Zahlen zum Markt der Kinderbekleidung sind entweder zu allgemein, zu speziell oder zu ungenau. Daher fußen viele Einschätzungen auf schwachen Annahmen.

Problemfaktor: Marktdaten
Problemfaktor: Marktdaten

Wer anhand von Marktdaten Einschätzungen und Prognosen treffen möchte, hat es im Bereich der Kindermode nicht einfach. Relevante Marktdaten sind schwer zu bekommen. Und die Schwierigkeit beginnt schon damit, den relevanten Markt überhaupt einzugrenzen. Baby- und Kinderbekleidung umfassen nicht nur bereits die beiden Sektoren Babys und Kinder, die mithin durch verschiedene Hersteller, Marken und unterschiedliche Absatzkanäle geprägt sind. Bei der Kinderbekleidung gibt es mit dem Eintritt in das Teenager-Alter überdies einen Strukturwechsel der Marken und Anbieter, sodass sich zwar Alters- oder Größengrenzen ziehen lassen, Maßzahlen sich aber aus so unterschiedlichen Marktsegmenten zusammensetzen, dass die Aussagekraft gering ist.

Der direkte Zugriff auf Unternehmenszahlen im Vergleich mit mehr oder minder geschätzten Zahlen von Wettbewerbern oder auf Erfa-Gruppenergebnisse hat seine Berechtigung in so manchen Anwendungsfällen, bietet aber in der Regel nicht einmal im eigenen Segment eine ausreichende Gesamtschau und erlaubt es nicht, größere Aggregationen und Teilsegmentierungen valide zu erstellen. Einer Einschätzung des Instituts für Handelsforschung (IFH) zufolge lag der Umsatz mit Baby- und Kinderbekleidung in Deutschland 2016 bei etwas über 3,6 Milliarden Euro. Kinderschuhe kommen darüber hinaus auf gut 1,2 Milliarden Euro in 2016. Doch was kann man aus diesen Angaben diesseits einer allgemeinen Einordnung der Gesamtbranche tatsächlich ableiten? Nicht nur braucht es detaillierte Daten für Teilbereiche der Bekleidungs- oder Schuhsegmente. Auch müssten solche vorliegen, mit denen sich die Herstellerstrukturen und Absatzkanäle genauer einschätzen lassen – und das auch noch für immer feiner verästelte Teilsegmente.

Doch wie groß ist der Anteil über Textil- und Lebensmittel-Discounter abgesetzter Bekleidung tatsächlich? Welchen Anteil haben Drogerieketten an der Babybekleidung? Wie viel Volumen liegt bei den Vertikalen? Und wie groß ist der relevante oder „überhaupt zugängliche“ Markt für unabhängige Mittelständler, wenn das Geschäft der Discounter und Vertikalen aus der Gesamtgleichung in Abzug gebracht werden muss? Allein schon die Frage nach der Anzahl im Markt aktiver Einzelhändler führt im Vergleich von unternehmenssubjektiven Schätzungen, Verbandszahlen zum Beispiel des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) und übergreifenden Marktrecherchen wie durch Childhood Business zu deutlich voneinander abweichenden Ergebnissen. An der Datenlage kann die Redaktion nichts ändern. Wir werden aber künftig vermehrt zugängliche Daten aufbereiten und publizieren.


Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Der eben gelesene Beitrag
Problemfaktor: Marktdaten
erschien in der gedruckten Ausgabe 01 / 2018 von Childhood Business vom 11.01.2018 auf Seite 31

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