Zahlen zur Playtime Berlin und wie Berlin zur Nummer eins werden könnte

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Der Eingangsbereich der Playtime Berlin geht typisch für die Größe der Stadt leicht unter. Drinnen aber brummte es.

Wer die Playtime Berlin Anfang Juli 2017 selbst besucht hat, war beeindruckt. Ein Newcomer wagt sich auf den deutschen Markt, auf dem sich schon etablierte Anbieter wie die Bread & Butter, Igedo oder Koelnmesse, aber auch das Magazin Luna mit der Cookies Show in 2015, bisher vergeblich bemüht hatten. Und aus dem Stand heraus gelingt dem Pariser Veranstalter Picaflor ein starker Auftakt: Mehr als 1.200 Besucher, 1.236 um genau zu sein, haben die erste Veranstaltung des Playtime-Formats in der deutschen Hauptstadt besucht.

Der Ort im Palazzo Italia war gut gewählt, nicht zu groß und genau passend, um die rund 130 Marken unterzubekommen. Kein Stand dominierte, da die Organisatoren Wert darauf legen, ein ausgeglichenes Erscheinungsbild zu präsentieren und neuen, kleineren und etablierten Designern gleiche Chancen zu bieten. Anfragen von Handelsvertretungen nach größeren Ständen, um mehrere Marken zu präsentieren, wurden abschlägig beschieden. Allerdings ließen sich mehrere kleine Stände buchen, um diesem Dilemma zu entgehen. Aber das war dann auch eine Kostenfrage.

Blick ins Atrium der Playtime Berlin. Weitere Stände waren im ersten Stock verteilt.

Blick ins Atrium der Playtime Berlin. Weitere Stände waren im ersten Stock verteilt.

Wer in Deutschland auf den etablierten Ordertagen gängige Marken suchte, musste schon genau hinschauen. Für hiesige Aussteller erscheinen die Kosten von rund 200 Euro pro Quadratmeter ungewöhnlich hoch. Aussteller, die bereits auf der Playtime Paris ausstellen und mit nach Berlin gekommen sind, kennen es nicht anders. Und auch wer sein europaweites Messedebut nunmehr in Berlin wahrnahm, weil er bisher auf der Pariser Warteliste stand, war ebenfalls entsprechend vorkonditioniert. Daher war das Ausstellerfeld zu großen Teilen international geprägt.

Zugleich war es auch beabsichtigt, sich deutlich vom Spektrum der Ordertage wie einer Supreme Kids in München abzusetzen. Denn dadurch erlangt die neu auf den Markt drängende Messe ein eigenständiges Profil. Geprägt ist es vor allem durch kleinere Labels, die verstärkt auf Concept Stores, gut sortierte Boutiquen und Online-Specialisten setzen. So manche Labels sind für den breiten und in Deutschland ohnehin etwas behäbigen Markt wahrscheinlich einfach zu klein und auch hinsichtlich der üblichen Geschäftsusancen noch zu unerprobt.

Schaut man zum Beispiel das Schuhsortiment der Messe an, einfach weil parallel ja auch die Cookies Show in Berlin mit einem Schwerpunkt auf Kinderschuhe neu startete, ergibt sich folgendes Bild: Neben einigen relevanten Anbieter wie Clic! Shoes oder Kavat sowie etablierten Marken wie Akido, Anna und Paul, Maá, Pololo oder Pom d’Api tummeln sich gleich eine ganze Reihe von hübschen, aber doch sehr kleinen Anbietern wie Kikü, Mia + Mika oder Woolenstocks. In der Menge von knapp 30 Marken größer als die neue Cookies Show, in der Marktrelevanz in Deutschland deutlich kleiner – aber an Anregungen links und rechts vom Standardsortiment stärker.

Konkret wird es das Publikum entscheiden. Und dieses war zum Auftakt sehr stark. Mit der Veröffentlichung der Besucherzahlen, die für die kommende Woche erwartet werden, wird sich deutlicher herausschälen, aus welchen Ländern sich die für die hiesigen Messen und Ordertage im Kindermodebereich erstaunlich hohen Besucherzahl speist. Auch hier darf der Veranstalter gelobt werden: Nach jeder Messe erfolgt eine ausführlich Aufbereitung der Besucherdaten, die sich in der Form nur mit der Pitti Bimbo vergleichen lassen.

Im Ergebnis zeigt sich, dass die Pariser Macher um die Geschwister Marie Czapska und Sébastien de Hutten erneut gezeigt haben, welches Gespür sie im Segment des Handels für Kindermode und -accessoires haben. Inzwischen betreiben sie nicht nur vier Messen in Hauptstädten auf drei Kontinenten, sondern mit Playologie auch eine feine Plattform für die digitale Order.

Horcht man sich unter Ausstellern und Besuchern um, gibt es zwei Wünsche: eine räumlich nähere Ausrichtung von der Cookies Show und Playtime Berlin sowie eine Ergänzung um eine Plattform im Teens-Bereich. Spannend wäre es, wenn einer der etablierten Veranstalter sein Format nach Berlin verlagerte. Das würde die Stadt künftig zur Destination Nummer eins machen.

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