Leere Innenstädte drohen als Folge von Insolvenzen im Handel. Foto: AdobeStock | Stockfotos-MG

Der stationäre Textil-, Schuh- und Lederwarenhandel kämpft als Folge der Corona-Krise ums Überleben, warnt der Handelsverband Textil (BTE) in einer heutigen Pressemeldung. Im April sind die Umsätze in diesen Branchen als Folge des Lockdowns nach aktuell veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes um 71 Prozent eingebrochen.

Bereits im März fielen die Umsätze in den drei Branchen um mehr als 50 Prozent. „Dieser Rückgang ist historisch in der Bundesrepublik Deutschland einmalig“, berichtet BTE-Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels.

Mode-, Schuh- und Lederwarengeschäfte sind damit im gesamten Einzelhandel mit Abstand am stärksten von der Corona-Krise betroffen. Kurzarbeit, Homeoffice, ausgefallene Feiern und abgesagte Urlaube haben dazu geführt, dass die Nachfrage nach neuen Outfits, Schuhen oder Reisegepäck zusammengebrochen ist.

Und selbst nach Wiedereröffnung der Geschäfte lagen die Umsätze branchenweit deutlich unter dem Vorjahresniveau. Pangels bringt es wie folgt auf den Punkt: „Statt erhoffter Aufholeffekte nehmen die Umsatzverluste also weiter zu.“

Diese Situation ist für die rund 80.000 Bekleidungs-, Schuh- und Lederwarengeschäfte existenzbedrohend und hat zu ersten Insolvenzen und Schließungen geführt. Denn die gesamte Modebranche kämpft mit einer besonderen Problematik: Zum einen wurde während der Schließungsphase weiterhin Ware angeliefert, die aufgrund der langen internationalen Produktionskette nicht storniert werden konnte. Zum anderen verliert diese Ware im Laufe der Saison ständig an Wert. „Diese Konstellation gibt es so in keiner anderen Branche“, erläutert Pangels.

Die Handelsverbände fordern staatliche Finanzhilfen für die Modeindustrie

Die Handelsverbände Textil (BTE), Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE) fordern daher staatliche Finanzhilfen.

Rolf Pangels folgt beim BTE ab Mai 2019 auf Jürgen Dax.
Rolf Pangels folgt beim BTE ab Mai 2019 auf Jürgen Dax.

„Die bisherigen Maßnahmen wie das Kurzarbeitergeld und KfW-Kredite reichen zur Rettung des stationären Textil-, Schuh- und Lederwarenhandels bei weitem nicht aus“, konstatiert Pangels. „Der unverschuldete Ruin tausender Unternehmen – von der kleinen Boutique bis zum großen Schuh- oder Modehaus – kann nur durch nicht rückzahlbare Zuschüsse verhindert werden.“

Ohne eine entsprechende Unterstützung rechnen BTE, BDSE und BLE ab der zweiten Jahreshälfte mit einer signifikante Insolvenz- und Schließungswelle im Fashion-Handel mit der Folge von zehntausenden Leerständen in den Shopping-Zonen.

„Da die Textil-, Schuh- und Lederwarenbranche zusammen mit den Warenhäusern die städtischen Einkaufslagen prägen, könnten dadurch viel Standorte zu Geisterstädten werden“, fürchtet der BTE-Hauptgeschäftsführer. „Dies hätte epochale Folgen für die Einkaufs- und Lebensqualität der Städte!“