Jahr für Jahr – weihnachtet es. Und ebenso erreicht uns Jahr für Jahr eine andere Kunde: Windeln.de braucht erneut frisches Kapital, damit am Ende nicht doch noch die Lichter ausgehen. So teilte der Vorstand des börsennotierten Unternehmens Windeln.de jüngst mit, dass „anzunehmen ist, dass ein Verlust in Höhe von mehr als der Hälfte des Grundkapitals der Gesellschaft eingetreten ist“. In einer solchen Situation ist ein Unternehmen verpflichtet, seine Aktionäre unverzüglich zu einer Hauptversammlung einzuladen.

Logo der Marke Windeln.de
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In den letzten Jahren wurde das Erreichen der Gewinnschwelle von Windeln.de schon mehrfach in Aussicht gestellt – doch nie erreicht. Dabei hatte man 2020 noch frohlockt, dass Windeln.de – zumindest hierzulande – zu den Corona-Gewinnern zähle, weil der Umsatz kräftig gestiegen sei.

Zeitgleich hatte man bis Ende Dezember 2020 die Komplexität reduziert, indem man das Produktangebot von 53.000 auf 12.000 Produkte, vermutlich auf besonders profitable, zusammenstrich.

Doch all diese Aktivitäten sowie die zwischenzeitlich erneut erfolgten Kapitalmaßnahmen im Oktober 2020 und März 2021, die rund vier Millionen Euro frisches Kapital einbrachten, reichten nicht aus, um das 2010 gegründete Unternehmen nach mehr als einer Dekade endlich und erstmals in eine profitable Zone zu bringen.

Tatsächlich musste das Unternehmen bereits Anfang August 2021 mitteilen, dass das vom Vorstand für das Geschäftsjahr 2021 prognostizierte „starke Umsatzwachstum“ ausblieb. Dazu wurde erklärt: „Das Geschäft mit Zwischenhändlern und Firmenkunden konnte jedoch im zweiten Quartal 2021 nicht wie geplant weiter ausgebaut werden und auch die Umsätze über die neuen Vertriebskanäle entwickelten sich nicht wie erwartet.“

Das ganze führte zu einem deutlichen Rückgang des Umsatzes im ersten Halbjahr 2021, der sich nach ersten Berechnungen auf nur noch rund 33 Millionen Euro belief, also mitnichten stark anstieg, sondern tatsächlich – im Vergleich zu den 50 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2020 – stark fiel.

Die Dinge weiterhin positiv zu sehen, daran hält Vorstand um Matthias Peuckert unbeirrt fest. So hielt er es im August 2021 weiterhin „für realistisch, die Gewinnschwelle auf Basis des bereinigten EBIT in 2022 zu erreichen.“

Doch schon im August wurde ein zusätzlicher Liquiditätsbedarf zur Finanzierung des Aufbaus an Vorratsvermögen angekündigt.

Daher braucht es nunmehr erneut frisches Kapital – und weiterhin erwartungsfrohe Aktionäre. Denn allein zwischen 2014 bis 2020 kumulierte sich das Ergebnis nach Steuern auf einen stattlichen Gesamtverlust von 178,4 Millionen Euro.

Aktionärsstruktur von Windeln.de im Mai 2021
Aktionärsstruktur von Windeln.de im Mai 2021

Um der finanziellen Entwicklung des Unternehmens im Geschäftsjahr 2021 und der Planung für das Geschäftsjahr 2022 Rechnung zu tragen, prüft der Vorstand derzeit die Durchführung von weiteren, kurzfristig umzusetzenden Kapitalmaßnahmen, die der bevorstehenden außerordentlichen Hauptversammlung zur Beschlussfassung vorgeschlagen werden sollen.

Gestern hatten Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen haben, am 28. Januar 2022 eine außerordentliche Hauptversammlung in Form einer virtuellen Hauptversammlung einzuberufen. 

Hier wird der Vorstand den erwarteten Eintritt des Verlusts in Höhe von mehr als der Hälfte des Grundkapitals der Gesellschaft anzeige. Zudem werden Vorstand und Aufsichtsrat den Aktionären vorschlagen, eine Kapitalherabsetzung zu beschließen, die in zwei Schritten durchzuführen sein soll.

  1. Erstens soll das Grundkapital durch Einziehung von zwei Aktien im vereinfachten Verfahren herabgesetzt werden.
  2. Zweitens soll die Hauptversammlung eine ordentliche Kapitalherabsetzung im Verhältnis 3:1 zum Zwecke der Deckung von Verlusten beschließen.
Matthias Peuckert, CEO von Windeln.de
Matthias Peuckert, CEO von Windeln.de

Darüber hinaus soll eine Erhöhung des herabgesetzten oder, falls die Kapitalherabsetzung nicht von der Hauptversammlung beschlossen werden sollte, des bestehenden Grundkapitals im Wege einer ordentlichen Kapitalerhöhung gegen Bareinlagen unter Wahrung der Bezugsrechte der Aktionäre mit einem angestrebten Bruttoemissionserlös von sieben Millionen Euro beschlossen werden.

Die Bezugsfrist soll zeitnah nach Eintragung der vorgeschlagenen Kapitalherabsetzung in das Handelsregister beginnen. Falls die vorgeschlagene Kapitalherabsetzung nicht beschlossen werden sollte, soll die Bezugsfrist zeitnah nach der Hauptversammlung beginnen.

Details zum Bezugspreis, zu der konkreten Anzahl der im Rahmen der Bezugsrechtskapitalerhöhung maximal auszugebenden neuen Aktien und zum Bezugsverhältnis werden vor Beginn der Bezugsfrist mitgeteilt.

Zur Entwicklung des Unternehmens teilt der Vorstand mit, dass die Gesellschaft in den vergangenen Jahren erhebliche bilanzielle Verluste verzeichnet hat. Die Gesellschaft strebt jedoch weiterhin an, die Gewinnschwelle auf Basis des bereinigten EBIT auf Konzernebene im Geschäftsjahr 2022 zu erreichen.

Ziel der von Vorstand und Aufsichtsrat vorzuschlagenden Kapitalmaßnahmen ist vor diesem Hintergrund die Deckung des für das Geschäftsjahr 2022 ermittelten zusätzlichen Finanzierungsbedarfs in Höhe von sechs bis sieben Millionen Euro, um die Zahlungsfähigkeit für das Geschäftsjahr 2022 sicherzustellen beziehungsweise einen Liquiditätspuffer zu haben und den Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können.

Darüber hinaus wird der außerordentlichen Hauptversammlung die Beschlussfassung über eine Verkleinerung des Aufsichtsrats auf drei Mitglieder vorgeschlagen werden.

Die vollständige Einladung zur außerordentlichen Hauptversammlung von windeln.de, einschließlich der Tagesordnung, wird voraussichtlich am oder um den 20. Dezember 2021 im Bundesanzeiger und auf der Internetseite der Gesellschaft veröffentlicht.

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