Der Vorhang für die Pitti Bimbo geht im Sommer 2020 nicht mehr auf.
Im Sommer 2020 geht der Vorhang für die Pitti Bimo – leider – nicht mehr auf. Ganz anders war das noch bei der letzten Fashion Show von Monnalisa auf der Pitti Bimbo im Januar 2020. Foto: Gabriele Pasceri, Pitti Bimbo

Die Veranstalter der Pitti Bimbo, namentlich das Pitti Immagine Board., haben gestern Abend in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, ihre Position zur Veranstaltung der vom Haus ausgerichteten Messen Pitti Uomo, Pitti Bimbo, Pitti Filati, Fragranze und Super zu überdenken. Noch Mitte März hatte es geheißen, dass die Pitti Bimbo trotz der damals schon massiven, aber früher als in Deutschland und damit zu dem Zeitpunkt schon länger wirkenden Veranstaltungsverbote in Italien an einer Ausrichtung der Pitti Bimbo am regulären Veranstaltungstermin Mitte Juni festhalten wolle.

Gut zwei Wochen später, am Anfang April, wurde dann mitgeteilt, dass die Messen nach hinten verschoben werden. Für die 91. Ausgabe der Pitti Bimbo wurde ein Termin am 9. und 10. September 2020 avisiert. Auch sollte die Messe von drei auf zwei Tage verkürzt werden. Immerhin galt es, die „Fragranze“ bereits vom 11. September an umzusetzen. Diese ist zwar nicht am gleichen Ort wie die Pitti Bimbo im Fortezza da Basso geplant, sondern in der Stazione Leopolda. Dennoch muss die gleiche Organisation den Event umsetzen.

Alle Veranstaltungen für 2020 abgesagt

Claudio Marenzi - Präsident der Pitti Immagine
Claudio Marenzi – Präsident der Pitti Immagine

Jetzt teilte der Veranstalter mit, dass das Board nach einem Bericht vom CEO Raffaello Napoleone und General Manager Agostino Poletto – aufgrund zu geringer Anmeldezahlen vonseiten der Aussteller aufgrund der anhaltenden Schwierigkeiten der Unternehmen – alle Veranstaltungen für 2020 absagt.

Alternativ wolle man in diesem Sommer die digitale Plattform Pitti Connect forcieren. Diese solle an Anfang Juli allen Ausstellern zur Verfügung stehen.

„Dies war eine sehr schmerzhafte, aber unvermeidliche Entscheidung“, sagt Claudio Marenzi, Präsident von Pitti Immagine, „diktiert durch die Bedingungen operativer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten, in denen sich die Mehrheit der produzierende Unternehmen und Einzelhändler – Geschäfte wie Kaufhäuser – befindet. Ebenso resultiert sie aus den Unsicherheiten, die nach wie vor hinsichtlich der Modalitäten für Reisen von einem Land in ein anderes bestehen, einschließlich der Quarantänebeschränkungen, die die Reisepläne der internationalen Käufer einschränken.“

Die Messeleitung ergänzt, dass die Veranstaltung der Pitti Immagine für die italienische Modeindustrie eine außerordentliche große Bedeutung hat, gerade auch für kleinere und mittlere Unternehmen. Aus diesem Grund ergänzt Marenzi, dass man bedauere, dass man durch den Ausfall der Messen in diesem Sommer nicht dazu beitragen könne, die Wirtschaft wiederzubeleben.

„Wir werden jetzt alle unsere Ressourcen in die digitalen Messen Pitti Connect stecken“, fügt Napoleone hinzu. Wie bei der Pitti üblich wird die Messe dafür finanziell von den Behörden unterstützt. Substanzielle Hilfe für den Ausbau der digitalen Plattform erhält man von der italienischen Handelsagentur (Agenzia ICE).

Dabei die die Pitti Connect nicht neu. Im Bereich der Kindermode spielt sie aber bis heute keine große Rolle. Dennoch, so Napoleone, sei man sehr zuversichtlich, „dass wir den Unternehmen den echten Pitti-Service bieten können, der in der Lage ist, die nötigen Geschäfts-, Förderungs- und Kommunikationsanforderungen zu erfüllen, insbesondere in dieser Saison.“ Das Feedback zu neuen Funktionalitäten der App aus den letzten Monaten sei sehr positiv gewesen.

Die neue digitale Plattform soll ab der erste Juliwoche zur Verfügung stehen und Unternehmen bei der Einhaltung der traditionellen Zeitplanung der Order helfen. Diese solle zudem auf den gesamten September ausgedehnt werden.

Pitti Connect, so heißt es weiter, sei ein fortschrittliches Netzwerk- und Marktplatz-Tool, das es Ausstellern ermöglicht, ihre Sichtbarkeit gegenüber Tausenden von qualifizierten Käufern zu erhöhen. Die App erlaubt die Verwaltung von Aufträgen und die Durchführung von digitalen Veranstaltungen sowie Live-Präsentationen. Damit will Pitti Connect mehr als ein virtueller Showroom sein. Die App verspricht Marken die Möglichkeit, Auftritte redaktionell und kuratorisch zu gestalten.

Auch wenn die letzten drei Monate, in denen die Ausrichtung der Messen im September 2020 das Ziel war, nun mit den Absagen ins Leere gelaufen sind, wird sich das Team der Pitti Immagine ab sofort darauf konzentrieren, neben der digitalen Plattform unverzüglich mit der Programmierung der nächsten Winterausgabe zu beginnen, um zur Konsolidierung und Unterstützung der lang ersehnten Erholung der Modewirtschaft und des kommerziellen Handels ab dem Herbst und mehr noch zum Beginn des Jahres 2021 beizutragen.

Weitere Messen in Europa und Deutschland

Mit der Absage der Pitti Bimbo fällt nach der bereits erfolgten Absage der Playtime Paris ein weiteres wichtiges Messeformat in Europa aus. Dagegen will die dänische CIFF Youth an der Ausrichtung festhalten, wie gerade erst mitgeteilt wurde, wird aber wieder im Zeitraum der früheren Jahren, im August, stattfinden – und nicht wie für 2020 angekündigt bereits im Juni.

Auch die niederländische Sunday School soll stattfinden, allerdings bereits relativ früh am 12. und 13. Juli 2020. Hier sollte man allerdings noch auf etwaige Änderungen achten.

Die von Madrid nach Valencia zurückgezogene spanische FIMI hat noch kein offizielles Statement abgegeben, aber auch keinen möglichen Termin bekanntgegeben. Damit dürfte feststehen, dass eine Ausrichtung in diesem Sommer nicht mehr zu erwarten ist.

Aus England von der Index Kidswear gibt es ebenfalls noch kein finales Statement. Eigentlich für den 5. und 6. Juli 2020 terminiert, sei man noch am Überlegen, die Show zu verlegen, abzusagen oder digital stattfinden zu lassen.

In Deutschland hingegen haben sich alle Veranstalter von Ordermessen dazu bekannt, die Events nach hinten in die Zeit vom Juli und August zu verlegen.