Marie 3 von Swandoo erzielte gute Testergebnisse beim ADAC.
Marie 3 von Swandoo erzielte gute Testergebnisse beim ADAC.

Ja, die Produktion in Fernost hält manche Überraschung wie Schadstoffe in Stoffen bereit. Doch wer wie Swandoo sorgsam nachbessert, wird belohnt.

Mit den neuerlichen Testergebnissen aus dem Herbst 2021 ging sicherlich ein Aufatmen durch die Mitarbeiterreihe bei Swandoo. Denn noch im April des Jahres mäkelten die Prüfer des ADAC nicht einfach nur, sondern monierten das Modell „Marie 2“ so kräftig, dass es am Ende mit einem „mangelhaft“ durchfiel.

Schlechte Testergebnisse führen selbst bei namhaften Anbietern mithin zu starken Umsatzeinbußen. Schlechte Testergebnisse können dabei gerade bei einem Newcomer die Anstrengung, überhaupt erst eine relevante Position im Markt zu erlangen, empfindlich beeinträchtigen.

Doch während mancher Anbieter schon mal versucht, ein solches Urteil einfach zu ignorieren, indem er das Produkt unverändert im Markt belässt – schließlich seien sie doch gesetzlich zugelassen – löst es bei seriösen Herstellern einen Analyseprozess aus.

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So musste nun also auch Swandoo reagieren. Bereits kurz nach der Veröffentlichung hatte die Redaktion von Childhood Business beim erst kurz zuvor von Mamas & Papas zu Swandoo gewechselten Key Accounter Lars Jäger nachgefragt, wie das Unternehmen mit den Ergebnissen umzugehen gedenke.

Dass die übliche, an den Fachhandel kommunizierte Verlautbarung, das Problem ernst zu nehmen und den Ursachen auf den Grund zu gehen, nicht nur als gänge Wortmeldung an den Markt gedacht war, sondern tatsächlich gefruchtet hat, belegt das Ergebnis des neuen Modells „Marie 3“ im Herbst 2021. Denn die erreichte Note „2,4“ steht dafür, dass das Unternehmen schon ein halbes Jahr nach dem verheerenden Testurteil mit einem neuen Modell auf dem Markt ist.

Umso mehr wird man aufgeatmet haben, als dieses in der vom ADAC ausgewiesenen Gruppierung „bis circa 4 Jahre“ dann gleich auf dem ersten von drei Plätzen unter den Produkten dieser Einstufung landete.

Lars Jäger ist ab 20220 nach Stationen bei Mamas & Papas sowie Swandoo als Senior Sales Manager für das Messeformat Babini zuständig.
Lars Jäger ist Sales Manager von Swandoo und für den deutschsprachigen Raum zuständig. Seinen Einstieg in die Babybranche fand er als hiesiger Country Manager für den britischen Hersteller Mamas & Papas.

Childhood Business: Swandoohat mit dem Modell „Albert“einen mit den Noten 1,6 bzw. 1,7 beurteilten guten Sitz im Markt. Im April 2021 wurde in dem Modell „Marie 2“ Naphthalin im Bezugsstoff festgestellt. Was war die Ursache?

Lars Jäger: Lassen Sie mich grundsätzlich festhalten, dass es sich bei „Marie 2“ um einen sehr sicheren Kindersitz handelt, der insbesondere bei den Crashtests überdurchschnittliche Noten attestiert bekommen hat. Es ist durchaus richtig, dass im Rahmen des ADAC-Tests zwei Fälle von marginalen chemischen Verunreinigungen festgestellt wurden.

Der von der Stiftung Warentest festgelegte Grenzwert für Naphthalin liegt bei 1,0 ppm und wurde um 0,1 ppm bzw. 0,4 ppm überschritten. Zudem ist festzuhalten, dass die Naphthalinwerte, die in den Stoffbezügen gefunden wurden, weit unter dem für Babykleidung verwendeten Grenzwert von 2,0 ppm nach Oeko-Tex-Standard Klasse 1 liegen.

Ursächlich dafür waren die bedruckten Sicherheitslabels. Diese haben wir unmittelbar nach Kenntnisnahme durch unbedenkliche Label ersetzt und natürlich werden ausschließlich diese künftig eingesetzt, wodurch weitere Risiken umgangen werden. Als zusätzliche Kontrolle haben wir seither weitere Tests in externen Labors in Deutschland in Auftrag gegeben, die allesamt einwandfreie Ergebnisse und die Einhaltung sämtlicher Grenzwerte aufzeigen.

CB: Wie groß ist die Charge, die von dem Problem betroffen ist?

LJ: Unser Unternehmen Swan­doo hat sich zum Ziel gesetzt, einerseits die Anwendung und den Gebrauch von Kindersitzen möglichst intuitiv zu halten, um Fehlgebrauch zu vermeiden und andererseits sehr sichere Kindersitze zu entwickeln.

Das in Swandoo gesetzte Vertrauen ist uns sehr wichtig und daher haben wir uns zu der direkten und offenen Kommunikation mit dem Handel und den Endkonsumenten entschieden. Sollte es Bedenken oder Fragen von Anwendern zum Sitz „Marie 2“ geben, werden diese unmittelbar von uns bearbeitet und dem Kunden eine gute Lösung geboten.

CB: Haben Sie den Sitz zurückgezogen oder reagieren Sie anders?

LJ: Als Ergebnis einer kritischen internen Überprüfung der Qualitätsprozesse kam es zu Maßnahmen, die zu noch mehr Kundensicherheit und -zufriedenheit führen werden. Um sicherzustellen, dass die Bezüge bedenkenfrei verwendet werden können, empfehlen wir, die Sitze nach dem Kauf auslüften zu lassen und den Bezug vor Gebrauch einmal entsprechend der Pflegehinweise in der Waschmaschine zu waschen.

Darüber hinaus haben wir in unserer Kommunikation mit dem Fachhandel und den Endverbrauchern ganz klar die Möglichkeit eingeräumt, bei Bedarf einen Ersatzbezug über uns zu beziehen.

CB: Wurde sichergestellt, dass ausgelieferte, aber noch nicht verkaufte Sitze mit unbedenklichen Bezügen nachgerüstet werden?

LJ: Wie bereits erwähnt, sind die Sitze auch mit den bestehenden Bezügen nach dem Auslüften und gegebenenfalls Waschen absolut unbedenklich einzusetzen. Darüber hinaus besteht für den Endverbraucher die Möglichkeit, einen Ersatzbezug zu beziehen.

CB: Im Grunde wundert es immer, dass es der ADAC ist, der solche Probleme entdeckt. Werden Sie Ihre Analysen künftig verstärken?

LJ: Bei uns als kleinem und aufstrebendem Unternehmen führte das Ergebnis zu einer weiteren Optimierung der Prozesse und Abläufe im Sourcing, aber auch in der Qualitätssicherung. Die an Vorlieferanten gestellten Standards wurden weiter erhöht, ebenso wie die Anzahl an Kon­trollen vor, während und nach der Produktion.

Bei Swandoo arbeiten wir mit einer flachen Hierarchie und die einzelnen Bereiche wie Entwicklung, Produktion, Qualitätssicherung und Verkauf pflegen einen engen Austausch, sodass wir schneller Optimierungen realisieren können. In Folge konnten wir die Einführung von „Marie 3“ in kürzester Zeit realisieren.

CB: Erwarten Sie für Ihre Fachhandelsbeziehung einen Rückschlag?

LJ: Swandoo hat sich von Beginn an entschieden, mit dem erfahrenen Fachhandel zusammenzuarbeiten. Diesem war es dann mitzuverdanken, dass das im ersten Augenblick negativ erscheinende Testergebnis relativiert wurde. „Marie 2“ hat mit einer Sicherheitsnote von 2,0 einen exzellenten Wert erreicht und bietet einen hervorragenden Schutz für Ihr Kind. In rückwärts gerichteter Position erzielte „Marie 2“ mit fünf Sternen ein sogar noch besseres und sichereres Ergebnis und ist in dieser Montageart mit Sitzen vergleichbar, die ausschließlich entgegen der Fahrtrichtung verwendet werden können.

Die marginal höheren Naphthalinwerte sind durch minimale Pflege auf ein unbedenkliches Maß zu senken, und erfahrene Fachhändler haben mit diesen Argumenten eine anhaltend hohe Nachfrage nach „Marie 2“ sichergestellt.

Nichtsdestotrotz nehmen wir die Kritik sehr ernst und hatten unverzüglich mit den erwähnten Optimierungen begonnen. Nur so war es uns möglich, bereits jetzt die Weiterentwicklung „Marie 3“ in den Markt einzuführen.

Die positiven Signale und Rückmeldungen aus dem Fachhandel, aber auch von Kunden und Eltern zur Sicherheit von Swandoo-Sitzen, zur Passform, zum Handling, aber auch zur Optik und dem unverwechselbaren Design von „Albert“ und „Marie“, zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Zum Jahresende wollen wir unser Sortiment vervollständigen und einen Sitz in der Gruppe 2/3 anbieten. Unser Ziel ist es, Eltern mit Kindern in allen Altersstufen einen hochwertigen und unverwechselbaren Sitz anbieten zu können. 


Cover der Ausgabe, aus dem der Beitrag stammt. Der eben gelesene Beitrag
Jetzt besser
erschien in der gedruckten Ausgabe 11-12 / 2021 von Childhood Business vom 26.11.2021 auf Seite 32

Hier geht es zu ausgewählten Beiträgen aus der Ausgabe. Nicht alle Inhalte sind Online zu lesen. Die komplette Ausgabe können Sie im Shop hier bestellen.

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