Saison für Saison erfasst und wertet die Redaktion von Childhood Business in akribischer Detailarbeit die Kataloge und Ausstellerverzeichnisse der Messen und Ordertage für Kindermode aus. Dabei ergibt sich für die Orderrunde der A/W-22/23-Kollektionen ein überraschendes Bild: Auf der Kindermoden Nord werden europaweit die meisten Kollektionen gezeigt werden.

Unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie leider insbesondere die internationalen Messen. Denn eigentlich gelten die Veranstaltungen in Florenz und Paris als die Hauptevents der Branche. Doch einer der Erfolgsfaktoren der Pitti Bimbo und der Playtime Paris verkehrt sich aktuell in deren Nachteil.

So zielen gerade diese Events insbesondere auf eine internationale Käuferschaft. Doch die bleibt in Anbetracht von Corona, von Reisebeschränkungen und Quarantänevorschriften aktuell lieber zu Hause. Auch sind die Kosten einer Anreise durch ausgedünnte Flugpläne hoch.

Das schon allein veranlasst Aussteller, ihre Teilnahmen in Frage zu stellen. Hinzu kommt die Sorge um die eigene Gesundheit, die gerade auch bei kleineren Anbietern eine Rolle spielt, insofern sie zentral für die Geschicke ihrer Marken sind, oder um die Unversehrtheit von Mitarbeitern und Messehostessen.

In Deutschland hingegen gibt es weder eine zentrale Messe, noch eine ausgedehnte Landschaft an Jungdesignern und Gründern von neuen Marken. Modecenter und Messeveranstalter dominieren die Landschaft. Daher verteilt sich der Zulauf auf die unterschiedlichen Standorte. Und kein Termin hat eine solche Strahlkraft, dass er ein „must“ für alle wäre. All das ist in der aktuellen Zeit zuträgllch, da kein Standort überlaufen ist und sich die Fachbesucher über die Tage verteilen.

Mitte Januar 2022 haben wir in einem vorläufigen Stand die an den Standorten ausgestellten Kollektionen ermittelt. Vorläufig deshalb, da in der Regel bei ausstehenden Veranstaltungen noch bis zum Start der eine oder andere Aussteller dazukommen – oder in diesem Jahr auch noch wegfallen – kann. Dennoch ist das Bild in der Regel bereits repräsentativ.

Breitet man die erhobenen Daten auf, ergibt sich in diesem Jahr ein überraschendes Ergebnis, denn: Die Kindermoden Nord führt das europäische Messegeschehen in Hinsicht auf die Zahl der präsentierten Kollektionen an.

Damit rückt sie nicht nur vor die internationalen Großveranstaltungen, was belegt, wie stark diese eingebrochen sind, sondern auch vor den Konkurrenten aus Süddeutschland, die Supreme Kids.

Wenn man die Nebenevents an beiden Standorten berücksichtigt, also in Hamburg die Lollypop und in München die feine Prisco Project Kids, dann hat auch danach der Standort der Kindermoden Nord, die Hansestadt Hamburg, in diesem Jahr die Nase vorn.

Damit bewährt sich in Hamburg die kontinuierliche und unaufgeregte Arbeit der Messechefin Steffi Kranawetter. Diese hat das Format vom Hamburger Verband der Handelsvertreter einst übernommen, als das Aus drohte. Doch schnell hatte sich die Kindermoden Nord nicht nur wieder erholt, sondern gilt mit der Supreme Kids als die wichtigste Orderveranstaltung für Kindermode und -schuhe.

München hingegen spürt die gleichen Entwicklungen, unter denen die Großmessen leiden, stärker. Denn auch die Supreme Kids kann in normalen Zeiten ihren Ausstellern eine Besucherklientel bieten, die nicht nur jene aus dem süddeutschen Raum, in der Regel Einkäufer der großen Häuser und Online-Player sowie solcher mit einem hochpreisigen Segment umfassen. Hinzu kommen Anreisende aus angrenzenden Ländern. Und die reisen aktuell weniger.

Allen Veranstaltern und der gesamten Branche kann man nur wünschen, dass sich die Umstände wieder normalisieren. Dennoch unternehmen gerade die Eventmacher alle Anstrengungen, mit ihren Events Fachbesuchern Orderoptionen zu eröffnen, die ansonsten aufwendiger durch Einzeltermine oder digitale Vorlagen umgesetzt werden müssen. Was dabei aber fehlt: die vergleichende Übersicht.

Daher gilt unser Respekt allen Veranstaltern. Und ein besonderer Gruß geht an die Kindermoden Nord als kollektionsreichster Event der Saison!

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