Einfach beendet: Nach knapp sechs Jahren beendet Marc O’Polo die Zusammenarbeit mit der Kanz-Gruppe. Nun sitzt die Bielefelder Katag auf dem Chefsessel der Junior-Kollektion.
Einfach beendet: Nach knapp sechs Jahren beendet Marc O’Polo die Zusammenarbeit mit der Kanz-Gruppe. Nun sitzt die Bielefelder Katag auf dem Chefsessel der Junior-Kollektion.

Marc O’Polo beendet die Zusammen­arbeit mit der Kids Fashion Group. Überraschend wird Katag aus Bielefeld der neue Lizenzpartner für die Junior-Kollektion. 

Ende August 2019 wurde es Gewissheit, was sich bereits ein Jahr zuvor gerüchteweise in der Kindermodebranche angedeutet hatte. Die Junior Brands Group (JBG), die wie die Kids Fashion Group (KFG) zur Kanz-Gruppe gehört, verliert die Anfang 2014 gestartete Lizenzpartnerschaft für die Junior-Kollektion von Marc O’Polo (MOP). Neuer Partner wird die Katag aus Bielefeld, der in der Branche wichtigste und nach eigenen Angaben Europas größte Modedienstleister, der 350 mittelständische Modehäuser unter anderem mit Eigenmarken beliefert und bei der EDV, im Marketing und in den digitalen Medien unterstützt. Das von Vorstandschef Dr. Daniel Terberger geführte Familienunternehmen Katag versorgt die Anschlusshäuser nicht nur mit Drittmarken wie Garcia, Sanetta oder s.Oliver, sondern entwirft und verkauft preisgünstige Kindermodelinien der Eigenmarken Basefield, Staccato sowie die Lizenzlinie Jette, die von Jette Joop entworfen wird. 

Ohne Worte

In der offiziellen Mitteilung der Marc O’Polo AG verlor der bisherige Lizenzgeber kein Wort über die KFG. Dabei war das Multi-Brand-Unternehnen aus Pliezhausen für etwas länger als fünf Jahre Lizenzpartner und versuchte das Label nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland zu positionieren. Als die KFG noch auf der Pitti Bimbo ausstellte, gehörte die MOP-Kollektion zu den Brands, mit denen die KFG international wachsen wollte und um die sich das Haus bemühte, um die lange Zeit nur im deutschsprachigen Raum funktionierende Marke im Kids-Bereich auch international salonfähig zu machen. 

Bereits in in der zweiten Jahreshälfte 2018 kamen Gerüchte auf, dass die MOP-Lizenz auslaufen könnte. Doch sowohl die KFG als auch der Lizenzgeber ließen noch im August 2018 verlauten, dass die damaligen Verhandlungen eine weitere, gemeinsame Zukunft ergeben hätten. Susanne Schwenger, CPO von Marc O’Polo ließ sich wie folgt zitieren: „Der Vertrag mit unserem Lizenzpartner, der Kanz Financial Holding […], wurde erst vor kurzem verlängert. Wir freuen uns auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit und die nächsten Marc-O’Polo-Junior-Kollektionen.“

Der Umsatzanteil von Marc O’Polo Junior am Gesamtumsatz der Junior Brands Group habe im mittleren, einstelligen Prozentbereich gelegen, teilte Harald Hepperle, CEO der Kanz-Gruppe, auf Nachfrage von Childhood Business mit. 

Der ehemalige Unternehmensberater Harald Hepperle, Vater von zwei Kindern, beriet das Unternehmen Kanz, bevor er 2010 zur Umsetzung der empfohlenen Unternehmensstrategie als geschäftsführender Gesellschafter der heutigen Kanz Financial Holding in das Unternehmen einstieg. Letztes Jahr verlor das Haus die umsatzstarke Steiff-Lizenz, im August 2019 nun jene von Marc O’Polo.
Der ehemalige Unternehmensberater Harald Hepperle, Vater von zwei Kindern, beriet das Unternehmen Kanz, bevor er 2010 zur
Umsetzung der empfohlenen Unternehmensstrategie als geschäftsführender Gesellschafter der heutigen Kanz Financial Holding in das Unternehmen einstieg. Letztes Jahr verlor das Haus die umsatzstarke Steiff-Lizenz, im August 2019 nun jene von Marc O’Polo.

Eine eingespielte Zusammenarbeit endet ja selten grundlos. Dass die Lieferschwierigkeiten des Hauses auch die Marc-O’Polo-Junior-Kollektionen betrafen, bestätigt Hepperle, aber dass sie der Auslöser für die Beendigung gewesen sein könnten, verneint er: „Wir haben Ende 2018 die Produktionsstätten umgestellt und konnten dadurch MOP Junior in der Saison F/S-19 und H/W-19 innerhalb des Lieferfensters ausliefern. In den Jahren davor gab es bei MOP Junior sporadisch auch einmal Lieferverzögerungen.“ Auch die Übernahme der Tom-Tailor-Lizenz und eine mögliche Konkurrenzsituation habe keine Rolle gespielt: „Die bisherige Zusammenarbeit mit Tom Tailor hat auf die Entscheidung keinen Einfluss gehabt, zumal es sich bei der Junior Fashion GmbH [hier liegt die Tom-Tailor-Lizenz, Anm. d. Red.] um eine separate Gesellschaft handelt. Beide Marken werden von der Produktgestaltung bis hin zur Kommunikation am PoS autonom geführt.“ 

Dennoch kam das Ende der Lizenz für Hepperle nicht überraschend: „Wir haben gegenseitig einen guten, offenen Kontakt gepflegt. Eine langfristige Verlängerung der Lizenz war zu den Rahmenbedingungen derzeit für beide Seiten kein Thema.“ Überrascht hat ihn aber der Wechsel zur Katag, die aufgrund von Lieferbeziehungen mit mehreren Marken der Kanz-Gruppe einen guten Einblick in die MOP-Umsätze hat: „Hier sind wir tatsächlich überrascht worden. Wir haben mit der Katag hierzu noch nicht sprechen können“, gibt Hepperle zu Protokoll. 

So endet die Partnerschaft, die letztes Jahr noch verlängert wurde, nur ein Jahr später. Ganz regulär, wie auch Albert Fetsch, Sprecher der Marc O‘Polo AG, bestätigt. 

Terberger ist die neue Verbindung wichtig: „Kindermode ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil unseres Modegeschäfts“ und schiebt hinterher: „Wir halten es für verkehrt, die Kindermode den Discountern zu überlassen.“ Für ihn ist die neue Lizenz eine Chance, das „Portfolio im gehobenen Markt weiter auszubauen.“ 


Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Der eben gelesene Beitrag
Den Rücken gekehrt
erschien in der gedruckten Ausgabe 09-10 / 2019 von Childhood Business vom 19.09.2019 auf Seite 96

Hier geht es zu ausgewählten Beiträgen aus der Ausgabe. Nicht alle Inhalte sind Online zu lesen. Die komplette Ausgabe können Sie im Shop hier bestellen.