Ausentwickelt, klappbar, wendig und komfortabel müssten doch eigentlich alle Modelle namhafter Kinderwagenhersteller sein. Doch ausgerechnet die billigsten sind die besten!

Während Produkte aus dem Bereich Kindersitze im Auto zweimal jährlich unter Beteiligung des ADAC auf den Prüfstand kommen, werden Kinderwagen viel seltener unter die Lupe genommen. In der Regel alle zwei Jahre stehen Produkte dieser zu jeder Grundausstattung junger Eltern gehörenden Warengruppe bei der Stiftung Warentest unter Beobachtung.

Sind auch die Auswirkungen einer schlechten Testnote dem Vernehmen nach nicht so schwerwiegend wie bei den Autositzen, sind die Ergebnisse der Tester dennoch mehr als eine Randnotiz. Insbesondere wenn die Ergebnisse so überraschen wie die aus der kommenden Juli-Ausgabe des „Test“-Heftes der Stiftung Warentest.

Teuer gleich gut: Das stimmt dieses Mal nicht!

Denn was als Allererstes ins Auge fällt: Die billigsten Produkte haben die im Vergleich besten Noten erreicht. Auch wenn keines der getesteten Modelle eine „1“ vor dem Komma erzielte, wie sie im Bereich der Autositze recht weitverbreitet ist, konnten nur Babyone und Hauck gute Noten erreichen.

Und dass dabei mit dem „B.0.StartKlar Comet“ auch noch eine Hausmarke deutlich vor den eta­blierten Kinderwagenspezialisten auf das Podestchen steigt, ist schon eine starke Leistung.

Hinter dem Modell steckt übrigens der Anbieter Osann. Dort freut man sich übrigens ganz besonders, wie Geschäftsführer Patrick Osann im Gespräch mit unserer Redaktion verriet. Nicht immer konnte man über Testergebisse glücklich sein, so im Autositzbereich. Doch das Babyone mit dem von Osann gelieferten Produkt so erfolgreich punkten konnte, das habe das ganze Team glücklich gemacht.

Der „B.0.StartKlar Comet“ basiert übrigens auf dem Osann-Modell “Vamos”. Da die Eigenmarke preislich günstiger liegen sollte, fehlen Luftkammerreifen und auch die Stoffe sind beim Osann-Original hochwertiger.

Auch Hauck, im Markt gern als „günstiger Anbieter“ herabgewürdigt, konnte mit dem „VisionX Set“ deutlich besser abschneiden als die vermeintlichen Granden wie ABC Design, Bugaboo oder Emmaljunga. Das muss bei dem Unternehmen aus Oberfranken auch deshalb freuen, weil es noch 2020 mit einer „4,6“ für den „Mars Duoset“ durchfiel.

Übrigens landete auch Babyone noch 2019 mit dem „B.O.Startklar T-Light“ und der gleichen Note wie Hauck auf dem letzten Platz. 

Natürlich stellt sich bei allen Tests die Frage, welche Maßstäbe angelegt werden. Denn während bei der Haltbarkeit ausnahmslos alle die Note „1,0“ erhielten, demnach also keine Unterschiede auszumachen sind, fiel das Thema Schadstoffe (fast) nur beim „Day+“ von Joolz negativ auf.

Moon wurde dabei für gefundene Schadstoffe als einziger Anbieter komplett abgestraft – für ein separat erhältliches Regenverdeck. Das sollte aus dem Programm! In der Handhabung sind alle Modelle relativ gleichauf.

Was aber zu den Hauptkompetenzen eines Herstellers gehört, ist die „kindgerechte Gestaltung“. Und hier sehen die Tester breite Defizite. Vier Modelle rauschten hier entscheidend ab. Das Modell “Samba” von ABC Design konnte hierbei übrigens am besten abschneiden. Baby Jogger, Emmaljunga und Stokke mit seinem “Xplory” erhielten hier gerade mal die Noten “4,5”.

Gut, dass der Bereich wieder einmal in Augenschein genommen wurde. Doch auffällig ist, dass ein Testfeld von zwölf Marken und Modellen einfach zu klein ist. Namhafte Hersteller wie Britax-Römer, Gesslein oder Hartan fehlten ganz.

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