen modern, leger und zugleich nachhaltig ausgerichtet sein. Sind zwar alle Aspekte gleichermaßen wichtig, spürt man, dass das Thema Nachhaltigkeit im Hause Lässig alles andere als ein Trendschlagwort ist. Nicht nur bei der Auswahl der Fertigungsbetriebe oder Materialien achtet Claudia Lässig mit ihrem Einkaufsteam auf klare Standards, sondern auch eine Vielzahl an Projekten belegen, dass nach der Pflicht noch eine ehrliche Freude an der Kür kommt.

11.45 Uhr: Produkt­entwicklung

Claudia Lässig bei der Design-Besprechung
Claudia Lässig bei der Design-Besprechung

Um mehr darüber zu erfahren, wechseln wir einfach über den Gang in die Produktentwicklung. Hier erläutert uns Claudia Stöhr, welcher Aufwand aufgebracht wird, um die Designideen bis zur Orderfähigkeit für den Einkauf im Haus zu entwickeln. Gerade bei der Auswahl der einsetzbaren Materialien wird immer wieder geschaut, ob sich noch bessere finden lassen, die möglichst noch über die Branchenstandards in puncto Umweltverträglichkeit hinausgehen. Auch bei der Auswahl der Lieferanten setzt das Haus nicht nur auf vorgelegte Zertifikate, sondern vereinbart einen eigenen Code of Conduct und nimmt die Betriebe durch ständige Besuche in Augenschein. Dazu reisen Claudia Lässig und Claudia Stöhr nahezu jeden Monat nach Asien, um sich persönlich zu versichern, dass die Betriebe sauber produzieren. Besteht ein Lieferant auch das eigene Factory Audit und stimmen die qualitativen, preislichen und sozialen Parameter, investiert das Unternehmen in die Anschaffung der notwendigen Spritzgussformen und Druckfilme, um die im Haus exklusiv entwickelten Designs fertigen zu lassen. Durch die Vielzahl an Sprachversionen und nationalen Standards kommt dem Qualitätsmanagement eine große Bedeutung zu, damit alle Produkte möglichst für alle internationalen Märkte zugelassen werden.

12.50 Uhr: der welt­weite Vertrieb

Stefan Lässig leitet das weltweite Sales-Team
Stefan Lässig leitet das weltweite Sales-Team

Will man im Hause mehr über den Vertrieb erfahren, führt an Stefan Lässig kein Weg vorbei. „Wir haben eigentlich von Beginn an Kunden in aller Welt gehabt“, betont er. „Das war, gerade als wir noch deutlich kleiner waren, eine echte Herausforderung für alle Mitarbeiter.“ Heute beträgt der internationale Umsatz rund 35 Prozent am Gesamtumsatz. Hier sieht Lässig auch noch große Potenziale. In den USA hat man in 2015 gerade eine eigene Tochterfirma eröffnet, China ist ein Fokusmarkt und in Taiwan hat der nationale Distributor in 2016 drei Lässig-Shops eröffnet und plant in 2017 sieben weitere. Noch sind die europäischen Länder in Benelux, Frankreich, Skandinavien und Italien am stärksten. Aber das wird sich schon bald zugunsten der asiatischen Länder ändern, ist sich Stefan Lässig sicher. Es habe sich gezeigt, dass sich nach drei bis fünf Jahren der Investition in einen Markt dieser sich dann mit großem Erfolg erschließen lässt. Wichtig ist ihm, nicht einfach nur Lässig-Produkte zu verkaufen, sondern die Marke mit ihren Werten zu etablieren. Dazu reisen er wie auch Head of Sales Lisa Schmid in die einzelnen Länder und zeigen Flagge, fragen aber auch ab, mit welchen Maßnahmen oder auch Veränderungen an den Produkten, die jeweiligen Märkte noch besser erreicht werden können. Und wie wichtig dieser Finger am Puls der Kunden ist, zeigen Vorlieben für bestimmte Materialien oder auch Taschentypen wie Wickelrücksäcke, die sich anders als im heimischen Markt verhalten können.

14.15 Uhr: PR und Marketing

Christine Kottek und Marie-Louise Sobe, PR & Marketing
Christine Kottek und Marie-Louise Sobe, PR & Marketing

Da die Produktwelt schon lange über das Wickeltaschensortiment hinausgewachsen ist, gilt es, die vier Produktwelten „4 Family“, „4 Babys & Kids“, „Splash & Fun“ sowie „Storage & Home“ in der Kommunikation übersichtlich zu vermitteln. Hier stehen Marie-Louise Sobe im Marketing sowie Christine Kottek für die PR-Arbeit bereit. Dabei werden sämtliche Materialien inhouse produziert –
von den Bildern und Texten bis hin zu den fertigen Katalogen, Image-Broschüren und Kampagnen. Dabei wird auch auf die Vorlieben in den jeweiligen Märkten geachtet, zugleich aber für ein einheitliches Corporate Design gesorgt. „In Asien sind die Fotos oft detailgetreuer und faktenhafter, aber weniger emotional als bei uns“, merkt Sobe dazu an. Und dass sich die PR-Arbeit nicht nur auf die Kommunikation mit den Medien beschränkt, wird deutlich, wenn Kottek ihr Aufgabenspektrum erläutert: „Neben der klassischen Pressearbeit betreiben wir auch Blogger-Relations, pflegen sehr persönlich unsere Social-Media-Kanäle und initiieren Kooperationen. Auch unsere CSR-Projekte setzen wir mit viel Bedacht um.“

15.25 Uhr: Empfang

Empfang im Haus vom Lässig
Empfang im Haus vom Lässig

Den unmittelbaren Kontakt zu den Kunden aufrechtzuerhalten, ist Claudia Lässig sehr wichtig: „Wir sind stark gewachsen und müssen unsere Organisation  anpassen. Dennoch bleiben wir immer ein persönliches Haus und Familienunternehmen.“ Daher gibt es auch kein Call-Center, sondern jeder Kunde oder Händler, der sich mit einer Frage an das Unternehmen Lässig wendet, landet beim Empfang. Hier nimmt vormittags Daniela Voigt das Telefon ab und hilft bei Nachfragen oder bindet im zweiten Schritt den Kundenservice ein.

16.15 Uhr: Versandlager

Handfest: Wer so viele Waren bewegt wie Lässig, braucht einen anpackenden und gut organisierten Lager-Chef.
Handfest: Wer so viele Waren bewegt wie Lässig, braucht einen anpackenden und gut organisierten Lager-Chef.

Nun wollen wir noch einen Blick in das eigene Lager in Rodgau werfen, wo uns Roland Thommes stolz durch die 5.000 Quadratmeter Hochregal­lager führt. Wohl organisiert und laufend bis hin über eigene Software-Lösungen optimiert, präsentiert der anpackende Logistics Manager sein Reich. Und das wird schon bald wachsen, um für die immer größere Nachfrage die notwendigen Lagerkapazitäten vorzuhalten. „Schließlich konfektionieren wir direkt vor Ort spezielle Produkt-Sets, packen Bestellungen von Endkunden unseres Online-Shops und beladen Kundenpaletten gezielt nach deren Anliefervorgaben.“

17.25 Uhr: Abschied

Bevor wir uns von Claudia Lässig verabschieden, wollen wir noch wissen, was aus ihrer Sicht für den nachhaltigen Erfolg der Marke Lässig ausschlaggebend ist. „Vielleicht kann ich es so formulieren,“ versucht sie eine knapp zehn Jahre andauernde Erfolgsgeschichte zusammenzufassen: „Lässig steht für ein modernes, immer wieder frisches Design und liegt damit voll im Trend. Dazu kommt, dass mir die nachhaltige Produktion

sehr am Herzen liegt und wir das hier richtig leben. Und nicht zuletzt sind es die Menschen hinter Lässig, die alle bis heute die gleiche Euphorie auszeichnet, die uns von Anfang an angetrieben hat.“


Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Der eben gelesene Beitrag
Acht Stunden bei Lässig
erschien in der gedruckten Ausgabe 11 / 2016 von Childhood Business vom 20.10.2016 auf Seite 60

Hier geht es zu ausgewählten Beiträgen aus der Ausgabe. Nicht alle Inhalte sind Online zu lesen. Die komplette Ausgabe können Sie im Shop hier bestellen.