Wer seinen Blick über die Vielzahl an Outdoorjacken kreisen lässt, kommt nicht ohne ein gewisses Grund­verständnis zurecht. Childhood Business erklärt die HighTech-Stoffe und verrät, warum auch die natürliche Alternative „Daune“ immer noch zu den beliebtesten Materialien zählt.

Großer Fortschritt dank kleiner Poren

Mit der Entwicklung der Gore-Tex-Membran legte Robert W. Gore im Jahr 1969 den Grundstein für die Entwicklung der modernen Outdoorbekleidung. Dabei ist das, was die Membran auszeichnet, nur mikroskopisch zu erfassen: Auf einem Quadratzentimeter finden sich 1,4 Milliarden Mikroporen. Diese Poren sind 20.000-mal kleiner als Wassertropfen, aber auch 700-mal größer als ein Wasserdampf-Molekül. Das macht die Membran sowohl atmungsaktiv als auch wasser- und winddicht. Regen kann durch das Material nicht eindringen, Schweiß wird aber nach außen abgegeben. Damit die Hochleistungs-Membran als Endprodukt verwendet werden können, müssen sie mit einem leistungsfähigen Innenfutter und dem Obermaterial zu einem Laminat zusammengefügt und in einem finalen Schritt zum Bekleidungsstück  wasserabweisend imprägniert werden.

Gut ausgerüstet: Die Windstopper-Membran von Gore-Tex wird für Softshells verwendet.
Gut ausgerüstet: Die Windstopper-Membran von Gore-Tex wird für Softshells verwendet.

Alle Fertigungsstandorte der Firma W. L. Gore & Associates sind Bluesign-Systempartner. Seit 2014 ist der Anteil von Bluesign-zertifizierten Laminaten für die Endverbraucherbekleidung auf 60 Prozent gestiegen. Das Unternehmen Gore ist im Zuge eines großen Umweltprogramms OEKO-TEX-zertifiziert und hat die als bedenklich geltende Verbindung PFOA aus ihren Textilien beseitigt.

Grün und robust

Viele der im Outdoorbereich verwendeten Chemikalien gelten als völlig unbedenklich und stellen eine Bereicherung für die Branche dar. Andere hingegen werden als bedenklich eingestuft. Hier forschen Textil- und Faserinstitutionen nach ökologischen Ersatzmöglichkeiten.

Eine solche Alternative bietet Sympatex: Die kompakte, wasserdampfdurchlässige Sympatex-Membran basiert zu 100 Prozent auf Polyester. Sie ist PTFE- und PFC-frei, enthält also keine chemischen Fluorverbindungen, die als ökologisch problematisch gelten und im Verdacht stehen, sich gesundheitsschädlich auszuwirken. Je nach Anforderung und Kriterien des Herstellers können zwei- bis vierlagige Laminate entwickelt werden. Genauso wie bei Gore-Tex wird die Sympatex-Membran mittels unterschiedlicher Trägermaterialien wie Web-, Wirk- oder Strickware, Vlies, Schaumstoff oder Leder zu einem Laminat verbunden und in den meisten Fällen im Anschluss imprägniert. Die Sympatex-Membran ist zu 100 Prozent wiederverwertbar. Das im Recyclingprozess gewonnene Polyester kann ohne Qualitätsverlust dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt werden. Der Membran- und Laminathersteller ist zertifiziert nach OEKO-TEX 100 Standard und ebenfalls Bluesign-Systempartner.

Weiche Schale

Wie eine zweite Haut: Softshelljacken wie dieses Exemplar von Finkid bieten einen hohen Tragekomfort.
Wie eine zweite Haut: Softshelljacken wie dieses Exemplar von Finkid bieten einen hohen Tragekomfort.

„Outdoorbekleidungen sollten den tatsächlichen Anforderungen ent­sprechend ausgewählt werden. Für den täglichen Weg in den Kindergarten braucht das Kind nicht zwangsläufig eine für bis zu minus 40 Grad konzipierte Hightech-Winterbekleidung“, sagt Dr. Thomas Stegmaier vom Institut für Textil- und Verfahrenstechnik. Dieses Prinzip verfolgen auch die allgegenwertigen Softshells. Die Funktionsjacken haben sich zum Lieblingsbegleiter vieler Sportler gemausert. Softshells bieten durch ihre hohe Atmungsaktivität, Winddichte und Leichtigkeit eine gute Alternative für Kinder, die beim Toben im Freien nicht ins Schwitzen geraten sollen.

Bei den auffallend leichten und elastischen Softshells wird die äußerste und mittlere Bekleidungsschicht kombiniert und liegt wie eine zweite Haut am Körper. Softshells bestehen in der Regel aus drei Laminat-Schichten, wobei die oberste aus einem strapazierfähigen und wasser-abtransportierenden Material besteht. Die Faser leitet zwar Wasser, nimmt es jedoch nicht auf. Deswegen kann Feuchtigkeit von innen nach außen diffundieren. Zwischen den verschiedenen Laminatschichten liegt mitunter, je nach Anforderung, eine Membran. Für Softshells ohne Membran spricht die besonders hohe Atmungaktivität, jedoch sind sie als reines Gewebe nur bedingt winddicht und regenabweisend.

Daune als Federleichte Alternative  

Je bauschiger und voluminöser die Daunen, desto besser wärmt das damit gefütterte Kleidungsstück. Sie stammen aus dem Untergefieder des Wassergeflügels und durch das schneeflockenartig verästelte Gebilde sowie die zahlreichen Hohlräume kann Luft ideal eingeschlossen werden. Das Prinzip dieser Wärmedämmung ist mit einem Doppelglasfenster vergleichbar, denn isolierte Luftschichten bieten bekanntermaßen den größten Schutz vor Kälte. Von der Daune selbst geht keinerlei Wärme aus. Das Naturprodukt speichert die körpereigene Wärme und wirkt isolierend. „Durch die Vielzahl an Hohlräumen eines mit Daunen gefüllten Produktes erhält man eine hohe Wärmeleistung bei geringem Gewicht. Das in Daunen enthaltene Protein Keratin dient nicht nur als zusätzliche Wärme-Isolation, es leitet auch den Schweiß an die Außenschicht weiter, ohne dass das Kind schwitzt oder friert. Die Kombination dieser Eigenschaften macht die Daune einzigartig im Vergleich zu anderen Füllmaterialien“, erklärt Dr. Juliane Hedderich vom Verband der Deutschen Daunen- und Federnindustrie die Vorteile der Daune.

Warmes Futter: Die unzähligen Luft­kammern in einer Daune isolieren hervorragend.
Warmes Futter:
Die unzähligen Luft­kammern in einer Daune isolieren hervorragend.

Gänsedaunen gelten im Preis-Leistungs-Verhältnis als die beste Federfüllung auf dem Markt, da sie eine höhere Füllkraft als die kleineren Entendaunen aufweisen. Die besten und somit auch die teuersten Daunen sind Eiderdaunen von der Eiderente mit einer sehr hohen Wärme-Isolation. Für die Daune, die durch unerlaubte Lebendrupfungen in die Kritik geraten ist, gilt europaweit das Verbot ebendieser Praktik.

Um Händlern und Endverbrauchern Klarheit über die Herkunft und die verwendeten Qualitäten zu geben, gibt es Rückverfolgungssysteme wie den „Traumpass“. Das Qualitätssiegel bescheinigt durch Kontrollen die Verwendung der höchsten Qualitätsklassen I und II. Außerdem muss das Füllmaterial nachweislich den gesetzlichen Bestimmungen gültiger Kennzeichnungsvorschriften entsprechen und darf lediglich als Nebenprodukt der Fleischgewinnung gewonnen werden.

Hin und wieder wird der Ausdruck Synthetik-Daune verwandt. Dieser birgt jedoch bis zu einem gewissen Grad eine Verbrauchertäuschung. Bei einer Synthetik-Daune handelt es sich zu 100 Prozent um eine Hochbauschpolyester-Hohlfaser, die an die sehr gut isolierenden Eigenschaften der Naturdaune nicht heranreichen kann. (ao)