Verhalten, aber aussichtsreich!

Die Lage auf den Messen hat sich noch nicht entspannt. Jetzt heißt es: dran bleiben, neue Attraktivität entwickeln und die Vorzüge deutlicher herausarbeiten!

Während in den letzten Jahren die Corona-Pandemie das Messegeschehen unmittelbar bedrohte und unnachgiebig beutelte, ist der Alltag inzwischen zurückgekehrt. So hätte alles in altbekannte Fahrwasser zurücklaufen können.

Anstatt dessen scheint sich aber ein „new normal“ zu festigen, dass nicht nur unter den Nachwehen mancher Marken­abgänge leidet, sondern zugleich durch neue Herausforderungen wie Klima, Krieg und knappe Moneten gezeichnet ist. Für Veranstalter mitnichten eine leicht zu schulternde Situation.

Für Händler stellen sich zugleich ganz andere Fragen als die, ob die Zahl ausgestellter Kollektionen zurückgeht oder die Quadratmeterpreise trotz geringerer Fachbesucherzahlen weiter steigen.

Hier drückt die Onliner insbesondere ihre Hybris gedacht zu haben, dass sich die starken Zuwächse während der Corona-Pandemie einfach so fortschreiben ließen, und deren Frohlocken, dass auch die letzten Konsumenten das digitale Ordern nicht nur erlernt hätten, sondern dieses künftig auch weiter bevorzugen würden.

Internationale Messen und deutschsprachige Ordertage Mitte 2023 nach Anzahl der ausgestellten Marken. Quelle: Childhood-Business-Fair-Database
Internationale Messen und deutschsprachige Ordertage Mitte 2023 nach Anzahl der ausgestellten Marken. Quelle: Childhood-Business-Fair-Database

Die Geschäfte rütteln sich zurecht und dabei eben auch einen Gang zurück. Gutes Management sollte das handhaben können. Volle Läger aber drücken auf Margen, Markt und Preise. Und nicht überall gibt es eben tatsächlich ein gutes Management … 

Auch die Offliner haben ja profitiert. Nicht alle gleichermaßen, wie so manche Insolvenz zeigt. Kleinere Stores haben aber ein Revival erlebt. Große hingegen hadern mit dem Verbleichen ihrer einstigen Strahlkraft und zaudern dabei, sich neu zu beleben. Zumal das Thema der Lauffrequenz in den Innenstädten ein Problem ist, dass keiner allein, sondern alle nur gemeinschaftlich angehen können.

Viele aber haben den eigenen Online-Shop, die Kundenbindung durch Social Media und Omnichannel beherzter angepackt als noch in den Jahren zuvor. Dennoch drücken insbesondere knappere Budgets bei steigender Inflation und nach horrenden Energiekosten für das winterliche Heizen auf die Kauflaune.

Dabei kann die Branche sich noch glücklich schätzen, dass Eltern ihre Kunden sind, die bei der Geburt ihres ersten Kindes älter als in früheren Generationen sind und zugleich eine höhere Ausgabebereitschaft haben, um die Kleinen auszustatten. Am Kind spart die Familie als letztes.

Unter diesen heterogenen Einflüssen müssen die Orderveranstaltungen ihre Anziehungskraft beweisen und ihre Strahlkraft heraussenden, auf dass Marken und Menschen die Messen nutzen und besuchen. Auch wenn eine frühe Analyse kurz vor Start einer Messesaison noch Unsicherheiten birgt und Aussagen zum Besucherzuspruch noch fehlen müssen – das große Bild zeichnet sich bereits ab.

Und das zeigt keine nennenswerte Erholung. Im Gegenteil: Schon die gerade noch 1.297 Marken, die Anfang 2023 vorgestellt wurden, werden jetzt im Sommer nicht etwa im Rahmen einer zunehmenden Normalisierung der Lage gesteigert. Tatsächlich sinkt die Zahl auf 1.160 Labels ab, was einem Minus von 10,6 Prozent entspricht.

Insgesamt kommen die Veranstalter der von uns beobachten Messen und Ordertage auf 1.790 Marken­anmeldungen. Dabei ist Blue Seven unter alle Brands in Europa in Bezug auf Messeteilnahmen weiterhin am aktivsten. Hierzu gesellt sich das dänische Label Wheat, das diesen Sommer erstmals auf der Indx Kids in Großbritannien vorstellig wird und so auf insgesamt sieben erfassten Veranstaltungen zu sehen ist.

Schon dieses Spitzen­doppel zeigt die Veränderung, gehörten noch vor einem halben Jahr fünf Anbieter in diese Gruppe. Dass die Liste der aktivsten Kinderbekleidungsmarken von deutschen Anbietern dominiert wird, ist mitnichten ein Zeichen großer Markenvielfalt oder eines ständigen Nachwuchses an frischen Labels.

Im Gegenteil ist Deutschland im besten Fall „konstant“, tatsächlich aber im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn auffällig innovationsarm und gründungsfaul. Nein, hier spielt rein, dass es in Deutschland eben keine Leitveranstaltung, nicht mal eine richtige Messe gibt, sondern eine Struktur regionaler Order­termine.

Und auch wenn es im Ausland lebendiger zugeht, wobei derzeit natürlich auch dort deutlich gedämpft, so sind es ja junge Marken, die debütieren, und das zyklusgerecht natürlich nur auf ein oder zwei Veranstaltungen und nicht gleich auf einer Handvoll.

In diesem Umfeld aber gibt es auch Bewegung. So hat die Supreme Kids ab sofort Eugen Chakh­novitch, den Ex-Head of Sales der CWF Group, auf der Gehaltsliste. Ziel ist es, die Messe groß zu machen und als „Trade Show Nummer 1 für Kindermode in Europa“ zu etablieren. Das ist mal ein State­ment. Aber auch ein dickes Brett! In einem halben Jahr schauen wir auf die ersten Erfolge. 

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