„Kaufmannsblut hat Ebbe und Flut“

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Nicole Timm
gründete ihre Agentur 2005 und beschäftigt heute drei Vollzeit- und fünf Teilzeitmit­arbeiterinnen. Ab Mai eröffnet sie in München einen zweiten Showroom. Hier mit Schnee­anzug von
Racoon.

Childhood Business: Welche sind Ihre Brot-und-Butter-Marken und wonach entscheiden Sie bei neuen Labels? 

NT: Die Marken Phister & Philina, Racoon und Wheat sowie Mikk-Line sind nach wie vor meine Umsatzbringer. Mit Phister & Philina sowie Racoon bin ich jetzt seit zehn Jahren auf dem deutschen Markt aktiv. Und ich freue mich noch immer, diese Marken weiterhin zu stärken. Ich bin sehr an den Produktionen interessiert, an der Herkunft und den Bedingungen vor Ort. Daher habe ich neben den skandinavischen Marken den Bereich GOTS mit Sense Organics, Little Green Radicals, Natubini und Frugi weiter ausgebaut. Als Unternehmerin sollte man gerade im Bereich Kindertextilvertrieb auf Nachhaltigkeit und Fair Trade achten.

CB: Ist es nicht immer auch ein Problem, als Agentur zu erfolgreich zu sein? Einfach weil Ihre Auftraggeber eines Tages die Rechnung aufmachen und meinen, mit einem eigenen Außendienst künftig günstiger zu arbeiten?

NT: Natürlich droht die Gefahr. Mein Großvater sagte immer: Kaufmannsblut hat Ebbe und Flut. Aber ich glaube, ich biete als Agentur durch meine interne Struktur mit eigenen Mitarbeitern für Marketing, PR und IT viele Vorteile. Und ich bin mit meinem Team immer auf dem deutschen Markt vor Ort. Das können meine skandinavischen Marken in dieser Form nicht ohne einen weitaus höheren Einsatz als den meiner Provision leisten.

CB: Was machen Sie anders als andere Handelsagenturen, dass Sie derart wachsen? Allgemein ist das Segment ja eher unter Druck. 

NT: Ich schätze meine Kollegen sehr und ziehe den Hut vor jedem, der in unserer Branche tätig ist. Ich habe durch harten Arbeitseinsatz mittlerweile eine gewisse Größe erreicht, bei welcher der Verlust einer Marke nicht mehr so ins Gewicht fällt, als wenn man nur drei oder vier Marken betreuen würde. Ich würde mich als mutige Unternehmerin bezeichnen, die auch mal ein Risiko eingeht und sich etwas traut, aber auch Rückschläge in Kauf nimmt. Das Herz der Agentur ist mein Team, auf das ich mich in allen Situationen verlassen kann und das hinter mir und meinen Entscheidungen steht.

CB: Welche Veränderungen sehen Sie auf Handelsagenturen in den kommenden Jahren zukommen?

NT: Agenturen werden sich besser aufstellen müssen und noch mehr Marken im Portfolio haben, denn der Trend bei den Einkäufern geht dahin, mit immer weniger Ansprechpartnern das nötige Sortiment abzudecken.

CB: Aktuell planen Sie einen zweiten Standort in München. Wen haben Sie als Standortleiterin gefunden und wie eng oder losgelöst wird sie von Ihnen arbeiten können?

NT: Anfang Mai 2017 öffnet unser Showroom im Münchener MTC im Haus 3. Ich habe das große Glück, mit Laura Grosser, eine sehr engagierte und branchen­erfahrene Mitarbeiterin gewonnen zu haben. Ich kenne sie seit sechs Jahren durch ihre Tätigkeit als Einkaufsleiterin Kindertextil bei Limango. Ich habe sie als zuverlässige und motivierte Mitarbeiterin schätzen gelernt. Laura verkörpert die gleichen Werte wie auch mein Team. Wir stehen mit Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Schnelligkeit, Loyalität und Freundschaft unseren Kunden und Marken gegenüber. Bei uns darf und soll in den Terminen auch gelacht und auch einmal ein Prosecco getrunken werden. Wir sind stolz und froh darüber, nicht nur Geschäftspartner zu sein, sondern mit vielen Kunden wahre Freundschaften zu pflegen. Das ist mir wichtig, denn diese persönlichen Kontakte machen mir an meinem Job am meisten Freude. Wir haben alle Zugriff auf Kalender und Kundenlisten, sodass der Standort unbedeutend ist. Lauras Arbeitsweise ist deckungsgleich mit unserer und wir stimmen uns täglich ab. Aber natürlich hat sie auch in vielen Dingen freie Hand und mein Vertrauen.

CB: Handelsagenturen nutzen eher Sub-Agenturen. Warum installieren Sie ein eigenes Büro?

NT: Der Vorteil besteht darin, dass die Corporate Identity der Agentur in Gesamtdeutschland gleich ist und wir so die Kunden, egal in welcher Region, mit einem ungeteilten Einsatz betreuen.

Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. „Kaufmannsblut hat Ebbe und Flut“
erschien in der gedruckten Ausgabe von Childhood Business:
Ausgabe 04 / 2017 vom 21.04.2017 auf Seite 94
Hier geht es zu weiteren Beiträgen aus der Ausgabe.
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