Tom Tailor ist die Kids-Lizenz nicht mehr Banane
Tom Tailor ist die Kids-Lizenz nicht mehr Banane

Die Tom Tailor Gruppe wird sein Kindermodeangebot künftig wieder in eigener Regie entwickeln. Das teilte das Unternehmen in einer gestrigen Pressemeldung mit. Dazu werde das aktuelle Lizenzabkommen mit der Junior Fashion Group zum Jahresende „im beiderseitigen Einvernehmen beendet“, bestätigte das Unternehmen. 

So wird Tom Tailor mit der Kollektion S/S-2022 seine Kidswear-Linie wieder als eigenständige Division in das Unternehmen integrieren und die 1989 gestartete sowie seit 2017 als Lizenzkollektion geführt Kidswear-Sparte unter eigener Regie designen und vermarkten.

Die Tom Tailor Kids-Kollektion werde wieder von der bestehenden Produktexpertise des Mutterhauses profitieren, wird der Vorgang kommentiert. Das beziehe sich gerade auch auf den Bereich der Nachhaltigkeit, heißt es in der Meldung weiter. So werden zahlreiche Produkte aus Organic Cotton hergestellt.

Die erste, wieder in eigener Regie gestaltete Kollektion umfasst die Linien “Mini Boys & Girls” (Größen 92-134) und “Teens Boys & Girls” (Größen 128-176), die ab Juli 2021 als erstmalig voll digitale Order für die Liefermonate Februar und März 2022 angeboten werden wird. Neben den wichtigen Kollektionsartikeln soll außerdem ein ausgebautes NOS-Programm für ständig verfügbare Produkte angeboten werden. 

“Wir freuen uns die Linie Tom Tailor Kids künftig inhouse zu entwickeln und die Kollektion im Sinne unserer ‘Be Part’ Nachhaltigkeitsstrategie auszubauen. Unsere Positionierung als Casual Lifestyle Marke für die ganze Familie können wir mit der Integration noch konsequenter stärken”, sagt CEO Gernot Lenz. “Bei der Junior Fashion Group bedanke ich mich für die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren.”

Überreste der Kanz-Gruppe erodieren damit weiter

Seit die auch als Kanz-Gruppe bekannte Kanz Financial Holding, die über viele Saisons im Markt mit weithin als unzuverlässig beschriebenen Lieferpannen agierte, im April 2020 Pleite ging und mit ihr mehrere Tochterfirmen liquidiert wurden, versuchen die damaligen geschäftsführenden Gesellschafter Kemal Özgür Bender und Harald Hepperle aus geschickt separat geführten Resten wie der Junior Fashion GmbH und der Bellybutton International GmbH sowie der neu aufgetauchten, aber schon seit 2016 von Bender geführten Fashion Accessoires & Bodywear GmbH (FAB) ihre bunte Sammlung an Kindermodemarken fortleben zu lassen.

Was vorher schon als eine unnötig, vermutlich aber nicht grundlos unübersichtliche Firmengruppe aufgezogen war, hing schon lange am Tropf von tatsächlich oder vermeintlich lukrativen Lizenzen.

Ins Schleudern geriet die Kanz Financial Holding, als zwei Jahren vor dem endgültigen Aus der bisherigen Gruppe die Steiff-Lizenz gekündigt wurde, die bis dahin die Cash-Cow des Unternehmens war. 2019 büßte die Gruppe auch die Lizenz für die Marc O’Polo Junior-Kollektion ein, die damals an die Bielefelder Katag ging.

Kopfschütteln ob der Einschätzungsfähigkeit des Esprit-Managements erzeugte die Ankündigung im Dezember 2019, dass die bereits deutlich angeschlagene Kids Fashion Group die Lizenz für die Kindermodelinie von Esprit übertragen bekam.

Offenbar war die Verzweiflung der Marken, überhaupt noch einen Interessenten für ihre Kids-Lizenzen zu finden, ebenso groß wie vielleicht auch manch versprochene Lizenzgarantie verlockend, dass weder finanzielle Warnsignale durchdrangen, noch die Konkurrenzsituation zwischen den Lizenzen von Esprit und Tom Tailor unter der trotz vielfältiger Firmenkonstrukte faktisch identischen Akteursriege sie davon abhielten, die Markenreputation von den absehbaren Reputationsschäden frei zu halten.

Und nun also verlieren die alten Kanz-Akteure auch noch die im Juni 2017 über ihre Junior Fashion Group vereinbarte Tom-Tailor-Lizenz.

Die nun ach so freundlich formulierte Trennung “im gegenseitigen Einvernehmen” verdeckt allerdings die Tatsache, dass die Lizenz nicht einfach auslief, sondern vorzeitig beendet wurde. Denn die 2017 unterzeichnete Vereinbarung war seinerzeit für eine Laufzeit von zehn Jahren geschlossen worden.

Was Hepperle und Bender bleiben ist das über Jahre zusammengekaufte Bündel an Kindermarken, das über die FAB wie auch Bellybutton noch ein wenig dem Markt angetragen wird. Auch an einer Reihe an Spielzeugläden scheint sich der Gestaltungswille noch zu entzünden.

Und trotz zahlreicher Liquidationen wie die der

  • Kanz Financial Holding GmbH,
  • Kids Fashion Group GmbH,
  • Kids Retail Group GmbH,
  • Josef Kanz Verwaltungs GmbH,
  • Döll Fashion GmbH,
  • Pampolina Kids Fashion GmbH,
  • Junior Brands Group GmbH,
  • S + D Company GmbH sowie
  • Build a Bear Deutschland GmbH und
  • Spielwaren Kurtz GmbH,

ohne dass die Auflistung garantiert vollständig ist, ist auch die Lust, Geschäftsführer immer gleich mehrerer Firmen zu sein, offenbar ungebrochen.

Wie es den Unternehmern heute geht, lässt sich trotz einer allgemeinen Pflicht zur Veröffentlichung von Bilanzen nicht ohne weiteres ermitteln. So liefert die immerhin noch aktive “Junior Fashion GmbH” seit Jahren keine Einblicke mehr. Auch die Bellybutton International meldet seit April 2018 keine neue Wasserstandsmeldung. Ebenso schweigt sich die in den Niederlanden börsennotierte “Kids Brands House B.V.” seit 2018 über deren Geschäftsverlauf aus.

Über das Kids Brand House halten Bender und Hepperle 50,7 Prozent der Bellybutton International GmbH sowie 100 Prozent der Junior Fashion Gmb. Letztere hält alleinig die Tom Tailor Lizenz – deren Fortbestehen ja nunmehr beendet wird.

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Als Chefredakteur hat Martin Paff die Branchenmagazine "Childhood Business" und "Childhood Shoes" gegründet. Die Zeitschriften bieten eine Plattform, um die Akteure und Experten im Bereich der Kindermode, Kinderschuhe sowie Erstausstattung miteinander zu vernetzen, relevante Themen aufzubereiten und diese attraktiv zu vermitteln. Als Vater eines Sohnes kennt er viele Aspekte aus eigener Anschauung.