Starke Mode aus Spanien

Boboli, das ist ein erfolgreiches Familienunternehmen mit zwei Kollektionen pro Jahr, sechs Linien und über 800 Styles pro Saison. Auch in Deutschland ist die Marke ein Begriff, Nicht zuletzt dank der Handels­vertretungen. Childhood Business sprach mit Mónica Algás, die die Firma zusammen mit ihrer Schwester Arancha führt.

Zum Ende des Jahres 2017 vermeldete der spanische, in Barcelona angesiedelte Kinderbekleidungshersteller Boboli ein stattliches Umsatzplus von zwölf Prozent für das abgelaufene Jahr. Insgesamt beliefen sich die Umsätze des Unternehmens auf knapp 44 Millionen Euro. Neben einem starken Heimatmarkt spielen Auslandsmärkte wie Italien, der wegen des ähnlichen Modegeschmacks den größten Anteil des internationalen Umsatzes beisteuert, bereits an zweiter Stelle Deutschland und ferner Portugal, Mexiko, Polen und Griechenland eine wichtige Rolle. Das internationale Geschäft hatte in 2017 bereits einen Anteil von rund 43 Prozent. Boboli (www.boboli.es) ist in mehr als 60 Ländern weltweit präsent.

 

Das 1981 gegründete und von Mónica und Arancha Algás geleitete Familienunternehmen ist mit seinen rund 250 Mitarbeitern schon seit 2013 auf einem zweistelligen Wachstumskurs, der sich auch in den kommenden Jahren mit geplanten Steigerungen um jährlich zehn bis 20 Prozent fortsetzen soll. Um diese Ziele zu erreichen, setzen die beiden Unternehmerinnen noch stärker auf das Ausland. Aktuell gibt es mehr als 1.700 Handels­partner weltweit, rund 150 eigene Retails mit eigenen Shops, Franchises, Shops-in-Shop und Marken-Cornern.

International und digital

Wichtige Treiber für den internationalen Erfolg sind der Multilabel-Kanal, der bereits für mehr als die Hälfte des Umsatzes verantwortlich ist, und der E-Commerce, der den Omni-Channel-Vertrieb stärkt. Dazu baut das Unternehmen ein kleines Team auf, um sich auf die Anforderungen des Marktes einzustellen und das lokale Geschäft vor Ort durch unterstützende Markenpromotion zu stärken. Für Januar  2018 ist der erste starke Auftritt in China auf der Tmall-Plattform von Alibaba vorgesehen. Ein Ausdruck der Konzentration auf den internationalen Handel ist auch die Abstinenz von der FIMI, der wichtigsten Kindermodemesse im eigenen spanischen Markt. Die heimischen Absatzchancen gelten als weitestgehend gesättigt. Das Haus setzt daher vor allem auf internationale Messebeteiligungen, um sich den Kunden direkt vor Ort zu präsentieren. Dabei nutzt das Unternehmen nicht nur lokale Repräsentanten, sondern unterstützt diese durch den Auslandsvertrieb direkt vor Ort. Boboli ist im Januar 2018 unter anderem in Deutschland auf Events wie der Kids Now, der Kindermoden Nord und der Supreme Kids, in Italien auf der Pitti Bimbo und in den Niederlanden auf einem der beiden neuen Ordertage, der Just Kidz in Amsterdam, zu sehen.

Childhood Business: Was zeichnet Boboli als spanischen Hersteller für Kindermode aus?

Mónica Algás: Bei uns steht das Produkt immer an erster Stelle. Wir ziehen inzwischen seit über 30 Jahren

Mónica Algás ist seit 20 Jahren CEO von Star Textil, dem in Barcelona beheimateten Hersteller von Boboli. Sie hat Ökonomie studiert, ist mit einem Deutschen verheiratet, dreifache Mutter und spricht – passend für das international aufgestellte Unternehmen – vier Sprachen. Aus dem ursprünglichen Markennamen Bóboli wurde inzwischen der Akzent gestrichen, um im stark wachsenden internationalen Geschäft eine einfachere Schreibweise durchzusetzen.

Kinder an – und das in schönen Qualitäten, innovativen Designs und mittels einer unverwechselbaren DNA.

CB: Und wie unterscheiden Sie sich von den in Deutschland ebenfalls sehr präsenten Marken Mayoral und Losan

MA: Unsere Looks haben Persönlichkeit. Wir wollen die Kinder ebenso bequem wie anspruchsvoll anziehen. Als Familienunternehmen sind wir auch viel näher an unseren Handelspartnern. Professionalität, Persönlichkeit und Nähe sowie Flexibilität sind unsere Stärken.

CB: Wie kommt es, dass Boboli nicht mehr auf der spanischen Landesmesse FIMI ausstellt? 

MA: Die FIMI war für uns in der Vergangenheit durchaus eine gute Plattform, um sich zu präsentieren und neue Kunden zu gewinnen. Doch heute sind wir viel internationaler, sodass für uns andere Messen wichtiger geworden sind.

CB: Boboli hat sich in den letzten Jahren international sehr erfolgreich entwickelt. Vor welche Herausforderungen ist Ihr Unternehmen gestellt, wenn Sie so unterschiedliche Märkte bedienen? 

MA: Für uns steht immer eine für alle Partner herausragende, kommerziell und modisch starke Kollektion im Fokus. Dabei stellen wir uns den herausfordernden Markttrends, entwickeln uns immer weiter, ohne aber unsere Marken-DNA zu verleugnen. Unsere Kollektionen zielen darauf, Besucherfrequenzen in den Geschäften zu schaffen. Und unsere engagierte Vertriebsmannschaft setzt alles daran, neue und treue Kunden ebenso professionell wie persönlich zu betreuen. Wir wollen schließlich gemeinsam und langfristig wachsen.

CB: Wie sehen denn Ihre Wachstumsziele aus? 

MA: Allein in Deutschland haben wir ungefähr 300 Kunden. Hier wollen wir gern um weitere 30 Prozent zulegen. Insgesamt haben wir uns vorgenommen, bis 2020 auf rund 70 Millionen Euro Umsatz zu kommen.

CB: In Deutschland sind Sie bei Karstadt mit Mono-Brand-Flächen vertreten. Dabei ist das Kaufhaus-Geschäft unter Druck.

MA: Department Stores sind weltweit unter Druck. Der Online-Handel setzt ihnen besonders stark zu. Mit ihrer enormen Erfahrung sollten sie sich darauf konzentrieren, wieder mehr Frequenzen auf ihren Flächen zu schaffen und sich nicht durch Rabattaktionen und Niedrigspreisstrategien zu schaden. Das ist nicht nachhaltig. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist El Palacio de Hierro in Mexiko. Bei diesem Wandel bieten wir uns als enger Partner an. Gemeinsam entwickeln wir Produktalternativen, unterstützen besondere Aktivitäten und helfen zu differenzieren. Auch unsere Mode ist nicht beliebig, sondern individuell. Wer die Bedürfnisse seiner Kunden versteht und eine darauf zugeschnittene Strategie hat, den unterstützen wir.

CB: Viele Unternehmen fassen nur schwer in Deutschland Fuß. Was machen Sie anders? 

MA: Unsere Produkte, Designs  und die Qualität stimmen. Und ganz wichtig ist die Vertriebsarbeit vor Ort. Hier arbeiten wir mit sehr professionellen Vertretern, wir sprechen mit den Kunden und wir hören dabei intensiv zu.

CB: Und wie umfangreich ist die neue AW-18-Kollektion? 

MA: Unsere Designerinnen denken global und nehmen die aktuellen Trends auf, um eine innovative Kollektion zu entwerfen. Diese umfasst rund 800 Teile und hat damit für jedes Land und jede geschmackliche Vorliebe etwas parat. Unsere stärksten Produkte sind übrigens fast immer in allen Märkten ein Renner.

CB: Dennoch unterscheiden sich die Vorlieben der Eltern. Wie sind Ihre Erfahrungen mit Deutschland? 

MA: In der Tat. Und nicht nur jedes Land ist anders, auch innerhalb Deutschlands gibt es Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden. Kinder in Osteuropa suchen eher klassisch-elegante Bekleidung, gern mit ein bisschen Bling-Bling. In Deutschland gefällt der kindlich-spielerische Boboli-Flair. Wichtig sind hierzulande ein bequemer Schnitt und auch, dass Kinder noch Kinder bleiben. Sie werden weniger aufgebrezelt. Auch zeigt man anders als in Spanien nicht so viel Haut. Die Muster jeder neuen Kollektion werden den Vertretern aus den umsatzstarken Ländern von den Designern vorgestellt und im Detail diskutiert. Das stellt sicher, dass wir unsere Kollektionen landesspezifisch an- passen.

CB: Ist Ihre Sommer- oder Winterkollektion stärker? 

MA: Beide Kollektionen sind sehr gut, aber unsere Frühjahr/Sommer-Linie ist die stärkere. Sie ist bunter und birgt noch mehr Fantasie. Sie erinnert an Sonne, an Sommer und Wärme. Gerade Kleider funktionieren immer sehr gut.

CB: Und wie managen Sie die Erstellung einer auch in Deutschland funktionierenden Winterkollektion, wo die klimatischen Bedingungen bei uns so ganz anders sind als bei Ihnen in Barcelona?

MA: Wir entwickeln ja immer eine globale Kollektion. Und da spielt das herrliche spanische Wetter eine untergeordnete Rolle. Für den Herbst/Winter 2018 haben wir sogar Daunenjacken im Programm.

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