Eigentlich kommen alljährlich um diese Zeit im September Experten zusammen, um im Rahmen der Babyfachmesse Kind + Jugend aus zahlreichen Einreichungen ein aufregendes Destillat zu konzentrieren Es geht dabei um die Nominierten für den Kids Design Award, der junge Nachwuchsdesigner sowie Design-Studierende für ihre Produktkonzepte, Ideen, Entwürfe und Prototypen für Babys und Kleinkinder aus, die noch nicht im Handel sind.

Auch oder gerade weil diese Prototypen noch vor ihrer Markteinführung stehen, nicht selten sogar noch bis dahin einen Wandel durchleben, bis die Entwürfe produktions- und marktreif werden, und manches Mal diese Hürde am Ende gar nicht schaffen, sind die Einblicke in die Schaffenswelt der Jungdesigner ganz besonders aufregend.

Auch wenn in diesem Jahr bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie die Messe nicht stattfinden wird, hat eine achtköpfige Jury getagt und aus insgesamt 166 Jungdesigner aus 39 Ländern weltweit zehn Finalisten ausgesiebt, die hier vorgestellt werden sollen. Am Ende wird es einen Preisträgen 2020 geben, doch urteilen Sie selbst: alle zehn hätten es werden können. Eines eint sie alle: es sind kreative Ideen und Innovationen für das Kinderzimmer von morgen – und wer weiß, vielleicht werden wir die eine oder andere in den kommenden zwölf Monaten in den Geschäften wiedersehen.

Und so unwahrscheinlich ist das nicht, denn über die reine Award-Auszeichnung hinaus besteht für die nominierten Designer die Chance auf eine Produktpatenschaft mit ausgewählten Vertretern aus Industrie und Handel. Diese unterstützen die Jungdesigner bei der Weiterentwicklung ihres Produkts bis hin zur Marktreife.

Nominierte Designer für den Kids Design Award 2020

  • Paula Boldrin: 3ffen
  • Katharina Em: Bauwippchen
  • Manuel Kugler: Woody
  • Svenja Münster: Das Paket
  • Matthieu Muller und Sarah Willemart: Animate
  • Maita Petersen: RumpelKumpel
  • Florian Prader: Hoka
  • Roberta Russi Musetti: Big Book
  • Hieu Vu Cong: Stempeln statt Spritzen
  • Darius Zalzadeh: Galop

3ffen von Paula Boldrin

3ffen ist ein Projekt, das aus dem gefühlten Bedürfnis nach Integration zwischen der italienischen und der deutschen Ethnosprachgruppe in Südtirol entstanden ist. Das Südtiroler System fördert die Begegnung zwischen den beiden Gruppen nicht ausreichend und erzeugt so zwei parallele Realitäten, die durch eine unsichtbare Mauer getrennt sind. Alexander Langer schrieb über den Bedarf an Vermittlern, Brückenbauern, Mauerspringern und Grenzforschern in einem Gebiet, das mehr Sprachen, mehr Kulturen beherbergt. Es sei notwendig, dass sich jemand der Erforschung und Überschreitung von Grenzen widme, Verbindungen schaffe und trennende Mauern niederreiße. 3ffen ist eine spielerische Aktivität, die die Begegnung und den Austausch zwischen Kindern aus verschiedenen ethnisch-sprachlichen Gruppen fördern soll.

Die Absicht wird aus dem Namen deutlich: „treffen“, was im Deutschen „Begegnung“ bedeutet. Die verfolgte Philosophie des Spiels ist diejenige für kooperative Spiele.

Bauwippchen von Katharina Em

Nominiert für den Kids Design Award 2020:  Bauwippchen von Katharina Em
Nominiert für den Kids Design Award 2020: Bauwippchen von Katharina Em

Mit dem Bausteinspiel werden Kindern Reize gesetzt, das Thema Balance selbstbestimmt und spielerisch zu erforschen. Kinder spielen gerne intuitiv und lernen dabei sehr viel. Das Bausteinspiel bietet einen angemessenen Rahmen, physikalische Gesetze wie die Wirkung von Schwerkraft, Reibung und Masse zu erfahren.

Die 18 Bausteine und das Wippchen können je nach Fähigkeiten der Kinder unterschiedlich genutzt werden. Eine Vielfalt von Kombination ist durch die Gestaltung der Bausteine möglich. Das Spiel passt sich somit an das Kind an und kann immer wieder neu entdeckt werden. Die farblichen Akzente auf dem Buchenholz stellen einen weiteren Bildungsaspekt dar und locken das Kind zum Spielen an.

Woody von Manuel Kugler

„Woody“ soll in erster Linie Spaß bereiten und dem Nutzer ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Mithilfe der Borsten gleitet das Objekt wie ein Hoverboard über den Asphalt und fegt gleichzeitig den Boden. Die Gestaltung spielt durch die Rundhölzer in Verbindung mit den Borsten gezielt mit der Typologie des Besens. Die Fahrtrichtung lässt sich über eine leichte Gewichtsverlagerung regulieren. Der verstellbare Sitz ermöglicht es, das Produkt individuell auf verschiedene Körpergrößen einzustellen.

Das Paket von Svenja Münster

„Das Paket“ ist eine Geschichte für Kinder, die durch eine Serie an Faltbögen aus mehreren Perspektiven erzählt wird. Die gesamte Gestaltung spielt mit Elementen aus der Geschichte und wandelt diese durch Aussparungen in praktische Erfahrungen um. Das Design der Faltbögen unterstützt unterschiedliche Aspekte des Vorlesens.

Neben dem wecken von Neugier und ermöglichen von Fantasie steht vor allem der daraus resultierende Austausch zwischen Eltern und Kind im Mittelpunkt. Denn Vorlesen ist ein geschützter Ort der Wertevermittlung und Wertschätzung. Des Weiteren fördert der Perspektivenwechsel und der inhaltliche Freiraum die Entwicklung von Einfühlungsvermögen und das kreative Denken der Kinder.

Animate von Matthieu Muller und Sarah Willemart

„Animate“ ist ein Bausatz aus elektronischen Komponenten und Steckverbindern aus Pappe, der darauf abzielt, der Phantasie von Kindern Leben einzuhauchen. Das Projekt führt die Technologie als kreatives Werkzeug ein, das es Kindern im Alter von 6 bis 10 Jahren ermöglicht, ihre eigenen Kreationen zu animieren.

Der Animate-Bausatz besteht aus mehreren Elementen: acht elektronische Komponenten, darunter eine Batterie, ein Vibrator, ein Summer, ein Ultraschallsensor, zwei Gleichstrommotoren und zwei LED-Leuchten. Ein sicheres Klingenmesser zum einfachen Schneiden von Karton. Ein Satz Steckverbinder, um Karton und Komponenten miteinander zu verbinden. Kabel in drei Größen, um die Komponenten an die Batterie anzuschließen. Um die Elektronik zugänglicher und unterhaltsamer zu machen, wurden die verschiedenen Komponenten überdimensioniert und mit einer unverwechselbaren Form und Farbe versehen.

Animate ist so konzipiert, dass es den Kindern völlige Freiheit bietet, indem es ihnen Werkzeuge und ein Methodenheft zur Verfügung stellt, um ihnen zu helfen, ihr kreatives Potenzial ohne Einschränkungen zu entwickeln.

RumpelKumpel von Maita Petersen

Die Idee ist, das Sammelverhalten von Kindern zu stärken und zu unterstützten, sie neugierig auf die Welt zu machen und Freude daran hervorzurufen, ihre Umwelt zu entdecken und wahrzunehmen. Der Schubladenschrank für Kinder lässt sich aus verschiedenen Modulen je nach Anforderung und Sammelleidenschaft individuell konfigurieren. Darüber hinaus ist jeder „RumpelKumpel“ mit Spanngummis, Geheimfach sowie Briefkastenschlitz ausgestattet. Er lädt die Kinder zum Sammeln, Sortieren, Ordnen und Vergleichen ein. Dadurch wird die Entwicklung, wie Merkmale zu erkennen und Kategorien zu bilden, spielerisch gefördert.

Der RumpelKumpel schafft im Inneren einen Raum, der allein dem Kind gehört. Von außerhalb ist eine Interaktion von anderen erwünscht: Durch den Briefkastenschlitz kann dem Kind eine Nachricht zugesteckt werden und durch die Spanngummis lässt sich das äußere Erscheinungsbild verändern. Wenn das Kind den RumpelKumpel öffnet, taucht es ein in eine Welt aus Besonderheiten, Geheimnissen und Geschichten, die die gesammelten Gegenstände zu erzählen haben.

Hoka von Florian Prader

„Hoka“ ist ein multifunktionaler Hochstuhl aus Nussholz. Ziel war es, einen mitwachsenden und langlebigen Hochstuhl zu kreieren, der das Kind bei der Entwicklung neuer Fähigkeiten unterstützt. Das Design schlägt eine Brücke zwischen Kinder- und Erwachsenenwelt, da es sowohl die Bedürfnisse des Kindes erfüllt, als auch eine erwachsene Formensprache verkörpert, die sich nahtlos in den Essbereich einfügt.

Das Besondere an Hoka ist, dass der Hochstuhl mit wenigen Handgriffen zum Lernturm wird. Der Lernturm bildet eine erhöhte Plattform, von der aus das Kind beobachten und vor allem mithelfen kann. Das Prinzip stammt aus der Montessori-Pädagogik und folgt dem Leitsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“. Das Kind soll in den gesamten Kochprozess inkludiert werden und durch die selbstständig erlernten Fähigkeiten mehr Selbstvertrauen und ein Verständnis für den Wert von Lebensmitteln erlangen.

Big Book von Roberta Russi Musetti

„Big Book“ ist ein Buch im Kinderformat, groß genug für Kinder, um „einzutreten“ und es zu erleben. Statt geschriebener Geschichten enthält das Buch Szenographien, die dem Kind als Hintergrund dienen, um seine eigenen Geschichten zu kreieren. Die Kinder können durch die Seiten blättern und von einer Szenografie in eine andere reisen.

Dipen von Hieu Vu Con

Diabetes ist eine weit verbreitete Volkskrankheit. Das innovative Injektionsset ist für Kinderdiabetes so konzipiert, um die Nutzung beziehungsweise den Umgang mit der Therapie zu vereinfachen. Die Idee: Ein medizinisches Gerät als Spielzeug zu tarnen. Das Besondere bei „Dipen“ liegt beim Stempel, eine Art Erinnerungsfunktion ohne App, die die Kinder beim Selbstmanagement unterstützen. Dies hilft den Eltern oder Betreuern zusätzlich bei der Kontrolle, ob das Kind sicher schon injiziert hat oder nicht.

Durch den Stempel kann man nach der Injektion die Einstichstelle sofort markieren und bis zur nächsten Injektion erinnern und die Abstände der Stelle besser einschätzen. Die unsichtbaren Nadeln sowie die ergonomische Form von Dipen macht es komfortabel bei der Nutzung. Das Wichtigste von Dipen ist, dass die Kinder bei der Injektion mit Lust und Spaß dabei sind, was die Therapietreue steigert.

Galop von Darius Zalzadeh

Das Erscheinungsbild des Schaukelpferdes ist geprägt von der schwungvollen Linienführung des Gestelles und dessen außergewöhnlich schlichter und zeitloser Form. Der elegante Schwung des gebogenen Stahlrohrgestells präsentiert in dessen Zentrum, scheinbar schwebend, die ergonomische und dreidimensional geformte Sitzschale aus Formholz. Die fließend in eine Rundung übergehende Sitzfläche ermöglicht es dadurch kleineren Kindern, weiter vorne Platz nehmen zu können.

(Alle Texte zu den Designideen stammen von der Jury.)